Orte des Staunens – neue Ausstellungen der Museen im Dreiländereck Kultur | 23.12.2019 | Lust auf REGIO /chilli

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Nebelgrau statt Wintertraum? Falls im Januar malwieder Inversionswetterlage herrscht, locken die Museen: Ob Skulpturen, Bilder, Spielzeug oder Flugobjekte – die Ausstellungen sind bunt, ideenreich und spannend.

Happy-cristalMusée Lalique
Das Weihnachtsfest der Tiere
Weihnachten ist die Zeit der Wunder. Bis zum 5. Januar erwachen im Musée Lalique in Wingen-sur-Moder nördlich der Vogesen zum Fest verschiedene Tiere aus Glas zum Leben. Das Lalique-Museum wurde 2011 an der ehemaligen Glashütte Hochberg eröffnet. Die Verbindung zwischen dem Ort und dem schimmernden Feststoff ist aber viel älter: 1921 gründete René Lalique dort eine Glasfabrik. Fast 100 Jahre später können Besucher an der Stelle durch Fantasiewelten flanieren und zum Klang der berühmten Suite „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns durch eine Kunstausstellung mit mehr als 650 Zeichnungen, Flakons, Gegenständen aus der Tafelkultur, Kronleuchter, Kühlverschlüsse oder Vasen spazieren. Besucher können außerdem bis zum 24. ­Dezember ein Türchen eines Happy-Cristal-Adventskalenders öffnen und ein kleines Geschenk gewinnen.

Happy Cristal
geöffnet: Täglich von 10–18 Uhr, 24. & 31.12.: 10–16 Uhr,
25.12. & 1.1.: geschlossen. Eintritt frei für Happy Cristal.
www.musee-lalique.com

Fondation BeyerleFondation Beyeler
Die unendliche Weite
Er zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Malern des 20. Jahrhunderts: Edward Hopper. Am 26. Januar beginnt in der Fondation Beyeler die Frühjahrsausstellung 2020 mit diesem bekannten Unbekannten der modernen Kunst. Den Schwerpunkt der Schau bilden seine ikonischen Darstellungen der unendlichen Weite amerikanischer Landschaft und Stadtlandschaft. Es handelt sich dabei um ein Thema, das bisher kaum in den Fokus von Ausstellungen zu Hopper gerückt wurde, aber von zentraler Bedeutung für das Verständnis und die Rezeption seines Werks ist. Die Schau umfasst Aquarelle und Ölgemälde der 1910er- bis 1960er-Jahre und gewährt einen umfänglichen Einblick in den Facettenreichtum der Hopper’schen Malerei. In einem Ausstellungsraum wird zudem ein Kurzfilm von Wim Wenders gezeigt, in dem von Edward Hoppers ‚American Spirit‘ angeregte Aufnahmen in spektakulärer 3D-Projektion zu sehen sind. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Whitney Museum of American Art, New York organisiert, in dessen Beständen sich die weltweit größte Hopper-Sammlung befindet.

Noch bis zum 5. Januar zu sehen: Die Gemälde der Sammlung von Rudolf Staechelin (1881–1946), die integriert in die Ausstellung der Sammlung Beyeler gezeigt werden. Bis zum 26. Januar läuft noch „Resonating Spaces“, die Herbstausstellung der Fondation Beyeler. Sie widmet sich dem Thema Raum und zeigt Werke von fünf zeitgenössischen Künstlerinnen.
Sammlung Rudolf Staechelin
bis 5. Januar 2020
Resonating Spaces
bis 26. Januar 2020
Edward Hopper
ab 26. Januar 2020
Fondation Beyeler, Riehen
www.fondationbeyeler.ch

Basler Museumsnacht20. Basler Museumsnacht
Ölkreidenorgie und leise Pfoten
„Kühne Töne auf leisen Pfoten“ im Münster gehören ebenso zur Basler Museumsnacht wie „Geschichten über Leben und Tod“ in der Sammlung Friedhof Hörnli. Oder ein gruselig-kurioses Polit-Quiz im Grossratssaal des Rathauses, ein Vortrag über die Brandschutzversicherung der Korkeiche im Botanischen Garten, eine dem Weg einer Ente folgende „Ölkreidenorgie für Kinder und andere Kunstschaffende“ im Cartoon-Museum. Der Fantasie, dem Hören, Sehen, Staunen und Mitmachen sind keine Grenzen gesetzt, wenn diese ganz besondere Veranstaltung am Freitag, 17. Januar, in die 20. Runde geht – mit mehr als 200 Angeboten in 36 Museen und Kulturstätten. Das Ticket berechtigt zum Besuch aller Museen ab 17 Uhr und zur kostenlosen Nutzung von Straßenbahnen, Schiffen und Shuttle-Bussen.
20. Basler Museumsnacht,
17. Januar 2020, 18 bis 2 Uhr
Diverse Museen, Basel,
www.museumsnacht.ch

