Heimspiel: »Viele Probleme ungelöst« Gesundheit | 23.04.2026 | Marianne Ambs

Professor Dr. Robert Zeiser

Professor Dr. Robert Zeiser forscht an der Medizinischen Fakultät der Uni Freiburg zu Fragen der Immunregulation bei Krebserkrankungen sowie zur allogenen Stammzelltransplantation. Seine Arbeiten haben weltweit Einfluss auf die Krebstherapie. Für diese Leistungen wurde er kürzlich mit dem Landesforschungspreis für Angewandte Forschung ausgezeichnet, der mit 100.000 Euro dotiert ist.

„Drei Jahre meiner wissenschaftlichen Zeit habe ich an der Stanford University in den USA verbracht und bin auch jetzt noch in engem Austausch mit Stanford und mit dem Dana-Farber Cancer Institute in Boston. Dann bin ich nach Freiburg zurückgekehrt, an meinen Geburtsort. In Freiburg lebe ich gerne, hier reizt mich das mittelalterliche Stadtbild, die lebendige Atmosphäre, die Interaktion mit den Menschen, die Nähe zum Schwarzwald und dem Elsass. Aber vor allem bin ich wegen meines Arbeitsplatzes in Freiburg: Das Universitätsklinikum bietet hervorragende Arbeitsbedingungen für wissenschaftlich arbeitende Ärzte. Die Forschungsfelder Immunologie und Krebsbehandlung sind in Freiburg stark vertreten. Das ist ein großer Vorteil für meine Forschung, die von der Zusammenarbeit mit anderen Gruppen lebt.

Mein Arbeitsbereich ist nicht einfach. Es ist oft sehr bedrückend zu sehen, dass ein Teil unserer Patienten nicht geheilt werden kann. Das treibt mich an, unsere Therapien noch wirksamer und besser verträglich zu machen. Da diese große Aufgabe am besten im Team bearbeitet werden kann, haben wir in Freiburg den Sonderforschungsbereich SFB 1479 OncoEscape etabliert. Hier arbeiten viele Wissenschaftlerinnen gemeinsam an dem Thema, wie Krebszellen dem Immunsystem entkommen und wie wir dieses Entkommen verhindern können.

Wir konnten zeigen, dass die Hemmung von MDM2, einer E3-Ubiquitin-Ligase, die Leukämiezellen für das Immunsystem sichtbarer macht. Durch Kombination von Immuntherapie und MDM2-Inhibitoren werden Leukämiezellen besser erkannt und vom Immunsystem abgetötet. Dieses Konzept wurde erst im Labor entdeckt und dann in eine klinische Studie übertragen. In einer anderen Studie konnten wir zeigen, dass die Hemmung von Januskinase-Signalmolekülen zu einer Verminderung von Abstoßungsreaktionen nach einer Blut-Stammzell-Transplantation führt. Diese Therapie war so erfolgreich, dass sie in den USA und Europa zugelassen wurde.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, den ich 2025 bekommen habe, und der Landesforschungspreis dieses Jahr sind eine große Würdigung meiner Arbeit und ich bin sehr dankbar für die Anerkennung. Ich freue mich sehr auf die Verleihung des Landesforschungspreises in Stuttgart. Bei der Verleihungs-Zeremonie am 11. Juni und danach werde ich mit meiner Familie, meinen Freunden sowie Kolleginnen und Kollegen feiern.

Beide Preise sind aber auch Ansporn, intensiv weiterzuarbeiten, da immer noch viele Probleme in der Tumortherapie ungelöst sind. Mit den Preisgeldern können wir unsere Forschungen im Bereich der Tumorimmunologie weiterführen. Wir untersuchen gerade neue Ansätze, um die Abstoßungsreaktion nach Blut-Stammzell-Transplantation weiter zu reduzieren. Zudem versuchen wir, die Wirksamkeit der Transplantation gegen Leukämiezellen zu erhöhen, indem wir bestimmte onkogene Signalwege hemmen. Unsere ersten Daten deuten darauf hin, dass hierdurch T-Zellen die Leukämiezellen besser eliminieren.“

Foto: © Robert Zeiser