Kühltechnik neu gedacht – Freiburger Start-up Qurie setzt auf Festkörpertechnologie, um Temperaturen zu senken business im Breisgau | 24.07.2026 | Holger Schindler

Das Gründungsteam der Qurie GmbH um Kilian Bartholomé (l.) und Christian Vogel (2.v.r.) Das Gründungsteam der Qurie GmbH um Kilian Bartholomé (l.) und Christian Vogel (2.v.r.)

Kühlschränke, Klimaanlagen und industrielle Kühlsysteme arbeiten seit vielen Jahrzehnten nach demselben Prinzip. Ein junges Unternehmen, das aus dem Freiburger Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) hervorgegangen ist, will das ändern. Mittels Festkörpertechnologie soll Kühlen künftig effizienter, leiser und ganz ohne klimaschädliche Kältemittel möglich werden.

Die jüngste Hitzewelle hat jeden spüren lassen: Eine wirksame Technik zur Kühlung kann das Leben viel angenehmer machen. Bis heute basiert der weit überwiegende Teil aller erhältlichen Kühlgeräte, vom Kühlschrank über Industrieanlagen bis zu Klimageräten fürs Zuhause, auf ein und demselben Prinzip, das seit vielen Jahrzehnten quasi unverändert zum Einsatz kommt: der sogenannten Kompressorkühlung.

Ein spezielles Kühlmittel wird dabei in einem geschlossenen Kreislauf mittels Kompressionskältemaschine verdichtet und wieder entspannt. Der Aggregatzustand des Kühlmittels ändert sich dabei fortlaufend von gasförmig zu flüssig und wieder zurück. So kann eine Kühlwirkung erzeugt werden.

Doch das ist nicht der einzige Weg, um Temperaturen an bestimmten Orten gezielt abzusenken. Hier setzt das Freiburger Technologie-Start-up Qurie an. Die Anfang 2026 aus dem IPM heraus gegründete Firma – gesprochen Kiu-rie – entwickelt eine neue Generation von Kühlsystemen, die ohne Kompressor auskommen soll.

Gegründet wurde Qurie Anfang dieses Jahres von einem sechsköpfigen Team, darunter fünf Fraunhofer-Forscher.  Christian Vogel ist Geschäftsführer, Kilian Bartholomé hat die technische Leitung inne. Das interdisziplinäre Gründungsteam aus Materialwissenschaftlern, Physikern und Ingenieuren versucht nun Kühlung auf Basis von Festkörpern und dem Prinzip der Elektrokalorik marktfähig zu machen. Elektrokalorik bedeutet, dass nicht Druckschwankungen, sondern das Einwirken eines elektrischen Feldes in Kombination mit bestimmten Materialien – Stichwort: Festkörper – für Abkühlung sorgt.

Das Prinzip ist schon lange bekannt, doch Qurie hat einige Ideen in petto, um daraus nun erstmals wettbewerbsfähige Lösungen zu entwickeln. Eine Schlüsselinnovation ist dabei ein weltweit patentiertes System zur Wärmeabfuhr mittels sogenannter aktiver elektrokalorischer Heatpipes. Damit steigt die Leistungsdichte erheblich – ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Einsatz der Technologie.

„Die Kühlindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel“, erklärt Christian Vogel, „regulatorisch, technologisch und wirtschaftlich.“ Von daher sehen er und seine Mitstreiter großes Marktpotenzial. Und nicht nur sie: Schon im April haben der High-Tech Gründerfonds, Deutschlands größter und aktivster Frühphaseninvestor, der Technologie-­Transfer-­Fonds TT49 und die Aepikur GmbH gemeinsam 2,2 Millionen Euro in Qurie investiert.

„Wir elektrifizieren sozusagen die Kühltechnik“, erklärt Kilian Bartholomé, vergleichbar mit der Ablösung des Verbrenners durch den E-Antrieb beim Auto. Die großen Vorteile des Qurie-Ansatzes: Es werden keine speziellen Kühlmittelchemikalien mehr benötigt, die oft heikel oder gefährlich sind. Stattdessen wird Wasser zum Wärmetransport eingesetzt. Im Gegensatz zur Kompressorkühlung arbeiten die Systeme lautlos. „Wir erwarten zudem, dass wir am Ende kostengünstiger kühlen als mit der bisherigen Technik.“

Das Start-up plant den Markteintritt bewusst schrittweise. Statt sofort den Massenmarkt für Haushaltsgeräte anzugehen, konzentriert sich Qurie zunächst auf industrielle Spezialanwendungen, nämlich die Kühlung von Schaltschränken sowie von Laser- und Photoniksystemen.

Ansässig ist Quirie in der Waltershofener Straße 17 im Freiburger Gewerbegebiet Haid. In einer rund 500 Quadratmeter großen Halle arbeiten derzeit zehn Menschen daran, die Kühlrevolution Wirklichkeit werden zu lassen.

Foto:© Fraunhofer IPM; Qurie GmbH