Spielzeug-Welten-Museum-BaselSpielzeug Welten Museum Basel
Die Welt der Weihnachtskrippen
Krippen aus dem Barock, ausgefallene Szenenkrippen oder besonders große Figuren: Die Ausstellung des Spielzeug Welten Museums zeigt Krippen in allen erdenklichen Stilen und Materialien und gibt einen Einblick in ihre Geschichte vom Barock bis zur Gegenwart.Als Begründer der Tradition gilt der heilige Franz von Assisi, der 1223 in Umbrien das Weihnachtsgeschehen mit Menschen und Tieren nachstellte. Berühmt sind neapolitanische Krippen und bunte provenzalische Krippenfiguren aus Ton oder Terrakotta.
Die Weihnachtskrippe in ihrer Vielfalt.
Vom Barock bis zur Gegenwart
bis 9. Februar 2020
Spielzeug Welten Museum Basel
www.swmb.museum

MessmerGalerie Messmer
Die Vergänglichkeit der Welt
Verlassen und menschenleer – die Hauptmotive der Gemälde Joachim Lehrers sind verrostete Automobile, marode Kulturzeugnisse des technischen Fortschritts. In poetisch inszenierten Bildern lässt der Künstler Orte der Stille entstehen, in sanftem Licht und Pastellfarben, balancierend zwischen Verlorenheit und Harmonie. Seine Werke erzählen von der Vergänglichkeit der Welt. Lehrer wurde 1954 in Reutlingen geboren und arbeitete unter anderem als Lastwagenfahrer, bevor er Elektrotechnik und später Kunstgeschichte studierte. Die Liebe zu den Automobilen ist geblieben – bis heute spiegelt sie sich in seinen Bildern wider.
Joachim Lehrer – Die Welt hinter der Welt
bis 16. Februar 2020
Galerie Messmer, Riegel
www.galerie-messmer.de

Karin_Kneffel__Ohne_Titel__180_x_240_cm__2019__c__VG_Bild-Kunst__Bonn_2019Museum Frieder Burda
Realistische Obsession
Sie zählt zu den bedeutendsten deutschen Malerinnen der Gegenwart, war einst Meisterschülerin Gerhard Richters. Das Museum Frieder Burda widmet Karin Kneffel eine Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit der Künstlerin konzipiert und in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen realisiert wurde. Sie dokumentiert mit rund 140 Werken aus drei Jahrzehnten den Weg von den überdimensionalen Früchte-Gemälden, mit denen Kneffel in den 1990er-Jahren international bekannt wurde, hin zu ihren komplexen malerischen Interieurs, in denen Zeit- und Bildebenen, Kunst, Architektur und Film miteinander verschmelzen. Die 1957 geborene Künstlerin reizt obsessiv die Möglichkeiten realistischer Darstellung aus. 
Karin Kneffel,
bis 24. Februar 2020
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
www.museum-frieder-burda.de

SkimuseumSchwarzwälder Skimuseum
Bildhauerei in Ton und Holz
Der eine erweckt Gestalten in seinen Skulpturen zum Leben. Der andere lässt sich von der berühmten, in einen Baum eingewachsenen Christusfigur „Balzer Herrgott“ für seine Holzarbeiten inspirieren: Das Schwarzwälder Skimuseum Hinterzarten zeigt in seiner aktuellen Sonderausstellung Arbeiten von Wolfgang Kleiser (83) aus Hammereisenbach und des Holzbildhauers Josef Rombach (77) aus Gütenbach.

Begegnung, Konfrontation, Dialog – alles Menschliche ist Wolfgang Kleisers Thema. Der gebürtige Uracher bringt es auf Papier zum Ausdruck, aber es wird auch in seinen Skulpturen lebendig. Dabei geht es ihm immer ums Wesentliche, das er mit geübtem Blick und geschulten Händen entstehen lässt. Mit dem „Balzer Herrgott“, einer in eine Weidbuche eingewachsenen steinernen Christusfigur, beschäftigt sich der Holzbildhauer Josef Rombach. Er hat ihre Veränderungen ab 1932 in Lindenholz schrittweise festgehalten.

