Geistig fit bleiben – Hören und Demenz Gesundheit | 21.03.2026 | Marianne Ambs

Kind flüstert einer älteren Frau ins Ohr.

Wer gut hört, bleibt länger geistig fit. In verschiedenen Studien kamen Wissen­schaftler zum Ergebnis, dass Hörminderungen zu den häufigsten Risikofaktoren für Demenzerkrankungen zählen. Deshalb ist eine früh­zeitige Versorgung mit individuell angepassten Hörhilfen besonders wichtig

Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenzerkrankung. Für die Betroffenen bedeutet das einen schleichenden Verlust von Erinnerungen, Orientierung und geistiger Beweglichkeit. Für Angehörige ist es oft ebenso belastend, mitzuerleben, wie vertraute Fähigkeiten nach und nach verschwinden. Und auch für unser Gesundheits- und Pflegesystem stellt die wachsende Zahl Erkrankter eine große Herausforderung dar.

Was viele nicht wissen: Beim Verdacht auf eine beginnende Demenz gehört inzwischen auch ein Hörtest zum Standard. Der Facharzt prüft, welche Töne und Frequenzen der Patient noch wahrnehmen kann. Bei Schwerhörigkeit wird zudem ein Sprachtest durchgeführt. Dass der Hörsinn und kognitive Fähigkeiten sich beeinflussen, wird schon beim Auftreten leichter Hörminderungen deutlich. Deshalb zählt ein zunehmender Hörverlust zu den häufigsten Risikofaktoren für alle Arten von Demenzerkrankungen.

Eine im Jahr 2020 veröffentlichte Analyse verschiedener Risikofaktoren für die Entstehung einer Demenz kommt zu einem klaren Ergebnis: Ein unversorgter Hörverlust ist mit einem Anteil von acht Prozent der größte beeinflussbare Risikofaktor. Das bedeutet: Kaum ein anderer Einflussfaktor lässt sich so gezielt angehen wie eine Hörminderung. Auch Studien von Altersforschern bestätigen diesen Zusammenhang. Ältere Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen, die keine Hörgeräte tragen, haben ein um 24 Prozent höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen.

Vor diesem Hintergrund rückt die Prävention immer mehr in den Fokus. Wer einen Hörverlust frühzeitig erkennt und behandeln lässt, kann das Risiko für eine Demenz senken oder ihren Beginn zumindest hinauszögern. Weil sich eine Hörminderung meist schleichend und lange Zeit unbemerkt entwickelt, empfehlen Experten ab dem 50. Lebensjahr regelmäßige – idealerweise jährliche – Hörtests beim HNO-Arzt oder Hörakustiker. Auch Angehörige sollten aufmerksam sein und erste Anzeichen ernst nehmen. Warnsignale können zum Beispiel sein, dass Gespräche in lauter Umgebung zunehmend anstrengend werden, der Fernseher oder das Radio immer lauter gestellt wird und bei Gesprächen oft nachgefragt werden muss. Treten solche Veränderungen auf, ist ein Hörtest unbedingt angezeigt.

Hörverlust gut behandelbar

Wichtig ist jedoch: Ein Hörverlust bedeutet nicht automatisch, dass die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt. Studien zeigen, dass Nutzerinnen und Nutzer von Hörgeräten in Bezug auf ihre Gedächtnisleistungen Normalhörenden in nichts nachstehen. Dagegen schreitet der kognitive Abbau bei Menschen mit unversorgtem Hörverlust deutlich schneller voran. Der Grund: Das Gehirn muss bei Hörverlust erheblich mehr Energie aufwenden, um Sprache zu entschlüsseln. Diese dauerhafte Mehrbelastung kann dazu führen, dass andere Gehirnfunktionen vernachlässigt werden. Gleichzeitig fehlt dem Hörzentrum im Gehirn wichtige akustische Stimulation. In der Folge kann es zu einem beschleunigten Abbau von Hirnstrukturen und -vernetzungen kommen. Manche Studien sprechen sogar von einer beschleunigten Alterung des Gehirns um bis zu acht Jahre. Eine Spirale wird in Gang gesetzt, die das Risiko für eine Demenz erhöhen kann.

Umso entscheidender ist es, frühzeitig zu handeln. Hörverlust lässt sich heute gut behandeln. Studien belegen, dass individuell angepasste Hörgeräte oder Cochlea-Implantate nicht nur das Hörvermögen verbessern, sondern auch den kognitiven Abbau verlangsamen können. Wer rechtzeitig vorsorgt und sich versorgen lässt, schafft wichtige Voraussetzungen für geistige Fitness – auch im höheren Lebensalter.

Info
Weitere Informationen finden Interessierte bei der Fördergemeinschaft Gutes Hören www.fgh-info.de/leben/demenzrisiko, bei Pro Audito Schweiz www.pro-audito.ch/news/schwerhoerigkeit-und-demenz  und bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft www.deutsche-alzheimer.de.

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