„Was total Verrücktes“ – Aline über ihre Ausbildung zur Floristin in Freiburg Jobstarter | 26.10.2025 | Till Neumann
Hat die Abschlussprüfung in Freiburg mit Bestnote geschafft: Aline Koch aus Müllheim – hier in ihrem Ausbildungbetrieb Hils-Koop.
Kreativ, intensiv, abwechslungsreich. Aline Koch hat in Freiburg ihre Ausbildung zur Floristin abgeschlossen. Auf die Idee kam sie durch Zufall und ist überglücklich. Ihren Abschluss hat sie mit Bestnote gemacht – nur eins hätte sie fast daran gehindert.
„Ich habe mein Abitur gemacht und gedacht, ich muss studieren gehen.“ Zum Beispiel Psychologie. Das erzählt Aline am Tag nach ihrer Abschlussprüfung zur Floristin. Sie steht im Eingangsbereich der Hils-Koop GartenBaumschule & Floristik in Freiburg.
Dass sie hier ist, verdankt sie dem Zufall: „Ich bin irgendwann in einen Blumenladen gegangen und dachte mir: Warum eigentlich nicht das?“ Kreatives und Blumen habe sie immer geliebt. Doch gedacht: „Daraus kann man keinen Beruf machen.“
Die Idee ließ sie nicht los. „Ich habe ein bisschen rumgegoogelt, Videos auf YouTube und TikTok gefunden.“ Schnell merkte sie, Florist*innen machen nicht nur kleine Blumensträuße, sondern richtige Eventlogistik. „Irgendwie cool, was alles so geht.“ Sie entschied sich nach dem Abi in Müllheim für eine Floristik-Ausbildung in Freiburg.
In den drei Jahren hat sie viel gelernt: „Es ist ein extrem breites Spektrum.“ Farbenlehre, Botanik, Gestaltungslehre. Wie viel Wissen in einem Blumenstrauß steckt, hat sie überrascht. Und ein weiterer Punkt: „Der Kundenkontakt ist ein riesiger Aspekt.“ Wenn jemand einen Strauß möchte, sei das eine intensive Interaktion. „Weil das eben über Blumen läuft.“
Begeistert haben sie auch Großprojekte: „Wenn Hochzeitsgäste kommen, ist das ein total tolles Event.“ Genauso bei Traueranlässen, weil sie Trost spenden könne mit etwas, das sie selbst macht.
Mindestens 300 Blumensorten musste sie am Ende können. Und ist tief in die Farbenlehre eingetaucht: „Wenn man weiß, welche Farben zusammen funktionieren, kann man ganz tolle Werkstücke machen.“ Toll fand sie auch die Abwechslung: Morgens wusste sie oft nicht, was der Tag alles bringt. „Das läuft meistens spontan“, sagt Aline.
Belastbarkeit ist dabei gefragt. „Der Job heißt neun Stunden stehen jeden Tag – es ist nicht leicht körperlich.“ Man müsse es lieben. „Dann funktioniert auch alles andere.“
Für die einwöchigen Theorie-Blöcke hatte sie Unterricht in der Edith-Stein-Schule in Freiburg. Zukünftig geht das nur noch in Villingen-Schwenningen, was für Ärger sorgt bei Ausbildenden und den Azubis. „Ich hätte die Ausbildung mit Unterricht in Villingen nie gemacht – das wäre zu umständlich“, sagt Aline. „Die Schule zu schließen geht gar nicht – die killen den Beruf“, sagt ihre Ausbilderin Therese Koop.
Von neun Azubis in ihrem Freiburger Jahrgang war Aline die Beste. Note 1,6. „Also ich war jetzt nicht von Anfang an perfekt“, erklärt sie. „Ich habe alles lernen müssen, aber man kann darin recht schnell recht gut werden.“
Wie schwer ist es, einen Job zu finden? „Gar nicht schwer, weil jeder Betrieb sucht“, betont Aline. Sie zieht es in die Eventfloristik. Auch weil sie das Gefühl hat, dass das mehr Zukunft hat als ein Blumenladen. Ihr Tipp für Menschen, die Florist*in werden wollen? „Man muss offen sein für was total Verrücktes – und sich auch körperlich darauf einlassen.“
Foto: © Till Neumann











