Indie-Pop mit Message: Steiner & Madlaina im Jazzhaus 4Musik | 30.11.2023 | Pascal Lienhard

Steiner & Madlaina im Jazzhaus Indie-Pop aus der Schweiz: Madlaina Pollina (links) und Nora Steiner im Jazzhaus

Beziehungen, Alltagsbeobachtungen und Gesellschaftskritik: Es sind viele Themen, die das Zürcher Duo Steiner & Madlaina beschäftigen. Verpackt in eingängige Melodien veröffentlichen die beiden Frauen seit rund acht Jahren ihre oft tiefgründigen Songs. Damit haben sie beim Tourfinale im gut gefüllten Freiburger Jazzhaus überzeugt.

Keine inhaltsleeren Ohrwürmer

Es gibt Konzerte, da erkennt man direkt am Publikum, welche Musik gleich von der Bühne schallen wird. Schwarze Shirt und lange Haare? Metal. Skater-Marken und Tattoos? Pop-Punk. Bei Steiner & Madlaina ist das schon schwieriger. Der Familienvater steht neben der Studentin, Jung und Alt hat sich im Gewölbekeller des Jazzhaus versammelt.

Kein Wunder: Die Songs von Nora Steiner und Madlaina Pollina sind in vielen Richtungen anschlussfähig. Wer auf Indie-Pop mit Ohrwurmcharakter steht, wird ebenso abgeholt wie Freunde von gesellschaftskritischen Lyrics.

Ohne großen Schnickschnack – wenn man den Bühnennebel mal außen vor lässt – kommen die Frauen mit ihrer Band auf die Bühne. Pollina nimmt am Keyboard teil, Steiner schnallt sich die Gitarre um. In der Folge stehen vor allem Tracks des aktuellen Albums „Risiko“ auf dem Programm, aber auch Stücke von früheren Veröffentlichungen haben ihren Weg auf die Setlist gefunden.

Viele der Songs gehen direkt ins Ohr. Der Album-Opener „Wahre Liebe“ kommt rockig und mit coolem Groove daher, „So schön wie heute“ verbreitet eine angenehme Entspanntheit. Das Duo hat sichtlich Spaß, Steiner hüpft mit ihrer Gitarre immer wieder auf der Bühne. Den Gesang teilen die beiden auf, Pollina wechselt zudem zwischen Tasten und Saiten. Die dreiköpfige Band verharrt derweil im Halbschatten des hinteren Teils der Bühne.

Steiner & Madlaina im Jazzhaus

Ganz viel Leidenschaft: Nora Steiner im Jazzhaus

Die oftmals eingängigen Melodien des Duos trügen. Wirklich unbeschwert geht es selten zu. Im Folk-Pop-Song „Heile Welt“ etwa problematisieren die Musikerinnen die Neutralität der Schweiz. Ironische Zeilen wie „Damit unsere heile Welt noch eine Weile hält, halten wir uns raus“ sprechen für sich.

Auch „Ciao Bella“ ist kein inhaltsleerer Ohrwurm: Der Song ist aus der Perspektive eines sexistischen Mannes verfasst. Zeilen wie „Wenn sie sich nach vorne beugt, dann weiß sie, dass es mich freut“ erinnern auch mal an die abgründigen Texte von Faber, dem Bruder Pollinas.

Es muss nicht immer Hochdeutsch sein

Ebenso gut stehen den Musikerinnen Beziehungssongs wie die zurückgenommene Ballade „Unter uns“. In den flotteren und mehr vom Keyboard getragenen Songs erinnert der Sound auch mal an Wir sind Helden. Manch einer hat die Tracks von Steiner & Madlaina vielleicht schon im Kino gehört. Für die Thees-Uhlmann-Verfilmung „Sophia, der Tod und ich“ hat das Duo mehrere Nummern beigesteuert. Vom Soundtrack spielen die Frauen im Jazzhaus das düstere „Folge mir“.

Mit „Ich blibe und du gahsch“ wechselt das Zürcher Duo ins Schwyzerdütsch. Der Dialekt erklingt mit Steiner & Madlaina nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Auch der Support-Act Fräulein Luise hat mit dem Song „Eusi Stadt“ ein Stück Zürich in den Breisgau gebracht.

Fräulein Luise im Jazzhaus

Schweizer Kollegin: Olivia Merz von Fräulein Luise

Ähnlich wie der Mainact steht auch bei dem Zürcher Newcomer-Quartett Indie-Pop neben ernsten Texten. Schon die Debütsingle „Marie“ handelte von den Folgen sexueller Übergriffe. Und mit „Eusi Stadt“ stellen die Musiker*innen der Heimatstadt Zürich kein allzu gutes Zeugnis aus. Zeilen wie „I dere Stadt, wo Strassemusig lizenzpflichtig isch, I dere Stadt, wo Status meh Wert het als Glück“ zeugen zumindest nicht von unreflektiertem Lokalpatriotismus.

Für Freunde von Indie-Pop mit Message ist es ein rundum gelungener Abend. Gegen Ende des Sets geht die Post dann richtig ab. Mit „Das schöne Leben“ bringen Steiner & Madlaina das Jazzhaus zum Toben, das Publikum singt laut mit. Für das Duo ist der Auftritt in Freiburg der letzte ihrer Tour. Doch wird man in den kommenden Jahren sicher noch einiges von den Musikerinnen hören.

Fotos: © Pascal Lienhard