Kein Motivationsmotor für neue Wohnungen – Rathaus sendet neues Signal gegen Wuchermieten Kommentar | 04.09.2026 | Lars Bargmann

Lars Bargmann

Nun also der nächste Anlauf: Das Freiburger Rathaus hat Mitte Juli eine neue Online-Plattform live geschaltet, auf der Bürger der Stadt Leerstände und – ihrer Ansicht nach – überhöhte Wohnungsmieten melden können. Es ist nicht die erste, auch nicht die erste made in Freiburg, und wird wohl auch nicht die letzte sein. Spitz formuliert wuchern die Anzeigemöglichkeiten gegen die Wuchermieten.

„Ziel ist es, die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten im Wohnungsbereich deutlich zu erleichtern und Verfahren effizienter zu gestalten“, heißt es aus dem Rathaus. Diejenigen, die da etwas melden wollen – das geht beim Leerstand sogar anonym und zügig –, müssen bei Wucherverdacht einen sehr umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Es geht schneller und einfacher, ein Visum für die USA zu beantragen. Und das ist bekanntlich auch nicht ohne.

„Wir stellen nicht alle, die Wohnraum vermieten, unter Generalverdacht. Die allermeisten halten sich an die gesetzlichen Vorgaben. Aber es gibt auch die, die die Not der vielen Wohnungssuchenden ausnutzen. Gegen sie brauchen wir eine Handhabe“, so Baubürgermeister Martin Haag.

Die Stadtverwaltung versucht schon seit über zehn Jahren gegen Leerstände und überhöhte Mieten vorzugehen. Mit der städtischen Zweck­ent­frem­dungssatzung etwa könnten Leerstände beendet und Bußgelder verhängt werden. Ergebnis bis heute: stark überschaubar.

Parallel läuft schon länger die Kooperation mit der Firma Mietenmonitor UG. Die prüft online eingestellte Wohnungsinserate auf mögliche Mietpreisüberhöhungen (mehr als 20 Prozent über dem Mietspiegel) oder Mietwucher (mehr als 50 Prozent). Bei einem Verdacht werden Wohnungsgeber angeschrieben, über mögliche Rechtsverstöße und geltende Grenzen aufgeklärt. Seit Anfang des Jahres können nun auch Inserate für möblierte Wohnungen ausgewertet werden. Und bald, so habe ich gehört, auch für die Viertage-Mietwoche bei Pendlern.

Und schon seit Februar 2025 gibt es zudem die auch für Freiburg funktionierende Mietwucher-App der Bundestagsfraktion Die Linke. Auch die liefert aber nicht alle relevanten Informationen, um rechtlich – und nur darum kann es gehen – ein wirksames Instrument in die Hand zu bekommen. Gibt es den Verdacht einer Mietpreisüberhöhung, generiert die App eine E-Mail, die ans Rathaus übermittelt wird. Dort werde jeder gemeldete Fall verfolgt. Dabei habe sich aber gezeigt, dass der „Wille zur Mitwirkung an der Verfolgung und die Bereitschaft, konkrete und verwert­bare Informationen zur Verfügung zu stellen, nur im Einzelfall gegeben waren“, wie es heißt.

Das alles ist jedenfalls kein Motivationsmotor für den Mietwohnungsbau. Ein Quadratmeter neuer Wohnraum kostet heute rund 4500 Euro. Dazu kommen Kosten fürs Grundstück, die Finanzierung, die Vermarktung, das Baumanagement und fürs Risiko, das der Bauherr eingeht. Am Ende sind es dann mindestens 6500 Euro. Unter 20 Euro Miete kann heutzutage keine private Firma mehr Wohnraum bauen. Ganz gleich, was der Mietspiegel dazu sagt.

Wenn der Bauherr also jährlich 240 Euro Miete auf den Quadratmeter bekommt und nur fünf Prozent Rendite rechnet, wovon er noch Zins und Tilgung und sein Risiko bezahlen darf, darf der Quadratmeter mit Grundstück und all den anderen Dingen nur 4800 Euro kosten. Schon das ist realitätsfern. Er braucht also sogar mehr als 20 Euro.

Die ganzen Apps und Tools bringen nicht nur keine einzige neue Wohnung, sie sorgen auch noch für ein schlechtes Klima im Wohnungsbau. Ja, es gibt Vermieter, die mit ihren Beständen, die zu günstigeren Zeiten gebaut wurden, teurer als nötig vermieten. Aber erstens braucht es zum Unterzeichnen von Mietverträgen immer zwei, zweitens fordert das Tool, wie es Uwe Stasch von der Fraktion FDP/BfF ausdrückt, Freiburger indirekt zu digitaler Denunziation auf, und drittens wird auch der Erfolg des neuesten Tools den Mietmarkt in Freiburg nicht spürbar verändern. Das Rathaus sendet damit nur ein neues Signal. Ob es das richtige ist?

Foto: © Neithard Schleier