Heimspiel: Wer später bremst … 4Literatur & Kolumnen | 29.07.2026 | Lars Bargmann

Hartmut Müller

Der ADAC Südbaden und der Freiburger Motorsport-Club veranstalten am 31. Juli und 1. August die 19. Auflage der Schauinsland Klassik. Noch traditionsreicher war der Vorgänger, das ADAC-Schauinsland-Rennen, das von 1925 bis 1985 Hunderttausende in seinen Bann gezogen hatte. Und unter den Bergpreis-Gewinnern mit so illustren Namen wie Gustav „Kamikaze-Gustl“ Reiner, Reinhold Roth oder Dieter Braun findet sich auch Hartmut Müller. Der heute 72-Jährige hat zahlreiche Rennen gewonnen, fährt immer noch leidenschaftlich Motorrad und peppt in seiner Freiburger Werkstatt die Bikes der Kundschaft auf.

„Freiburg war ja damals eine Rennsportregion und wir waren eine Clique mit Motorradbegeisterten. Erst sind wir mit frisierten Mofas den Schauinsland hoch, später mit Zündapp KS 50 Supersport. Dann kamen die ersten Jugendpokalrennen und dann hat der Freiburger Motorsport-Club mal ein Clubtraining auf dem Hockenheimring veranstaltet.

Da hat man sich einfach angemeldet, mit dem Straßenmotorrad. Mein erstes war eine 500er Honda CB Four. Mit der bin ich dann auch Schauinsland-Rennen gefahren. Einfach eine Startnummer drangeklebt, das Rücklicht weggebaut, damit es auch nach einem Rennmotorrad aussah.

Da fuhr man gegen richtige Rennmaschinen, ich schaffte es aber trotzdem ins Mittelfeld. Geschraubt haben wir damals in einer Tiefgarage an der Breisacher Straße, Motoren leistungsstärker gemacht, andere Tanks, Schwingen, Gabeln eingebaut. Als die Firma Egli einen tollen Rahmen entwickelt und eine deutsche den kopiert hatte, haben wir einen Motor aus einer 900er Kawasaki in diesen Rahmen eingebaut, weil die Japaner konnten ja Motoren bauen, aber die Fahrwerke waren nichts.

Mit diesem Motorrad, noch straßenzugelassen, bin ich auf dem Hockenheimring ein Rennen mit 149 Startern gefahren und auf Anhieb Zweiter geworden. Dann war es richtig um mich geschehen. 1979 war ich dann in der A-Lizenz schon Deutscher Vize-Meister.

In den 80ern habe ich mir die erste 350er Rennmaschine gekauft und 1983 genau die 500er, die Barry Sheene gefahren hat, der mehrfach Weltmeister war, unter Motorradfahrern eine Lichtgestalt. Gegen den durfte ich sogar mal bei einem 500er WM-Lauf fahren. Irgendwann ging es nicht mehr darum, mit dem Knie die Straße zu berühren, sondern mit dem Oberschenkel.

Um ein guter Rennfahrer zu werden, brauchst du viel Talent, wenig Angst, musst früh damit anfangen und viel Kraft- und Ausdauersport machen. Ich bin auch nicht nur einmal gestürzt, habe mir aber nie was gebrochen. Man muss eben auch das Fallen lernen. Was meine höchste Geschwindigkeit war? 327 auf der alten Avus-Strecke in Berlin.

Der Kick ist, das Motorrad in jeder Position, bei jedem Tempo, in jeder Kurve zu beherrschen. Auch wenn das Hinterrad mal einen halben Meter wegrutscht oder du nur auf dem Vorderrad kontrolliert durch eine Kurve fährst. Das habe ich geliebt.

Später hat es mich mehr zu den Langstreckenrennen gezogen. 24 Stunden von Le Mans gibt es ja auch für Motorräder. Ich war in einem Team mit einem Holländer und einem Franzosen und wir sind Fünfter geworden. Ein toller Erfolg.

1983 habe ich den Bergpokal am Schauinsland mit neuem Streckenrekord gewonnen und 1985 noch einmal. Ein Tag zuvor war ich noch gestürzt und hab‘ die ganze Nacht Teile von der 83er Maschine an die neue gebaut. (Die BZ berichtete hernach über den Sieg des „Weltklassefahrers“, d. Red.). In der Heimat sind die Rennen immer etwas Besonderes. Die für mich wichtigsten Erfolge waren aber Le Mans oder auch das vollkommen vernebelte Rennen in Spa in Belgien. Ich habe immer gesagt, wenn du durch die Kurve bist und denkst, das ging gerade noch mal gut, dann bist du schnell. Wer später bremst, ist am Ende vorne.“

Foto: © Lars Bargmann