Visionäre Übergänge – Das Literaturhaus baut ermutigende Brücken zu Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft Kultur | 05.06.2026 | Erika Weisser
Vogel im Handgelenk: Konzert mit Frieda Paris und Musikerinnen des Ensemble Recherche
„Kompass“ heißt die Veranstaltungsreihe, die im Sommerprogramm des Literaturhauses Freiburg die zentrale Rolle spielt. In acht visionären Präsentationen ganz unterschiedlicher Genres wird ausgelotet, wie
Literatur richtungsweisend oder ermutigend sein kann und zum Handeln anregt. Gefördert werden die Lesungen in verschiedenen Formaten und Räumen von der Stiftung Literatursommer Baden-Württemberg.
Die Stiftung, sagt Katharina Knüppel, setze lediglich das Thema des im Zweijahresturnus veranstalteten Literatursommers. Die Umsetzung liege dann bei den örtlichen Veranstaltern. Und das von ihr und Martin Bruch geleitete Freiburger Team hat – zusammen mit zwölf Kooperationspartnern – ein facettenreiches Programm auf die Beine gestellt, das viele existenzielle Aspekte der heutigen Gesellschaft beleuchtet.
Den Auftakt der Reihe machte Judith Schalansky, die in „Marmor, Quecksilber, Nebel“ gleichermaßen wissenschaftlich wie poetisch die Bedingungen des Lebens und Schreibens auf unserem zunehmend bedrohten Planeten erforscht. Auch Saša Stanišić war schon mit von der Partie; er kam mit dem früheren SC-Trainer Christian Streich ins Gespräch – über Haltung, Herkunft, Humor und gesellschaftliches Engagement. Stoff für den Abend unter Fußballfreunden im Theater lieferten Stanišićs „Reden gegen das Nichtstun“ aus seiner Sammlung „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“.

Gäste: Angela Merkel, Judith Hermann, Alexander Leistner, Manja Präkels und Barbara Thériault
Der nächste illustre Gast im Sommerprogramm gehört zwar nicht in die Kompass-Reihe, hätte darin nach Knüppels Worten durchaus einen Platz: Gleich nach den Pfingstferien, am 8. Juni, bringt Angela Merkel ihre Biografie „Freiheit“ nach Freiburg. Im Großen Haus des Theaters erzählt sie aus ihrem privaten und politischen Leben.
Auf dieses Plädoyer für die Freiheit folgt eines für Unerschrockenheit: Über ihre unter dem Titel „Extremwetterlagen“ veröffentlichten literarischen Reportagen über die nicht nur im Osten spürbaren Veränderungen des gesellschaftspolitischen Klimas unterhalten sich Manja Präkels, Barbara Thériault und Alexander Leistner. Auch darüber, wie Gegenwind wirksam organisiert werden kann (16.6.).
Drei Tage darauf geht es ebenfalls um das Durchbrechen des Schweigens: Comicautorin Birgit Weyhe, für die „Erinnerung ein Akt des Widerstands geworden“ ist, kommt im Augustinermuseum mit Ella Detscher vom NS-Dokuzentrum ins Gespräch. Dabei geht es um ihre Graphic Novel, in der sie dokumentiert, wie das Auswärtige Amt nichts unternimmt, als die Militärdiktatur Argentiniens zwei deutschstämmige Frauen verschwinden lässt. Wegen der bevorstehenden Fussball-WM.
Federleicht kommt hingegen Frieda Paris daher, die in der Sonntags-Matinee am 21. Juni ihr aus Fundstücken aus dem Nachlass von Friederike Mayröcker entstandenes Langgedicht „Nachwasser“ präsentiert. „Im Handgelenk ein Vogel“ ist das Lesekonzert betitelt, das die Autorin zusammen mit dem Ensemble Recherche in Szene setzt.
Schwerer wird es dann wieder, wenn Judith Hermann (26.6.) ihr jüngst erschienenes Großvater-Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ in Freiburg präsentiert. Und auch Helene Bukowski, die am 17. September mit dem Kollektiv „bauschen & biegen“ ihren Roman „Wer möchte nicht am Leben bleiben“ präsentiert, verarbeitet ein trauriges Thema: den Freitod einer jungen Pianistin.
Fotos: © Peter Gwiazda, El Menges, Peter Gwiazda, Urban Zintel, Andreas Reiberg, Swen Reichbold, Christoph Voy, Maurice Weiss