Skulpturen, Plastiken, Zeichnungen
bis 19. April 2020
Schwarzwälder Skimuseum Hinterzarten
www.schwarzwaelder-skimuseum.de

BKI-128-Abendlandschaft_am_FlussDreiländermuseum
Das Existenzielle des Menschseins
Das Dreiländermuseum in Lörrach ist in Europa das einzige Museum dieser Art. Die zentrale, zweisprachig erläuterte Dauerausstellung befasst sich mit der Geschichte und Gegenwart von Deutschland, Frankreich und der Schweiz – den Ländern, die, als Ergebnis einer einzigartigen Entwicklung, mehr als eine Grenzregion bilden: die Europa-Region am Oberrhein.

Welche Gemeinsamkeiten verbinden die drei Länder? Wie kam es zur Dreiteilung des gemeinsamen Kultur- und Siedlungsraums? Wie wirken sich die Grenzen auf Politik, Wirtschaft und Alltag der Menschen aus, die hier leben und die gleiche Sprache sprechen? Die erlebnisorientierte Dreiländerausstellung informiert auf rund 1000 Quadratmetern über die wechselhaften Beziehungen, denen die Region im Laufe der Jahrhunderte unterworfen war – mit mehr als 2000 Exponaten aus Südbaden, dem Oberelsass und der Nordwestschweiz. Dazu gehören persönliche Dokumente von Johann Peter Hebel und eine beachtliche Sammlung zur Badischen Revolution 1848/49.

Viel Raum gibt es aber auch für Sonderausstellungen zur Kunst und Kultur in der Oberrhein-Region. So widmet sich die nächste Ausstellung dem Lörracher Maler Paul Ibenthaler (1920–2001). Gezeigt wird eine Retrospektive aller Schaffensperioden des Ausnahmekünstlers, der in seinem Werk existenzielle Aspekte des Menschseins verhandelt – und einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Markgräfler Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg leistete.
Paul Ibenthaler – 100 Jahre
17. Januar bis 8. März 2020
Dreiländermuseum, Lörrach
www.dreiländermuseum.eu

Eisenbahn_024Museum für Stadtgeschichte
Lässt Herzen höherschlagen
Ob von Märklin, Playmobil oder ganz klassisch aus Holz – Spielzeugeisenbahnen lassen die Herzen vieler Kinder und auch so mancher Erwachsener höherschlagen. Für sie alle präsentiert das Breisacher Museum für Stadtgeschichte im historischen Rheintor die Ausstellung „Geliebte Eisenbahn“.
Zu sehen sind vielfältige Varianten, vorwiegend aus Privatbesitz, von denen manche ihre Runden inmitten zauberhafter Landschaften drehen. Außerdem werden zahlreiche Pop-up-Bücher zum Thema aus der Sammlung des Museumsleiters Uwe Fahrer ausgestellt. Ergänzt wird die Sonderschau durch Dokumente und Bilder der Eisenbahngeschichte Breisachs, Neuf-Brisachs und Volgelsheims – womit sie gut zur aktuellen Diskussion über die Wiederherstellung der Bahnverbindung Freiburg-Breisach-Colmar passt.
Geliebte Eisenbahn
bis 3. März 2020
Museum für Stadtgeschichte, Breisach
https://stadt.breisach.de

museum_la8_dieweltvonoben_lilienthalschlagfluegelapparat_cmykMuseum LA8
Nur fliegen ist schöner
In der Geschichte der Menschheit hat der Wunsch, vom Erdboden abzuheben und wie ein Vogel durch die Lüfte zu gleiten, zahllose Künstler und Techniker inspiriert. Das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts LA8 in Baden-Baden bringt den Himmel bis zum 8. März ein bisschen näher und zeigt „Die Welt von oben“. Erst Ende des 19. Jahrhunderts ließ Otto Lilienthal den Traum der beiden mythologischen Figuren Ikarus und Daidalos technische Realität werden: Der Erfinder entschlüsselte die bis heute verwendeten Prinzipien des Auftriebs und startete mit vogelartigen Tragflächen den ersten erfolgreichen Gleitflug. Die mit Grafiken, Gemälden und Skulpturen gespickte Ausstellung will nicht nur von Höhepunkten tollkühner Pioniere und Himmelsstürmer erzählen, sie möchte der Vorstellungskraft der Besucher Flügel verleihen.
Die Welt von oben –
Der Traum vom Fliegen im 19. Jahrhundert
bis 8. März 2020
Museum LA8, Baden-Baden
www.museum.la8.de

