Weniger Ausbildungsplätze – Warum es für Jugendliche gerade schwieriger wird Jobstarter | 16.04.2026 | Tatjana Forsthuber
Dranbleiben: Wer sich früh auf den Weg macht, ist gut beraten.
Wer nach der Schule eine Ausbildung beginnen möchte, merkt schnell: Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist angespannt. Die schwierige wirtschaftliche Situation in Deutschland wirkt sich deutlich auf die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze aus – und damit direkt auf die Chancen vieler Jugendlicher.
Im Jahr 2025 wurden bundesweit rund 476.000 duale Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 10.300 weniger als im Vorjahr, was einem Rückgang von 2,1 Prozent entspricht. Die Entwicklung verläuft allerdings nicht in allen Bereichen gleich. Während in den Freien Berufen, etwa in Arztpraxen oder Kanzleien, die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 4,6 Prozent gestiegen ist, gab es im Handwerk ein leichtes Plus von 0,4 Prozent. Deutlich schlechter sieht es dagegen in Industrie und Handel aus. Dort sank die Zahl der neuen Verträge um 4,6 Prozent, was einem Minus von 12.600 Verträgen entspricht. Auch im Öffentlichen Dienst wurden weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen.
Noch gravierender ist der Rückgang beim Angebot an Ausbildungsplätzen. Insgesamt wurden rund 530.300 Stellen gemeldet – das sind 25.300 weniger als im Jahr zuvor. Besonders stark betroffen ist das betriebliche Ausbildungsangebot, das um fünf Prozent zurückging. Seit 2009 ist das Angebot nur im ersten Jahr der Corona-Pandemie noch stärker gesunken. Für Jugendliche bedeutet das: weniger freie Plätze und damit mehr Konkurrenz.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage leicht an. Rund 560.300 Bewerberinnen und Bewerber suchten 2025 einen Ausbildungsplatz, das sind 3700 mehr als im Vorjahr. Mehr junge Menschen bewerben sich also auf weniger Stellen. Diese Entwicklung verschärft die Situation auf dem Ausbildungsmarkt spürbar.
Auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist gesunken. Etwa 54.400 Stellen blieben vakant – 15.000 weniger als im Jahr zuvor. Der Anteil der unbesetzten Plätze an allen betrieblichen Angeboten liegt nun bei 10,6 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2020. Auf den ersten Blick wirkt das positiv, tatsächlich zeigt es jedoch vor allem, dass insgesamt weniger Stellen angeboten wurden.
Besonders deutlich wird die angespannte Lage beim Blick auf die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz. Zum Stichtag 30. September 2025 hatten rund 84.400 junge Menschen noch keine Stelle gefunden und suchten weiterhin aktiv. Das entspricht einem Anstieg von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ist der höchste Wert seit 2010. Der Anteil der noch suchenden Bewerberinnen und Bewerber an der gesamten Nachfrage liegt bei 15,1 Prozent – so hoch wie zuletzt nach der Finanzkrise 2009.
Fachleute führen diese Entwicklung auf die wirtschaftliche Unsicherheit zurück. Viele Betriebe halten sich mit neuen Ausbildungsplätzen zurück. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an Fachkräften langfristig hoch. Wenn weniger ausgebildet wird, könnte sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
Für Jugendliche heißt das vor allem: frühzeitig informieren, mehrere Optionen prüfen und flexibel bleiben. Neben klassischen Wunschberufen können auch verwandte Ausbildungsberufe oder andere Regionen neue Chancen bieten. Trotz der schwierigen Lage bleibt eine Ausbildung ein wichtiger Einstieg ins Berufsleben und bietet langfristig gute Perspektiven.









