Pferde an der Rossschwemme – 9 Skulpturen spiegeln im Sedanquartier 900 Jahre Stadtgeschichte Kultur | 13.03.2020 | Erika Weisser

Erinnerungspunkte: Figuren von Jörg Siegele und Peter Zimmermann (r.) bevölkern Orte im Sedan-Quartier und seiner nächsten Umgebung. Erinnerungspunkte: Figuren von Jörg Siegele und Peter Zimmermann (r.) bevölkern Orte im Sedan-Quartier und seiner nächsten Umgebung.

Künstlerische Erinnerungspunkte setzen der Förderverein Kunst im Faulerbad und das „Bürgerforum Sedanquartier und im Grün“ anlässlich des Freiburger Stadtjubiläums: An ausgesuchten Orten wurden neun Skulpturen aufgestellt, die historische Bezüge zum Viertel sowie zur ehemaligen oder auch aktuellen Nutzung des jeweiligen Ortes haben. Sieben regionale Künstler tragen mit ihren Leihgaben zum Ausstellungsparcours bei; am Sonntag, 15. März, um 14 Uhr wird eröffnet.

Auf dem kleinen, gepflasterten Platz an der Ecke Wilhelm- und Moltkestraße, wo der Eröffnungsumzug mit allen beteiligten Künstlern, acht Musikern der Maddis’son Brass Band und einigen Vertretern des städtischen Kulturdezernats startet, erhebt sich eine große, konisch zulaufende kreisrunde Granitscheibe. Sie weist eine kerzengerade Schnittlinie auf, die im Mittelpunkt des Kreises in ein kleines ausgeschnittenes Quadrat übergeht. Dieses eröffnet den Blick auf eine riesige, eventuell von der Fällung bedrohte Hängebuche mitsamt einer leicht als Wächterin zu interpretierenden Figur.

Die Scheibe ist das Werk des Merdinger Bildhauers Alois Landmann und soll den Mahlstein einer Mühle symbolisieren, die nach Recherchen von Ulrich Armbruster, dem Vorsitzenden des Bürgerforums, vor mehr als hundert Jahren  ziemlich genau an dieser Stelle betrieben wurde.  Am Gewerbebach, von dem es hier heute keine Spur mehr gibt.

Skulpturen von Dietrich Schön …

Anders zeigt er sich am unteren Ende der Faulerstraße; hier sprudelt der früher überwiegend von dem bis in die 1960er-Jahre hier angesiedelten Schlachthof genutzte Bach noch kräftig. Und er weist durch eine beckenartige Verbreiterung auf die Rossschwemme hin, die es hier einmal gab. Dort wurden die Tiere vor der Schlachtung gewaschen. Dort badeten aber auch die Zugpferde der im Stühlinger gelegenen, heute nicht mehr existierenden Löwen-Brauerei – abends, nach der Bierauslieferung. Danach kehrten sie in die Ställe und Lagerhallen auf dem heutigen Gelände der Industrie- und Handelskammer zurück.

Ihnen hat der Freiburger und sein Leben lang im Sedanquartier beheimatete Künstler Jörg Siegele mit seiner aus gelasertem und schwarz lackiertem Eisen bestehenden Pferde-
Skulptur ein freundliches Denkmal gesetzt. Von ihm stammt auch die aus rotem Sandstein gehauene Figur, die am Rande des früheren,
heute als Tanzfläche für Nachtschwärmer dienenden Springbrunnens am Fuße des Mensagartens platziert wurde. Sie stellt einen dynamischen, in seiner Bewegung verharrenden Tänzer dar.

… und Alois Landmann säumen die Wilhelmstraße.

Neben Landmann und Siegele sind auch Bernd Goering, Dietrich Schön, Dietrich Schön, Ralf Weber und Peter Zimmermann an der Ausstellung beteiligt. Die von ihnen geschaffenen und im Viertel zwischen Theater, -Kronenbrücke, Spechtpassage und Grethergelände verteilten Werke sollen bis Ende des Jahres stehenbleiben. „Mindestens bis Ende des Jahres“, präzisiert Siegele als einer der Initiatoren dieser Kunstaktion im öffentlichen Raum. „Der Wunsch wäre natürlich, dass das Projekt darüber hinaus für die Zukunft weiterlebt.“

Die dauerhaft installierten Objekte könnten nicht nur der späteren Erinnerung ans Jubiläumsjahr dienen, sondern seien auch eine Möglichkeit, die vor 21 Jahren ins Leben gerufene Kunst-Liegewiese beim Faulerbad nachhaltig in Richtung Innenstadt zu erweitern. Dazu müssten die Skulpturen allerdings angekauft werden – von wohlwollenden Anwohnern oder Sponsoren. Er hofft, dass die Aufmerksamkeit, die beim Aufstellen zu spüren war,  in dauerhaftes Interesse umschlägt.

 

Fotos: ©  Erika Weisser