2-c-Markgräfler-Museum-MüllheimMarkgräfler Museum Müllheim
Festhalten an Figur und Gegenstand
Der 2008 verstorbene Karlheinz Scherer gehört zu den wichtigen Malern, Zeichnern und Grafikern des deutschen Südwestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Freiburg zählte er mit Horst Antes, Jürgen Brodwolf, Peter Dreher und Dieter Krieg zur Gruppe junger süddeutscher Maler, die als Vertreter der „Neuen Figuration“ in den 1960er-Jahren, abstrakten Tendenzen zum Trotz, an Figur und Gegenstand festhielten. Kritisch, immer auch mit einer Portion Spottlust, hinterfragte er die Rolle von Kunst und Künstlern. Bereits zweimal wurden seine Werke in Doppelausstellungen gezeigt. Jetzt – anlässlich des 90. Geburtstags, den er in diesem Jahr gefeiert hätte – widmet ihm das Markgräfler Museum eine Einzelausstellung.
Karlheinz Scherer.
Hommage zum 90. Geburtstag
bis 29. März 2020
Markgräfler Museum Müllheim
www.markgraefler-museum.de

Isenheimer AltarMusée Unterlinden
Auffrischung eines Altars
Ein Rundgang durch das am Rand des historischen Stadtkerns von Colmar gelegene Musée Unterlinden kommt einer Zeitreise durch fast 7000 Jahre Menschheitsgeschichte gleich. Objekte aus vorgeschichtlicher Zeit, die ab Januar 2020 neu präsentiert werden, treffen hier auf große Kunstwerke des Mittelalters und der Renaissance sowie auch des 20. Jahrhunderts. Und seit vier Jahren besteht das Museum nicht mehr nur aus dem im 13. Jahrhundert errichteten Gebäude des ehemaligen Dominikanerinnen-Klosters; durch architektonisch sehr gelungene moderne Erweiterungsbauten über und unter der Erde ist es zu einer ganz besonderen Kulturstätte geworden.

Diese beherbergt außergewöhnliche Kunstwerke. Zur ständigen Ausstellung gehört etwa ein monumentaler Wandteppich, der Pablo Picassos „Guernica“ beinah in Originalgröße darstellt. Der Teppich wurde 1967 in seinem Auftrag – und unter seiner Anleitung – von der Künstlerin Jacqueline de la Baume-Dürrbach gewebt

Ein weiteres weltberühmtes Kunstwerk lockt derzeit noch mehr Besucher nach Colmar als sonst: Matthias Grünewalds Isenheimer Altar. Dieses Herzstück der Sammlungen wird seit September 2018 gleichermaßen sorgfältig wie aufwendig restauriert – bei laufendem Betrieb, direkt vor den Augen der Besucher. Die Arbeiten an der Haupttafel, der unvergleichlichen Kreuzigungsszene, sind in Bälde abgeschlossen, die gesamte Restaurierung wird im Frühjahr 2021 beendet sein.
Der Isenheimer Altar
Restaurierung bei laufendem Betrieb
bis Frühjahr 2021
Musée Unterlinden, Colmar
www.musee-unterlinden.com

TaschenSpielzeug Welten Museum Basel
Der Liebling der Frauen
Sie kann klein oder groß sein, weich oder hart, am Henkel oder über der Schulter getragen, mit Goldkettchen verziert oder ganz schlicht – die Handtasche. Die Ausstellung im Spielzeug Welten Museum Basel gibt mit rund 400 Exponaten Einblick in ihre Geschichte. In früheren Zeiten konnten Beutel und Säckchen von Männern wie Frauen getragen werden – und zwar praktisch am Gürtel oder als Umbindetaschen unter der Kleidung. Langsam entwickelte sie sich zur reinen Damenhandtasche. Als enge Chemisenkleider aus hauchdünnem Musselin aufkamen, blieb gar keine andere Wahl, als die Beutel in die Hand zu nehmen oder am Arm zu tragen. Es dauerte noch bis 1875, bis Exemplare mit Henkel eingeführt wurden. Im 20. Jahrhundert kam dann der große Boom: Handtaschen wurden zu Kultobjekten und Ikonen, wie die sogenannte Kelly Bag. Und zu absoluten Lieblingen.
Taschen – Ikonen & Wertanlagen
bis 5. April,
www.swmb.museum

