Herzensprojekt im Werden – Natur und Kultur in Landelins Garten Land & Leute | 29.07.2026 | Marianne Ambs
Dortje, Linda und Gretje Treiber
Der heilige Landelin wäre stolz: Linda Treiber und ihre Töchter Gretje und Dortje haben ihr Garten-Kleinod in Ettenheimmünster nach dem irischen Mönch benannt, der der Legende nach im 7. Jahrhundert hier gelebt haben soll. „Landelins Garten“ ist das Herzensprojekt der drei Frauen. Hier begegnen sich Menschen, stehen Natur und Kultur im Mittelpunkt – und obendrein gibt es im Café fairen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.

Linda, Gretje und Dortje Treiber sitzen entspannt an ihrem Lieblingsplatz unter dem Blätterdach einer ausladenden Linde und erzählen: Wie die Idee, gemeinsam ein Café zu eröffnen immer mal wieder durch ihre Köpfe spukte, wie der Blick aus dem gegenüberliegenden Familienhaus schmerzte, weil das Gelände des ehemaligen Klosters immer mehr verwilderte – und wie während der Pandemie aus dem Wunsch, den Garten wieder zugänglich zu machen, ein Konzept mit verschiedenen Komponenten wurde. Auch ein Café gehörte dazu.

Linda Treiber ist vor mehr als 40 Jahren auf dem Weg von der Nordsee nach Basel in der Ortenau hängengeblieben und führt seither ihre Galerie in Ettenheimmünster. Ihre Töchter sind hier aufgewachsen, waren in der Welt unterwegs und sind dann in die Heimat zurückgekehrt.
Die Benediktinerabtei Ettenheimmünster hat Dorf und Region über Jahrhunderte geprägt. Nach der Säkularisation des Klosters um 1800 wurde das Kloster verkauft und zunächst als Zichorien-, dann als Tabakfabrik genutzt. Später diente es als Steinbruch, die Steine des Klosters wurden bei Bauprojekten in der Region verwendet. Zuletzt wurde das Gelände von einer Gärtnerei genutzt. „Früher haben wir hier unsere Setzlinge gekauft“, erinnert sich Linda Treiber. Die Stadt Ettenheim als Eigentümerin ließ das Gelände danach lange Zeit ungenutzt.

Die Stadt unterstützte das Projekt
Die drei Frauen stellten vor etwa fünf Jahren der Stadt Ettenheim ihr Konzept vor. Der Gemeinderat unterstützte das Vorhaben, vor drei Jahren wurde der Pachtvertrag geschlossen. Jahre intensiver Arbeit folgten: Flächen wurden gerodet, Wege und Tiergehege angelegt, die Gebäude renoviert. Die Grundrisse der ehemaligen Klostergebäude wurden in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalschutz vermessen und markiert. „Das war sehr viel Arbeit. Ohne die Unterstützung der Familie hätten wir das nicht geschafft“, so die drei Frauen. Im Januar konnte nach der Renovierung der ehemaligen Gärtnereigebäude das Café eröffnet werden.
Geschichte pflegen, Natur erhalten
Für Linda Treiber und ihre Töchter hat das Gartenprojekt drei Aspekte: Neben dem Erhalt und der Pflege des Gartens war es ihnen wichtig, das Erbe des ehemaligen Klosters zu bewahren. So verbindet der weitläufige Garten Natur und Geschichte. Einheimische, Wanderer, Pilger, Reisende finden hier erholsame Rast.

Das ehemalige Klostergelände wurde zum Treffpunkt und Naturidyll.
Der dritte Aspekt ist den drei Frauen ebenso wichtig wie die Gestaltung des Landschaftsgartens und die Erinnerung an die Klostergeschichte: „Wir wollten einen Treffpunkt für die Menschen im Dorf schaffen, Begegnungen ermöglichen“, so Dortje Treiber. Auch, weil durch die Schließung von Gasthäusern und Geschäften das Dorfgefüge gelitten habe. Deshalb finden im Garten neben dem Café-Betrieb auch Konzerte wie die Reihe „Jazz in den Gärten“, Begegnungstage und ein kleiner Weihnachtsmarkt statt.
Viele Menschen aus dem Dorf und aus der Region helfen gerne mit, den Garten weiterzuentwickeln, so entstanden bereits ein Bouleplatz und ein Sandkasten. Die Ideen gehen den Frauen nicht aus: „Landelins Garten ist ein Projekt im Werden. Wir müssen aber mit unseren Kräften haushalten“, sagen sie. Denn neben dem Herzensprojekt gibt es noch Beruf, Familie und den Wunsch nach etwas mehr Freizeit. „Im Moment ist der Garten für uns vor allem ein sehr zeitintensives Hobby.“
INFO
Landelins Garten
Lebendiges Denkmal Kloster Ettenheimmünster
Münstertalstraße 35
77955 Ettenheimmünster
www.landelinsgarten.de
Öffnungszeiten:
Das Gelände ist Freitag (15 bis 18 Uhr), Samstag und Sonntag für Besucher geöffnet.
Das Café ist Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
TIPP
Jazz in den Gärten
Sonntag, 16. August, 17.30 Uhr: Judith Goldbach Quartett feat. Michael Kiedaisch
Sonntag, 6. September, 17.30 Uhr: Florian Döling European Quartett









