Bitte was mit Tieren – Die Ausbildung als Pferdewirt*in ist vielfältig Ausbildung & Arbeit | 15.03.2026 | BZ/Marie von der Tann (dpa)

Hat nach der Ausbildung zum Pferdewirt einen Meister drangehängt: Jan Schulze Niehues Hat nach der Ausbildung zum Pferdewirt einen Meister drangehängt: Jan Schulze Niehues

Pferde trainieren, Reitschüler*innen ausbilden: Wer sich das als Beruf wünscht, kann eine Ausbildung zum/zur Pferdewirt*in ins Auge fassen. Aber zum Job gehören oft noch weitere Aufgaben.

Was alles zum Job gehört und was junge Menschen, die mit der Ausbildung liebäugeln, mitbringen sollten, verrät Pferdewirtschaftsmeister Jan Schulze Niehues im Job-Protokoll.

Mein Weg in den Beruf

„Meine Berufswahl lag nahe: Mein Vater führt als Pferdewirtschaftsmeister unsere Fachschule Reiten bereits in zweiter Generation. Mit Pferden und Gästen bin ich auf dem Hof aufgewachsen. Dann kamen die Lehre zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten und später die Meisterprüfung, um auf die geplante Betriebsübernahme möglichst gut vorbereitet zu sein.

So sieht mein Alltag aus

Auf unserem Hof bieten wir nicht nur Reitlehrgänge an, sondern trainieren auch Sportpferde, um sie auf Reitturnieren vorzustellen. Mein Arbeitstag startet morgens um 7.30 Uhr mit Büro- und Verwaltungstätigkeiten. Hierzu gehören auch Mitarbeiter- und Teamgespräche über die Tages- und Wochenplanung und Organisationsmöglichkeiten. Von 10 Uhr bis 12 Uhr sind Reiteinheiten mit meinen Turnierpferden. Dabei arbeiten wir im Team, sodass die Pferde für das Training optimal vorbereitet sind. Nachmittags gebe ich meist drei Stunden Reitunterricht. Ab 17 Uhr werden wieder die Turnierpferde trainiert. Bis alle anfallenden Tätigkeiten erledigt sind, ist es meist 20 Uhr. Und: Eine Fünf-Tage-Woche gibt es in unserem Betrieb nicht. Sowohl die Gäste als auch die Pferde verlangen jeden Tag Engagement und Aufmerksamkeit – und das sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr.

Das Beste an meinem Job

Der Umgang mit dem Pferd ist einzigartig und für mich eine Herzensangelegenheit. Die Ausbildung von Pferd und Reiter gefällt mir sehr und dabei auch die gute Zusammenarbeit im Team.

Das erschwert meinen Beruf

Wie in vielen anderen Betrieben ist es auch bei uns nicht immer ganz einfach, ein passendes Team für die einzelnen Arbeitsbereiche zu finden. Wir versuchen dabei die Interessen der Mitarbeiter möglichst optimal zu berücksichtigen.

Ein Fakt spielt leider gegen uns: Das Lehrpferd als solches steht durch gestiegene Kaufpreise und die Haltungskosten inzwischen – nur wirtschaftlich betrachtet – schwer in der Bilanz. Der hohe Kaufpreis sowie die gestiegenen Haltungskosten erscheinen oft sehr unwirtschaftlich. Aber mit Blick auf den Nutzen für die Kunden sind für uns diese Investitionen unabdingbar und gewollt. Gleichzeitig zwingen sie uns aber auch, neue Geschäftsmodelle zu denken und umzusetzen.

Was viele denken

Einen Berufsreiter stellen sich viele Menschen ganztägig im Sattel vor. Erzähle ich dann von unserem Betrieb und der Verantwortung für die Vielzahl der Mitarbeiter, verstehen die meisten sehr schnell, dass hier neben dem Reiten noch viele andere Bereiche abgedeckt werden müssen.

Das empfehle ich jungen Interessierten

Zunächst in einen entsprechenden Betrieb kommen, möglichst ein mehrwöchiges Praktikum dort absolvieren und Eindrücke gewinnen. Beim Pferdewirt Schwerpunkt Reiten sind gute Vorkenntnisse notwendig und werden meistens vorausgesetzt. Je besser der Leistungsstand, umso leichter hat man es in der Ausbildung.

Mein Tipp: Nach der Ausbildung möglichst die Weiterbildung zum Meister anstreben. Das ist in diesem Beruf genauso wie in anderen Ausbildungsberufen. Es gibt eine große Nachfrage an Fachkräften und die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten im Beruf sind dementsprechend.“

Fotos: © Kirsten Neumann (dpa)