Ausstellung-Zeitgenoessische-japanische-Kermaik-Teramo-IMG_0390Stadtmuseum Lahr
Kalligrafie und Keramik
Von Hand schön schreiben? Hauptsache leserlich! Ganz andere Ziele hat die Kalligraphie, die Kunst des schönen Schreibens. Insbesondere in Japan hat diese Kunst bis heute einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Keishu Kawai lebt in Colmar und hat Sheido – den „Weg des Schreibens“ – seit vielen Jahren geübt: Das Zusammenspiel von Werkzeug – Papier und Pinsel – und persönlichem Ausdruck im Akt des Schreibens. Ausgestellt werden Haikus (Gedichte aus drei Versen) oder „Kanjis“ (japanische Schriftzeichen, Ideogramme), von der Künstlerin geschrieben. Dabei interessiert nicht der Inhalt, sondern die expressive Handschrift. Es sind minimalistische Kunstwerke.

Das Stadtmuseum Lahr präsentiert ihre Arbeiten im Rahmen der Sonderausstellung „Japanische Keramik und Kalligrafie“, die vom 19. Januar bis 19. April 2020 zu sehen ist. Wer sich dem faszinierenden Thema nähern und den Selbstausdruck per Pinselstrich erproben möchte, hat dazu Gelegenheit in verschiedenen Kalligrafie-Workshops, die Keishu Kawai in englischer Sprache anbietet.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Arbeiten japanischer Keramiker aus der seit 2018 mit Lahr freundschaftlich verbundenen Stadt Kasama und der Provinz Ibaraki. Angeführt von den beiden international bekannten Künstlern Mamoru Teramoto und Hideki Inoue präsentieren zehn weitere ihrer Berufskollegen mehr als 70 Werke der Gebrauchs- und Gefäßkeramik und geben einen kleinen Einblick in die Gestaltungsvielfalt moderner japanischer Keramik.
„Japanische Keramik und Kalligraphie“
19. Januar bis 19. April 2020
Stadtmuseum, Lahr
www.stadtmuseum.lahr.de

Kleiner_Prinz_©-Fondation-Antoine-de-Saint-ExuperyMuseum Haus Löwenberg
Großer Auftritt eines kleinen Helden
In Gengenbach hat der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry derzeit seinen großen Auftritt: Noch bis 6. Januar kann der Adventskalender in den Rathausfenstern bewundert werden. Außerdem widmet ihm das Museum Haus Löwenberg eine eigene Ausstellung. Die Illustrationen treten hier in überraschenden Variationen auf – etwa als Relief, das von Blinden wie Sehenden gleichermaßen ertastet werden kann, oder in Fotografien von Menschen, die Motive des kleinen Prinzen als Tattoos auf der Haut tragen. Auch aus der weltweit größten Sammlung von Jean-Marc Probst werden Objekte ausgestellt: im Miniaturformat, signierte Exemplare von Che Guevara und von Consuelo, der Ehefrau des Autors. Allesamt sind sie Belege für den unglaublichen Weg des zunächst kaum beachteten Werks zum Weltbestseller.
Der kleine Prinz
bis 19. April 2020
Museum Haus
Löwenberg, Gengenbach
www.museum-haus-loewenberg.de

01_Turbanhelm_DeckBadisches Landesmuseum
Trophäensammlung des „Türkenlouis“
Das Badische Landesmuseum Karlsruhe feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einer Großen Landesausstellung. Die Sonderschau „Kaiser und Sultan. Nachbarn in Europas Mitte 1600 – 1700“ versammelt rund 320 Exponate auf 1600 Quadratmeter über zwei Stockwerke. Gezeigt wird die „Karlsruher Türkenbeute“ zusammen mit Teilen der sogenannten „Türckischen Kammer“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Hinzu kommen weitere Leihgaben aus Museen, Stiftungen und von Privatpersonen aus mehreren europäischen Ländern. Das Land stellte als Jubiläumsgeschenk Sondermittel von rund einer Million Euro zur Verfügung.

