Buchrezi: Für immer die Alpen – Ein Lebenslügenkünstler Kultur | 30.06.2021 | Erika Weisser

Ausschnitt des Covers fuer immer die Alpen

Steuerflucht, Geldwäsche, Datenklau und andere krumme Deals sind die Spezialität von Johann Kaiser. In diesen zweifelhaften Metiers hat er es zu wahrhafter Meisterschaft und entsprechend üppigem Reichtum gebracht – und schließlich zum Prädikat „Staatsfeind Nr. 1“.

Das ist wenig beruhigend, auch wenn dieser Staat nur ein winziges, weltpolitisch unbedeutendes Fürstentum in den Alpen ist. Da es in finanz- und vor allem steueroasenpolitischer Hinsicht aber eine wichtige, international weitverzweigte Rolle spielt, taucht der zwielichtige Liechtensteiner lieber erst einmal unauffindbar ab. Und beginnt, sein Leben aufzuschreiben. Unter falschem Namen, versteht sich.

Denn auch das ist seine Spezialität: Chamäleonartig, mit ständig wechselnden Namen, Identitäten und Biografien schlug er sich bisher durchs Leben, setzte sein ausgeprägtes Gespür für die Erwartungen seiner Kontrahenten stets vorteil- und gewinnbringend ein. Doch dann überspannte er den Bogen, das Lebenslügengebäude stürzte ein. Nicht einmal Fürstin Gina samt ihrem Roten Kreuz konnten ihn noch retten.

Am Ende ist die Geschichte des flagranten Delinquenten „alles, was mir geblieben ist“. Und diese Geschichte eines finanzmanipulativen Hochstaplers erzählt Benjamin Quaderer mit großem Vergnügen – zum großen Vergnügen ihrer Leser.

Fuer immer die Alpen

Für immer die Alpen
von Benjamin Quaderer
Verlag: Luchterhand, 2020 
592 Seiten, gebunden
Preis: 22 Euro