Engpass in der Pflege – Internationaler Tag der Pflege am 12. Mai Gesundheit | 08.05.2026 | Marianne Ambs
Rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Etwa 16.500 Pflegeheime und 15.500 ambulante Pflegedienste versorgen sie. Dazu kommen unzählige pflegende Angehörige und Fachkräfte in Rehabilitationseinrichtungen. Am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflege, rücken die Bedeutung dieser Arbeit ebenso wie die Herausforderungen im Pflege- und Rehasystem in den Fokus.
Pflegekräfte und Fachkräfte in Rehabilitationseinrichtungen bilden das Rückgrat des Gesundheitswesens. Während die Bezahlung in den letzten Jahren erfreulicherweise deutlich verbessert wurde, mangelt es nach wie vor noch an Wertschätzung. Zudem sind die Arbeitsbedingungen nicht besonders attraktiv: Schichtdienst, Überstunden und emotionale Überforderung sind nur einige der Probleme, die die in der Pflege arbeitenden Menschen stark belasten.
Politische Weichenstellung überfällig
Der Internationale Tag der Pflege, maßgeblich begleitet von der Weltgesundheitsorganisation Europa, soll die Arbeit von Pflegekräften und deren Bedeutung für die Gesellschaft sichtbar machen. Gleichzeitig ist die Politik aufgerufen, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und gleichzeitig eine Professionalisierung des Berufs zu fördern. Verbände wie der DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) nutzen den Tag, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
Die demografische Entwicklung verschärft die Situation. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland könnte bis 2055 um 37 Prozent steigen, so die Ergebnisse einer Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes.
Steigender Bedarf, knappe Ressourcen
Mit der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt auch der Personalbedarf. Dabei spielen ambulante Dienste eine wichtige Rolle, weil sie die pflegenden Angehörigen entlasten. Zum Jahresende 2021 waren in Deutschland 442.900 Personen bei ambulanten Pflegeeinrichtungen beschäftigt. Das waren 134 Prozent mehr als Ende 2001. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die von solchen Diensten zu Hause versorgt wurden, ist im selben Zeitraum sogar um 141 Prozent gestiegen. Die steigende Bedeutung der ambulanten Pflege schlägt sich auch in der Zahl der Pflegedienste nieder: Sie ist binnen 20 Jahren um 45,1 Prozent gestiegen.
Trotz dieser Entwicklung zeichnet sich ein zunehmender Fachkräftemangel ab. Prognosen zeigen, dass die Schere zwischen verfügbaren und benötigten Pflegekräften künftig noch weiter auseinandergehen wird: Bereits in zehn Jahren könnten rund 350.000 Pflegekräfte fehlen.
Wege aus der Krise
Wie kann es gelingen, mehr Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen? Dieser Frage geht die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) nach, die von drei Bundesministerien gemeinsam initiiert wurde. Ein zentrales Ziel der Aktion ist eine höhere Entlohnung der Pflegekräfte. Zudem geht es um bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in der Pflege. Ein wichtiger Schritt war die Reform der Pflegeausbildung im Jahr 2020. Sie führte die ehemaligen Ausbildungsberufe Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in einem gemeinsamen Abschluss zur Pflegefachkraft zusammen.
Weitere Ansätze sind die gezielte Anwerbung ausländischer Pflegekräfte sowie die Wiederintegration von Menschen mit Pflegeausbildung, die nicht erwerbstätig sind, in den Arbeitsmarkt. Bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa durch den Ausbau von Kinderbetreuung, sind ebenfalls eine wichtige Stellschraube für mehr Fachkräfte in der Pflege: Denn ein Großteil der professionell Pflegenden ist weiblich und arbeitet in Teilzeit.
Quelle: www.destatis.de
Info
Der Internationale Tag der Pflege ging aus dem International Nurses Day hervor. Dieser wurde in England am Geburtstag von Florence Nightingale (1820–1910), der Pionierin der modernen Krankenpflege, eingeführt
Die Erzdiözese Freiburg startet zum Tag der Pflege eine Kartenaktion als Zeichen der Anerkennung für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Informationen unter www.ebfr.de
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