Die Ausstellung führt zurück ins 17. Jahrhundert, in eine durch Kriege erschütterte Epoche. In Deutschland wütete nicht nur der Dreißigjährige Krieg. In drei Kriegen, die zusammen ebenfalls 30 Jahre währten, standen sich zudem Habsburgermonarchie und osmanische Heere gegenüber. Die „Karlsruher Türkenbeute“ besteht zum Großteil aus der Trophäensammlung des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, der sich als „Türkenlouis“ im letzten dieser Kriege hervortat. Über weite Strecken ist der Parcours eine waffenstarrende Rüstkammer: mit Helmen und Harnischen, Panzerhemden und Panzerstechern, Schwertern, Schildern und Streitäxten – oder einer Handpauke für die Feldmusik. Das spektakulärste Objekt ist das frisch restaurierte, über 18 Meter lange und fünf Meter hohe osmanische „Blaue Zelt“ aus Krakau.
Kaiser und Sultan –
Nachbarn in Europas Mitte 1600 – 1700
Schloss, Karlsruhe, bis 19. April 2020
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe
www.landesmuseum.de

BimaKasperDaemon_7671DDBMuseum der Kulturen
Von dramatischer Schönheit
Bima ist Königssohn und Held in einem der wichtigsten epischen Werke Indiens. Verkörpert als Stabpuppe mit greifvogelartigen Daumennägeln sind er und das Volksepos mittlerweile in ganz Asien verbreitet. Mit der Ausstellung „Bima, Kasper und Dämon“ taucht das Museum der Kulturen Basel in die Welt des Figurentheaters ein und beleuchtet seine faszinierenden Puppen, Marionetten und Schattenspielfiguren. Anlass für die Schau war die Schenkung der Sammlung Gamper mit rund 2500 Objekten. Aus dieser und dem großen Fundus des Museums sind wunderschöne Stab- und Handpuppen, Schattenspielfiguren und Marionetten aus Asien und Europa zu sehen. Zudem geben Videos Einblick in die Kunst zeitgenössischer Stabpuppenspieler aus Asien. Eine Mitmachstation lädt zum Spielen ein.
Bima, Kasper und Dämon
bis 2. August 2020
Museum der Kulturen, Basel
www.mkb.ch

Augustinermuseum_Archäologie-Freiburg_Blick-in-die-Ausstellung_freiburg.zuhauseAugustinermuseum
Reise in die Stadtgeschichte
Es soll die umfassendste Schau aller Funde sein, die aus städtischem Boden emporgebuddelt wurden. Zum Stadtjubiläum lohnt sich der Blick zurück in die reiche Geschichte Freiburgs. Sie ist so reich, dass sich ihr die drei städtischen Museen unter dem Titel „freiburg.archäologie“ widmen: Zum Auftakt des Festjahres zeigt das Augustinermuseum die Schau „900 Jahre Leben in der Stadt“. Exponate von der Gründung Freiburgs im Jahre 1120 bis in die Neuzeit sind zu sehen. Das Museum für Stadtgeschichte präsentiert das Thema „200 Jahre Forschen in der Stadt“. Im Mai folgt als Drittes im Bunde das Archäologische Museum Colombischlössle und fokussiert mit der Schau „Leben vor der Stadt“ die Zeit vor dem Gründungsjahr.

Im Augustinermuseum zeigen die Relikte, dass bereits im 12. Jahrhundert Bächle durch Freiburg flossen und nicht unschuldig daran waren, dass Altstadtstraßen höhergelegt werden mussten. Innerhalb der alten Mauern gab es einst 20 Klöster und vielerlei Handwerk. Um den Menschen im Mittelalter näher zu kommen, haben sich die Forscher der Kriminalistik bedient und DNA-Spuren ausgewertet. So bekamen zum Beispiel „Margarethe“ und „Ida“ein Gesicht. Ihre Skelette hat man dort ausgebuddelt, wo heute genüsslich Münsterwürste verspeist werden. Denn zwischen 1100 und 1512 befand sich hier ein Friedhof. Als Comic-Gestalten mit fantasievoll rekonstruierten Lebensläufen und neu zugedachten Namen locken sie nun in
die Sphären der Geschichte.

