„Nur Quatsch im Kopf“: Auf Tour mit den Freiburger Klinikclowns STADTGEPLAUDER | 31.03.2016
Immer donnerstags geht’s hoch her in der Freiburger Kinderklinik. Ab 14 Uhr sind die Clowns unterwegs. Eine Studie hat nun erstmals bewiesen, was die Profi-Spaßvögel bewirken. Der findefuchs hat zwei Freiburger Klinikclowns begleitet. Es wurde gespielt, gesungen, geweint und gelacht (Bildergalerie ganz unten).
Zum Gesundlachen: Die Klinikclowns Luise (weiße Kappe) und Huhn blödeln mit der kleinen Jasmin in der Freiburger Kinderklinik.
Donnerstag, 14 Uhr, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg. Ein kleines Büro im ersten Stock. Clown Luise alias Inga Siebel (49) schminkt sich. Die Nase rot, die Augenlider weiß, passend zur Badekappe auf ihrem Kopf. Neben ihr sitzt Clown Huhn, die Christine Weber heißt. Sie trägt eine blaue Hose, ein rot-weißes Streifenshirt und eine knallbunte Mütze. „Jede Woche wartet hier eine andere Überraschung auf uns“, sagt die 48-Jährige. Alle zwei Wochen sind die Proficlowns auf zwei anderen Stationen im Einsatz. Fünf Stationen besuchen sie insgesamt.
Heute geht’s auf die Station für krebskranke Kinder. Eine Kinderkrankenschwester bespricht dort zunächst mit den Clowns die Lage: Welche Kinder sind da, wie alt sind sie, wie geht es ihnen. „Brauchen wir heute keinen Mundschutz?“, fragt Luise. „Nein, genießt es!“ antwortet die Krankenschwester. Los geht’s.
Der erste Patient ist ein Junge, etwa zehn Jahre alt. Er liegt im Krankenbett, eine Blutdruckmanschette hängt an seinem Arm. „Ey, cooles Armband, ich bin die Huhn“, spricht sie ihn an. Er lächelt verstohlen und fordert ein Lied. Huhn und Luise trällern ihm „Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu“ vor. Dann spielen die Clowns Tennis mit einem Luftballon und einem aufgeblasenen Gummihandschuh als Schläger. „Wimbel Schlimbel“, nennt das Weber und macht ungelenke Dehnübungen. Der Junge lacht.
Jetzt geht’s in den Aufenthaltsraum ein paar Meter weiter. Sie pusten Seifenblasen durch die Luft. Plötzlich rollt Jasmin um die Ecke. Die Sechsjährige ist seit Dezember in der Klinik, sitzt heute im Rollstuhl, ist an Schläuche angeschlossen. „Ich habe Euch singen gehört“, sagt Jasmin forsch. „Wie legst du eigentlich Eier, drückst du?“, fragt Luise Huhn. „Nur Quatsch im Kopf“, sagt die sichtlich amüsierte Jasmin. Die Clowns schauen sich gegenseitig in die Nase, um den Quatsch zu suchen. Vergeblich. „Ich finde die Klinikclowns total wichtig, sagt Jasmins Mutter, Lachen heilt, das ist wirklich so.“
Dann sind die Clowns bei einem russischen Kind. Huhn singt ihm ein Lied auf Russisch vor. „Wir versuchen uns anzupassen“, sagt Luise. Auch ein paar Brocken Arabisch oder Rumänisch hätten sie im Programm. Als Klinikclown müsse man auf vieles vorbereitet sein. Auch auf Unerwartetes, wie das nächste Krankenzimmer zeigt. Als Huhn dort einen Kleiderschrank zum Königinnenschloss erklärt und Prinzessinnenklamotten entdeckt, bricht ein Kind in Tränen aus. Luise schimpft daraufhin wie ein Rohrspatz mit Huhn. Das gefällt der Kleinen. Mit Riesenverrenkungen „schleichen“ die beiden Clowns aus dem Zimmer.
Klinikclowns
Die Arbeit der fünf Klinikclowns am Universitätsklinikum Freiburg wird aus Spenden finanziert. Jeden Donnerstag kommen sie in wechselnder Besetzung für etwa drei Stunden in die Kinderklinik. Eine deutsche Pilotstudie hat kürzlich gezeigt, wie Klinikclowns wirken: Der Oxytocin-Spiegel war bei den untersuchten Kindern um 30 Prozent höher. Das „Kuschelhormon“ sorgt für Stressabbau und Vertrauen zu Mitmenschen. Das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin schätzt die Arbeit der Clowns: „Sie können für viele Kinder eine Bereicherung sein“, sagt die Geschäftsführende Ärztliche Direktorin Charlotte Niemeyer.
Text & Bilder: Till Neumann
Mehr auf www.klinikclowns-freiburg.de und bei der Freiburger Uniklinik
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