Mit Daten und KI gegen den Krebs – Alithea Bio baut einzigartige Datenplattform business im Breisgau | 30.07.2026 | Holger Schindler

Alithea-Crew: Die Freiburger haben bereits große Auszeichnungen gewonnen. Alithea-Crew: Die Freiburger haben bereits große Auszeichnungen gewonnen.

Noch immer sind im Kampf gegen den Krebs Medikamente oft nicht so wirksam, wie es wünschenswert wäre. Das könnte sich ändern, wenn man die biologischen Zielstrukturen der Wirkstoffe besser verstehen würde. Das junge Freiburger Unternehmen Alithea Biotechnologie GmbH will hierbei mithelfen – mit einer Kombination aus Massenspektrometrie, künstlicher Intelligenz und einer der weltweit größten Datenbanken für Krebsimmuntherapien.

Die Zukunft der Krebsmedizin entscheidet sich längst nicht mehr nur im Labor. Immer wichtiger wird die Fähigkeit, enorme Mengen an Biodaten auszuwerten – und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Hier setzt das Freiburger Start-up Alithea Bio an. Die 2019 ins Leben gerufene Unternehmung arbeitet an der Schnittstelle von Immunologie, also der Erforschung des menschlichen Immunsystems, Krebstherapie, Massen­spektrometrie, einer Laboranalysemethode zur Bestimmung von Oberflächenstrukturen von Zellen, und künstlicher Intelligenz. Das Ziel: Die Erkenntnisse und Daten von Alithea Bio sollen Pharma- und Biotechunternehmen in aller Welt bei der Entwicklung neuer individualisierter Krebsimmuntherapien unterstützen.

„Im Mittelpunkt steht dabei unsere Plattform HLA-­Compass AI“, erklärt Gründerin und Geschäftsführerin Fanny Giannou. Gemeinsam mit dem Mitgründer und wissenschaftlichem Leiter Tim Fugmann, Finanzchef und Mitgründer Hagen Grauer sowie Armanas Povilionis, dem technischen Leiter, lenkt die Französin die Geschicke von Alithea Bio.

Die Plattform enthält große Mengen an Daten zu HLA-Peptiden. Das sind kurze Bruchstücke von Proteinen, die von sogenannten HLA-Molekülen – HLA steht für Human Leukocyte Antigen – auf der Oberfläche der Körperzellen präsentiert werden. Die HLA-Peptide sind für die Erkennung von Krankheitserregern durch das Immunsystem entscheidend. Insgesamt seien aktuell etwa 1,4 Millionen einzigartige HLA-Peptide hinterlegt. Die Plattform biete somit rund 300 Prozent mehr relevante Daten als öffentliche Datenbanken und decke derzeit etwa 70 Prozent der Bevölkerung ab.

Deswegen habe die Plattform HLA-Compass AI das Potenzial, einen entscheidenden Engpass der Krebsforschung zu beseitigen. Die enthaltenen Daten ermöglichen nämlich, bereits frühzeitig abzuschätzen, ob eine Immuntherapie tatsächlich ihr Ziel bei Tumorzellen erreicht und welche Risiken für gesundes Gewebe dabei bestehen. „Wir arbeiten daran, die Erfolgsquote neuer Therapien in klinischen Studien deutlich zu erhöhen und damit mehr Patienten Heilungschancen zu eröffnen“, erklärt Fanny Giannou.

Zu den Kunden von Alithea Bio zählen nach eigenen Angaben internationale Pharma- und Biotechnologieunternehmen, die an Krebsimpfstoffen, an T-Zell-Rezeptor-­Thera­pien und an anderen personalisierten Immuntherapien arbeiten.

Aktuell beschäftigt Alithea Bio 13 Menschen. Der Hauptsitz befindet sich in Freiburg, seit 2025 gibt es zusätzlich einen Laborstandort in Berlin. In Straßburg laufen ebenfalls Laborarbeiten. „Nach der Gründung 2019 kamen erst einmal die Corona-Jahre, die uns natürlich ausgebremst haben“, erinnert sich die Firmenchefin. Doch mittlerweile bediene man etliche Kunden, insbesondere in Nordamerika und Asien. Das Freiburger Uniklinikum gehöre bislang leider noch nicht zum Kundenkreis. Generell sei die Resonanz in Deutschland und Europa eher etwas schwächer. „Das möchten wir gerne ändern“, sagt die Biounternehmerin.

Zuletzt hat die Firma einige Preise für ihr Geschäftsmodell eingeheimst: Außer dem Freiburger Innovationspreis 2025 gab es dieses Jahr den „German Innovation Award“, den Vivatech-Jurypreis „Tech for Change“ und auch noch den Publikumspreis bei der größten Tech- und Start-up-Messe Europas in Paris.

Foto: © Alithea