Buch-Tipp: Hummelhirn – Nettsein mit Genickbruch Kultur | 26.06.2026

Hummelhirn

Zunächst kommt Judith in Freiburg gar nicht zurecht: Als die Sechsjährige mit ihrer Mutter hier landet, hat sie schon ein aufregendes Leben in diversen Berliner WGs und Kinderläden hinter sich. Sie fühlt sich ziemlich beengt von der braven Biederkeit der Kleinstadt. Außerdem reden die anderen Emil-Thoma- Grundschüler „ürnkwie“ so komisch, sagen immer ein i, wenn man „einklüch“ ü sagen müsste.

Die Lehrer finden sie und ihre überschwängliche Phantasie anstrengend, den anderen Eltern sind sie und ihre Familienverhältnissesuspekt. Sie finden sie bestenfalls seltsam, wollen die Tochter einer Alleinerziehenden mit wenig Geld nicht unbedingt als Freundin ihrer Töchter.

Das Kind versucht sich anzupassen, die Hummeln in ihrem Kopf zu zähmen, nicht zu den verfänglichen Körperspielen aus Berliner Kinderladentagen anzuregen. Und bemüht sich, unauffällig und „sehr, sehr, sehr nett“ zu werden. So nett, dass „ich mir das Genick gebrochen habe mit meinem Grinsen“, schreibt die 50-jährige frühere Rockmusikerin Judith Holofernes in ihrer zweiten Autobiografie. Und die ist neben einer Chronik so mancher und hochkomisch beschriebener Fehlversuche, nicht mehr chaotische Außenseiterin zu sein, auch eine Freiburger Zeitreise in die 1980er- und 90er-Jahre.

Hummelhirn

Hummelhirn
von Judith Holofrenes
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2026
304 Seiten, Hardcover
Preis: 24 Euro