Schwebend – Im Freiburger Münster wird Licht sichtbar Kultur | 28.05.2026 | Erika Weisser
Sichtbar: Elke Maiers Fadeninstallation verwandelt den Innenraum des Münsters in einen Lichtraum.
An sonnigen Tagen sind sie gut zu sehen: die feinen weißen Fäden aus merzerisiertem Baumwollgarn, die Elke Maier derzeit im Innenraum des Mittelschiffs des Freiburger Münsters zu einem eigenen transzendenten Raum verwebt. „Sichtbar – Unsichtbar“ ist das eigens für das Münster konzipierte Projekt benannt, an dem die Künstlerin im Auftrag der Kunstkommission der Erzdiözese derzeit täglich acht bis zehn Stunden arbeitet.
Seit 13. April ist sie am Werk. Sie ließ zunächst einzelne Fäden vom Deckengewölbe herab, spannte sie, zog sie diagonal nach vorne zum Chorraum und verknüpfte sie mit geeigneten Teilen des Mauerwerks. Schritt für Schritt, wie sie sagt – und in ständigem Dialog mit dem Raum. Die feinen Fäden ziehen sich 100 Meter weit durch das ganze Langhaus des Sakralbaus – von der Michaelsempore im Westturm über das silberne Böcklin-Kreuz bis zu dem von Hans Baldung Grien geschaffenen Hochaltar. Das Werk, dessen Teil sie „im Lauf des Arbeitsprozesses selbst geworden hat“, ist fast fertig. Am Pfingstmontag, 25. Mai, ist feierliche Vernissage. Hernach bleibt die Installation bis zum 28. September an Ort und Stelle.

Elke Maier
Den Sommer über können Besucher zu den Öffnungszeiten des Münsters dann jederzeit erleben, wie sich die Wahrnehmung des Raums, je nach Tageszeit und Sonnenposition, stetig verändert. Das einfallende natürliche Licht wird durch die Fäden reflektiert, lässt sie erstrahlen und macht sie und damit auch das Licht selbst sichtbar. Oder auch nicht: An trüberen Tagen bleiben sie im Halbdunkel des Innenraums verborgen. Sie sind kaum wahrzunehmen, aber dennoch da. So wie das Licht selbst.
Etwa 50 Kilometer des feinen, leicht glänzenden Nähgarns hat sie für ihr Projekt „mit höchster Präzision und Sorgfalt“ verwoben. Und es ist nicht der erste Lichtraum, den sie schafft: Neben vielen anderen Kirchen hat sie bereits die Innenräume des Stephansdoms in Wien und des Bamberger Doms umgestaltet. Bilder dieser Installationen sind bis 20. Juni im Münsterforum ausgestellt.
Fotos: © ebfr