Nicht zuletzt der Zustand ihres Gebisses lässt auf ihre Lebensweise schließen. Die wohl eher gut situierte „Margarethe“ putzte ihre Zähne möglicherweise bereits mit einer Zahnbürste in der Art, wie sie in einer Vitrine zu entdecken ist. Aus den Überresten der 16-jährigen, schwangeren „Ida“ lesen die Anthropologen ein Leben in Armut heraus. Beide Frauen kauften ein beim Bäcker, Metzger oder Krämer sowie auf dem Markt, der sich damals längs der heutigen Kaiser-Joseph-Straße in der Marktgasse erstreckte. Das Geld, mit dem sie vermutlich zahlten – den Rappenpfennig –, kann sich der Museumsbesucher sogar selbst prägen. Er kann auch Platz nehmen zum Trictracspiel, einer Art Backgammon, mit dem sich Mönche zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert die Zeit vertrieben. „Margarethe“ wird sich vor allem ihrem Haushalt gewidmet haben. In diesem werden sich auch Objekte mit Silberzierrat aus den Werkstätten in Freiburg oder Waldkirch befunden haben. „Ida“ hingegen musste sich sicher mit der einfachsten Ausstattung begnügen, wie sie in einer anderen Vitrine zu sehen ist.

Doch wo sind sie aufgetaucht, all die Schuhe, Gefäße, Getreidereste oder Obstsamen? Die Angabe: „Fundort Augustinerplatz, Latrine des Augustinereremitenklosters“ weist auf die größte damalige Fäkaliengrube hin. Sie wurde über die Jahrhunderte hinweg niemals geleert. Welche Methoden sind es, mit denen die Forscher ihren Funden seit nunmehr 200 Jahren zu Leibe rücken? Wie weit gehen die Grabungen zurück in die Zeit vor der Stadtgründung? Zu diesen Fragen können große und kleine Besucher in den beiden anderen Museen auf Entdeckungsreise gehen. 
„freiburg.archäologie“
Augustinermuseum
900 Jahre Leben in der Stadt
bis 4. Oktober 2020
Museum für Stadtgeschichte
200 Jahre Forschen in der Stadt
bis 4. Oktober 2020
Archäologisches Museum
Colombischlössle
Leben vor der Stadt
28.5.2020 – 11.4.2021
www.freiburg.de/museen

NarrenschopfNarrenschopf
Fastnacht hautnah
„Narri, narro“ heißt es im Narrenschopf, dem zentralen Museum der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die seit 2014 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco gehört. In drei großen Kuppelbauten sind mehr als 380 farbenfrohe Narrenfiguren zu sehen. Anschaulich und multimedial werden Geschichte, Hintergründe und Traditionen des jahrhundertealten Brauchtums erklärt. In einem 3D-Kino und an Virtual-Reality Stationen kann fastnächtliches Treiben hautnah erlebt werden.
Museum Narrenschopf, Bad Dürrheim
www.narrenschopf.de

BK-Zeitspruenge-3Historisches Museum Basel
Basler Zeitsprünge
In Basel leben 200.000 Menschen aus 200 Ländern. Die Stadt bildet das Zentrum einer großen trinationalen Region, deren Geschichte weit zurückreicht. In der Barfüsserkirche, dem „Flaggschiff“ des Historischen Museums Basel (HMB), gibt seit Juni eine neue Dauerausstellung mit rund 100 Exponaten einen schlaglichtartigen Überblick über diese 100.000-jährige Geschichte – von den frühen menschlichen Spuren bis heute.

Sechs Kurzfilme eröffnen historische Perspektiven auf die Gegenwart, zeigen etwa den Einfluss von Zuwanderung und Migration, die Bedeutung der Pharma-Industrie oder die Beziehung zwischen Stadt, Land, Fluss und Welt. Medienstationen laden zum Entdecken und Rätseln ein. Eine interaktive Installation vereint Pläne, Bilder, Fakten zur Stadt- und Bevölkerungsentwicklung.
Zeitsprünge – Basler Geschichte in Kürze
Neue Dauerausstellung
Historisches Museum
Basel, Barfüsserkirche
www.hmb.ch

RitterhausMuseum Ritterhaus
Erlebnisraum für Jung und Alt
Ob exotische Tierpräparate aus den ehemaligen Kolonien, archäologische Fundstücke aus der Römerzeit oder detailreiche Waldlandschaften – das Museum im Ritterhaus zeigt die ganze Welt unter seinem Dach und den „Taufschein Amerikas“ noch dazu. Dabei handelt es sich um die Globussegmentkarte des Kartographen Martin Waldseemüller aus dem Jahr 1507, auf der erstmals der Name „Amerika“ für den neu entdeckten Kontinent auftauchte. Sie ist der größte Schatz des Offenburger Museums und gleichzeitig Herzstück der Ausstellung „Offenburg in der Welt. Eine Stadt zwischen 800 und 1800“, in der 1000 Jahre Stadtgeschichte in fünf spannenden Stationen dargestellt werden.

