Bodenfahnden statt Bauen – Warum sich die Dürrschnabel Industriebau auch mit der Bürokratie rumschlägt Bauen & Wohnen | 14.02.2026 | Lars Bargmann
Klare Linien: Am Dürrschnabel-Stammsitz in Emmendingen wurde das Foyer samt Besprechungsfläche ansprechend modernisiert.
Wenn Stefan Schäfer, Gründer und Geschäftsführer der Dürrschnabel Industriebau GmbH aus Emmendingen, aufs vergangene Jahr zurückblickt, gibt es zwei Perspektiven: Die eine hat nach dem Tod seines Co-Geschäftsführers Markus Keune die nicht ganz trivialen Abschlüsse von Keunes Projekten im Fokus; die andere nimmt die neuen Aufgaben in den Blick. Und davon gibt es einige.
Spuren hinterlassen hat er, der Neubau der Sick AG in Waldkirch, wo die Dürrschnabel als Generalunternehmer für rund 29 Millionen Euro ein spektakuläres Gebäude mit 9300 Quadratmetern Nutzfläche erstellt hat. Am Ende gab es Verzögerungen bei der Fassadenfertigstellung, nachdem ein renommierter Fassadenbauer Anfang vergangenen Jahres ins Straucheln geraten war. Nicht nur die Kosten explodierten: Schäfer hatte zudem auch mit dem Bauherrn wegen des zugesagten Fertigstellungstermins regen Meinungsaustausch.
Relativ entspannt funktioniert indes die Zusammenarbeit mit dem Fahrradhändler Hotbike, für den die Emmendinger schon mehrfach aktiv waren und bald mit dem Bau eines neuen Quartiers mit rund 1000 Quadratmeter Hallenfläche starten wollen. Weil das Grundstück in Teningen in einem Wasserschutzgebiet liegt und der Boden belastet ist, steht Schäfer vor nervenaufreibenden Aufgaben.
Denn nicht einmal nur gering belasteter Boden (früher Z0*, heute BM-0*) darf wiederverwendet werden. Wohlgemerkt: Der Boden ist dort seit Jahrzehnten belastet. Seit Jahrzehnten suchen sich Niederschläge ihren Weg durch diesen Boden ins Grundwasser. Offenbar ein weiterer Beitrag des Gesetzgebers zum Thema bezahlbares Bauen.
Wenn Schäfer aber die regionalen Kieswerke anruft und astreines BM-0 und dafür auch ein Zertifikat anfordert, schütteln sie am anderen Ende der Leitung die Köpfe. „Die Bürokratie treibt uns schier in die Verzweiflung, auf dem Baugrundstück stehen drei Großgeräte und wir können nicht anfangen, weil wir erst mal nach dem geforderten Boden fahnden müssen“, sagt Schäfer.
Dass Bauherren andererseits mittlerweile lieber, statt belasteten Boden für sehr viel Geld weit weg auf geeignete Deponien zu verfrachten, Grundstücke zur „Zwischenlagerung“ des Materials kaufen, ist nur ein weiterer Effekt der Regelung.
Knifflig, auch mit Bodenertüchtigung, ist das Dürrschnabel-Projekt beim ehemaligen Gasthaus Ochsen in Zähringen, wo mittlerweile die Kellerdecke gegossen ist. Hier wird direkt an das denkmalgeschützte Gebäudeensemble ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen in KfW-55-Bauweise angedockt.
Frisch ins Haus geflattert ist zudem der Auftrag eines Elektrotechnik-Unternehmens mit rund 500 Quadratmetern Hallenfläche und 1300 Quadratmetern befestigter Außenanlage in Köndringen. „Planung, Genehmigung und Fertigstellung noch in diesem Jahr“, betont Schäfer. Für dieselbe Firma hatte Dürrschnabel bereits das Betriebsgebäude realisiert.
Die Schleith-Gruppe hat die Emmendinger mit der Planung einer Schlosserei in Achern beauftragt. Und in Kenzingen hofft Schäfer noch auf einen zweistelligen Millionen-Auftrag. Mehr möchte er dazu noch nicht sagen.
Leichten Aufwind spürt der Geschäftsführer auch bei der Kernkundschaft, den kleinen und mittelgroßen Gewerbe- und Industriebetrieben: „Die noch bis letztes Jahr totale Lethargie im Gewerbe- und Industriebau scheint sich aufzulösen. Denn neben dem Wohnungsbau gibt’s für unsere Kalkulatoren wieder interessantes Industrietragwerk und -Konstruktionen zu rechnen.“
Um gewappnet für die kommenden Aufgaben zu sein, wird zum 1. März ein weiterer Kalkulator eingestellt. Der läuft dann täglich auch durchs komplett neu gestaltete Foyer. Schäfer, der die Firma zusammen mit seinem Sohn Christopher leitet, investiert in die Zukunft.
Foto: © Dürrschnabel Industriebau










