Mehr Kongresse auf der Messe: FWTM-Chef Daniel Strowitzki über Rekorde, Enttäuschungen und die eigenen Stärken Messewesen | 11.11.2022 | Lars Bargmann

Luftbild der Messe Freiburg

Pandemie, Querelen mit dem Wirtschaftsministerium in Stuttgart, der Verlust der Weltleitmesse Interbrush und viel Personaltrubel – es hat schon ver­gnügungssteuerpflichtigere Zeiten an der Messe Freiburg gegeben. Dennoch empfängt Messechef Daniel Strowitzki den Besucher gut gelaunt: „Die Freiburger Messe hat viele Stärken.“ Und im ver­gangenen Jahr einem Umsatzrekord hingelegt.

Die wirtschaftliche Bilanz sieht glänzend aus: Rund 22 Millionen Euro setzte die Messegesellschaft um. In einem für Messemenschen mit Katastro­phen­jahr ganz gut beschriebenen Zeit­raum.
Aber durch das Impfzentrum, viel­stimmig gelobt, konnte die Messe nicht nur stattliche Rechnungen ans Land schicken, sie konnte auch ihre Be­schäftigten im Lockdown sinnvoll beschäftigen. „Wir haben in dieser Krise in Kooperation mit dem Rathaus Mut und absolute Stärke bewiesen“, sagt Strowitzki.

Ohne das Impfzentrum wäre es aber auch für den Freiburger Messe­standort ein miserables Jahr geworden. Direkt aus dem Lockdown heraus or­ganisierte das Team die Intersolar ­Brasil, die Smarter E Europe in München und hatte quasi das Glück des Tüchtigen: „Wir haben dran geglaubt, dass es geht, das in kürzester Zeit auf die Beine gestellt und es hat geklappt.“

Mindestens unschön ist das Aus für die Interbrush, die seit 1977 alle vier Jahre die Freiburger Messehallen bespielt hatte – und dabei auch regelmäßig sicht­bare Spuren in der Bilanz hinter­lassen hatte. 2016 waren 7500 Fachleute aus 90 Ländern nach Freiburg ge­kommen. 2020 fiel sie Corona zum Opfer.

Schon im vergangenen Herbst hatte die Zahoransky AG den Messechef darüber informiert, dass sie nicht mehr weitermachen wolle. „Eine unter­nehme­rische Entscheidung, das ist zu akzeptieren.“ Dann gab es noch zwei weitere Big Player aus Belgien und Italien auf der Weltleitmesse – und die wussten nicht mehr, was sie dann noch in Freiburg sollen. Und so kam das Aus. „Das tut schon weh, auch menschlich, wir haben vieles versucht, sind aber zu keiner tragfähigen Lösung gekommen“, sagt Strowitzki. In Freiburg bleibt nun noch der Name. Dem Vernehmen nach soll die Bürsten-Expo nun in Italien eine neue Heimat finden.

Daniel Strowitzki

Daniel Strowitzki: Mehr Aufgaben, mehr Personal

In Dubai hatte die Weltausstellung Ende März ihre Dernière. 15 Millionen Euro hatte der Baden-Württemberg-Auftritt als „The Länd“ gekostet, mehr als 600.000 Besucher hatten die Veranstalter der Baden-Württemberg Expo 2020 Dubai GmbH gezählt. „Das sind 25 Euro pro Kontakt, die Dubai-Expo war geil“, sagt Strowitzki, der auch die Geschäfte der Expo GmbH führt.

Weniger geil war, dass er dann aus der Presse erfahren durfte, dass das Wirtschaftsministerium eine viele Millionen schwere Regressforderung an die GmbH richtete, an der die FMMI (Freiburg Marketing Management International, eine Tochter der Freiburg Wirtschaft Tourismus und Messe GmbH), die Ingenieurkammer Baden-Württemberg und das Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) beteiligt sind. Seit acht Monaten streiten nun die Anwälte auf beiden Seiten. „Ich gehe weiter davon aus, dass da an uns keine Kosten hängen bleiben“, so Strowitzki.

Am Freiburger Rathaus in den nächsten fünf Jahren aber stolze 46 Millionen Euro. So steht es in der Zielvereinbarung, die Verwaltung und die FWTM unlängst unterzeichnet haben. 9,2 statt zuletzt 7,4 Millionen braucht sie, um ihre Verluste zu decken. „Wir übernehmen in Freiburg immer mehr Aufgaben und brauchen dafür immer mehr Personal“, sagt der FWTM-Geschäftsführer. Derzeit arbeiten für die Stadttochter 175 Menschen, vor zehn Jahren waren es 140.

Gerade im Messebereich gab es in den vergangenen Monaten aber eine Kaskade von Kündigungen. „Das war schon brutal“, erzählt Strowitzki. Acht (von 35) Stellen waren zwischenzeitlich vakant, aktuell sind es noch drei. Auch die IKF-Chefin Susanne Göhner hatte der Messe den Rücken zugedreht (wir berichteten exklusiv). Die Aufgabe hat nun Karola Mohr übernommen.

Mit der Internationalen Kulturbörse Freiburg (IKF) startet die Messege­sell­schaft am 22. Januar ins Messejahr 2023. Mit der CannaB., die in der ersten Dezemberwoche die erste deutsche Messe nach der Bekanntgabe von Eck­punkten zur Cannabis-Legalisierung ist, und der Gastro Pro (Ende Januar) gibt es zwei neue Fachkongresse mit Drehort Frei­burg. Und auch die Inter­brush-Lücke soll mit einem Kongress geschlossen werden: „Wir müssen“, sagt Strowitzki, „mehr in besondere Formate gehen.“

Fotos: © Neithard Schleier, Julia Rumbach