An sie knüpft die Dauerausstellung „Zwischen Revolution und Wirtschaftswunder“ an, die den politischen und wirtschaftlichen Weg Offenburgs in die Moderne zeigt. In der Präsentation „Verdammt lang her! Archäologie in der Ortenau“ werden archäologische Ausgrabungsstücke von der Steinzeit bis in die Zeit der Alamannen gezeigt. Und in „Ein Fenster zur Welt“ sind Großwildtrophäen der Sammlung Cron sowie die kolonialzeitliche Völkerkundesammlung zu sehen.

Ein Erlebnisraum für Jung und Alt, mit vielen Stationen zum Anfassen und Ausprobieren, ist die interaktive Naturkundeabteilung „Wald – Land – Fluss“. Hinzu kommen spannende Wechselausstellungen, ein lebendiges Veranstaltungsprogramm mit Führungen und mehr als 60 museumspädagogische Kurse für Kinder.
Mehrere Dauerausstellungen
Museum im Ritterhaus, Offenburg
www.museum-offenburg.de

Augusta-Raurica_Blick-ins-szenische-Theater_Foto_Susanne-SchenkerAugusta Raurica
Theater, Gespenster, Silberschatz
Das nicht weit von Basel gelegene Städtchen Augst hieß zu den Zeiten der Römer Augusta Raurica und war die Hauptstadt der Regio Basiliensis. Heute ist sie eine der am besten erhaltenen römischen Städte nördlich der Alpen – und bietet mit dem imposanten Theater, dem stimmungsvollen Römerhaus und einem riesigen Silberschatz jede Menge greifbare Geschichte. Statt bloßem Anschauen heißt es hier mitmachen, etwa bei den römischen Spielenachmittagen, beim Brotbacken wie zur Zeit der alten Römer oder beim täglich angebotenen spannenden Rätselrundgang „Das namenlose Gespenst“.

Augusta Raurica ist auch bei der Basler Museumsnacht mit von der Partie: In der Skulpturenhalle des Antikenmuseums kann man erleben, wie sich ein Gladiator auf den letzten Metern vor dem Kampf gefühlt hat. 
Augusta Raurica, Augst
www.augustaraurica.ch

MuseumspassMuseumspass
Freier Eintritt in 335 Museen
Museen gibt es viele im Dreiländereck – und alle bieten spannende Dauer- und Sonderausstellungen. Die Vielfalt ist riesig – und damit auch Familien durch häufige Museumsbesuche nicht an ihre finanziellen Grenzen geraten, gibt es seit einigen Jahren den Museums-Pass.

Er kostet 112 Euro und bietet einer erwachsenen Person und fünf Kindern freien Eintritt in 335 Museen, Schlösser, Burgen und besondere Gärten in ganz Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in der Nordschweiz bis nach Bern und Thun sowie über das Elsass hinaus bis Besançon, Metz oder Nancy. Ein ganzes Jahr lang, vom Tag des ersten Museumsbesuchs an. Für Kunstliebhaber, historisch Interessierte, Freilichtmuseumsfreunde oder Wissenschafts- und Technikbegeisterte. Und alle, die es werden wollen oder sollen.
www.museumspass.com

 

Fotos: © R. Letscher, SWMB SA, 2019. Digital image Whitney Museum of American Art / Licensed by Scala, Fondation Beyeler, Riehen/Basel 2019, Flavia Schaub, Spielzeugwelten Museum Basel, Joachim Lehrer, VG Bild-Kunst Bonn 2019,  Oberrheinische Narrenschau, Dreiländermuseum, Stadtmuseum Breisach, Museum LA8, Markgräfler Museum Müllheim, Musée Unterlinden, SWMBSA, Stadtmuseum Lahr, Fondation Antoine de Saint-Exupery, Badisches Landesmuseum, Museum der Kulturen Basel,  Augustinermuseum – Städtische Museen Freiburg/Axel Killian, Museum Narrenschopf, hmb, K. Schlessmann/Museum im Ritterhaus/Zeitmaschine, Susanne Schenker, Museumspass