“Weggehen oder kämpfen?” : Wie US-Studentinnen in Freiburg die Trump-Ära erleben Schule & Studium | 08.10.2025 | Ioana Boltres
Sind besorgt über die Lage in ihrer Heimat: Maddie Lewis (21, links) und Amelia Dewberry (20)
Die liberale Gesellschaft in den USA steht unter Beschuss. Auch die Universitäten sollen stärkeren Restriktionen unterworfen werden. Zwei amerikanische Studentinnen, die das Sommersemester in Freiburg verbracht haben, erzählen im chilli von ihren Erfahrungen und Ängsten. Professorin Sabine Hake spricht von einer“ symbolischen Attacke.“
„Stelle unter Vorbehalt“
“Die Wahrheit wird euch frei machen.” Dieser Anspruch an Wissenschaft ist auf dem Kollegiengebäude I der Universität Freiburg zu lesen. Und weil Wahrheit immer umkämpft und nicht diktierbar ist, überrascht es wenig, dass US-Präsident Donald Trump seit seiner Amtsübernahme neben Gerichten und Medien auch die Universitäten ins Visier nimmt.
Der Druck auf Lehrende und Studierende wächst – durch Mittelkürzungen, angedrohten Visa-Entzug und weitreichende inhaltliche Forderungen. Maddie Lewis (21) und Amelia Dewberry (20) studieren Umweltwissenschaften in den USA und haben das Sommersemester in Freiburg verbracht. Maddie studiert an der University of Vermont und macht sich Sorgen, dass die Streichung von Geldern auch ihre Uni treffen könnten: “Ich habe gerade eine Stelle als studentische Hilfskraft bekommen und mir wurde gesagt, dass das unter dem Vorbehalt steht, dass wir die Forschungsgelder bekommen.”
„Wirklich deprimierend“
Auch an ihrer Uni gab es im vergangenen Jahr pro-palästinensische Protestcamps, die der Regierung ein großer Dorn im Auge sind: “Ich frage mich, ob es mehr Debatten und Proteste geben wird oder ob die Leute in der aktuellen Situation Angst haben zu protestieren.”
Amelia studiert in Minnesota. Als angehende Umweltwissenschaftlerin sorgt sie sich um die langfristigen Auswirkungen von Trumps Politik: “Wenn wir Forschungsgelder für die Naturwissenschaften kürzen, werden wir als Gesellschaft nicht mehr so sehr vorankommen, wie wir eigentlich müssten. Das ist wirklich deprimierend für die Zukunft der USA und der Welt.”
„Symbolische Attacke auf die Eliten“
Sabine Hake hat als Professorin für German Studies fast 40 Jahre in den USA gelehrt, mittlerweile lebt sie in Freiburg. Für sie ist Trumps Motivation klar: “Es ist eine symbolische Attacke auf die Eliten.“
Das Klima ist so bedrohlich, dass einige Wissenschaftler*innen die USA verlassen haben. “Das ist etwas, worüber ich viel nachdenke: Soll ich irgendwo hingehen, wo meine Rechte und Freiheiten geschützt werden oder bleiben und kämpfen?”, sagt Maddie. Mittlerweile ist sie wieder zurück in den USA. “Ich mache mir Sorgen um viele meiner Freiheitsrechte.”
Amelia denkt, dass sie als Wissenschaftlerin angesichts der Kürzungen bessere Karrierechancen im Ausland hätte. Nachdem sie nun einige Monate in Freiburg verbracht hat, kann sie sich gut vorstellen auszuwandern. Unproblematisch fände sie das aber nicht: “Ich habe die Möglichkeit zu gehen. Viele Leute, die mehr unter Trump leiden als ich, haben sie nicht.“
Auch Sabine Hake sieht schwarz: „Ich könnte niemandem empfehlen, dort zu studieren im Moment. Und die amerikanische Demokratie ist in einer Krise, die man nur mit dem Bürgerkrieg vergleichen kann.”








