Clash der Konsolen: Playstation 5 und Xbox Series X kämpfen um die Gamer-Gunst Games | 14.12.2020 | Philip Thomas
Sieben Jahre mussten Zocker auf der ganzen Welt warten, nun ist es so weit. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft haben Sony und Microsoft brandneue Spiele-Konsolen auf den Markt gebracht: Playstation 5 und Xbox Series X. Die beiden Kisten haben das gleiche Preisschild und ähnlich viel Power unter der Haube. An den beiden Geräten scheiden sich trotzdem die Geister.
Die vorherige Konsolen-Generation hat Sony klar für sich entschieden. Mehr als 112 Millionen Playstation 4 haben die Japaner seit Marktstart im Jahr 2013 verkauft. Der vierte Ableger der PS rangiert damit auf der Liste der erfolgreichsten Heimkonsolen auf Rang zwei hinter ihrem älteren Bruder, der Playstation 2, mit rund 158 Millionen verkauften Einheiten. Spiele, wie „Bloodborne“, „God of War“ „Spider-Man“ oder „Last Of Us 2“ gingen in den vergangenen Jahren millionenfach über den Ladentisch, waren sonst auf keinem System spielbar.
Bei Microsoft spricht man indes äußerst ungern über Verkaufszahlen zur zeitgleich erschienenen Xbox One. Die aktuellsten Ziffern stammen aus dem Jahr 2015. Bis dahin wollen die Amerikaner rund 50 Millionen Konsolen produziert haben. Wie viele davon tatsächlich auch verkauft wurden, ist nicht überliefert.
Die erste Präsentation auf dem eigenen Campus in Redmond im Jahr 2013 kann getrost als PR-Katastrophe bezeichnet werden. Zu sehen gab’s für Xbox-Zocker statt zahlreicher Spiele hauptsächlich amerikanisches und lineares Fernsehen. Auch der Zwang, ständig mit dem Internet verbunden sein und gekaufte Spiele nicht weiterverleihen zu können, sorgte für unverhohlenen Unmut. Die von Microsoft erdachte Bewegungssteuerung „Kinecet“ wurde zum teuren Missverständnis. Kaum jemand wollte im Wohnzimmer eine Kamera, die sich nicht vom Netz nehmen lässt.
Fans liefen Sturm und Microsoft lenkte ein. Doch der Schaden war bereits angerichtet. Laut Xbox-Chef Phil Spencer stand die gesamte Gaming-Sparte des Konzerns 2014 sogar vor dem Aus: „PlayStation hängt uns bei den Verkäufen mittlerweile ordentlich ab. Bleiben wir weiter in diesem Bereich engagiert? Oder treffen wir eine andere Entscheidung?“, habe ihn der Microsoft-CEO Staya Nadella damals gefragt.

Und nicht nur hinter den Kulissen brodelte es bei Microsoft. Der langerwartete Shooter „Halo 4“ fiel bei Gamern und Kritikern weitestgehend durch. Auch ein fünfter Teil konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Das Piraten-Abenteuer „Sea of Thieves“ floppte, andere vielversprechende Spiele, wie das Action-Abendteuer „Scalebound“, wurden mitten in der Entwicklung eingestampft und erschienen gar nicht. Sonys Studios gelang mit „Uncharted 4“ oder „Horizon: Zero Dawn“ derweil ein Hit nach dem anderen.
Die portable Nintendo-Switch legt nahe, dass Zocker auf mehreren Geräten daddeln, dass sich Playstation-Zocker mit der Xbox eine weitere Heim-Konsole zulegen, war allerdings unrealistisch. Spieler spezialisieren sich gerne auf ein System. Und der Kauf des einen schließt das andere in der Regel aus: Die wenigsten haben Platz und Geld für zwei Kisten unter dem Fernseher, dazu sind Trophäensammlungen oder Freundeslisten oftmals auf ein digitales Ökosystem beschränkt.
Die neue Konsolen-Generation ist für Xbox die letzte Chance, verlorenen Boden wiedergutzumachen, Spielerherzen und letztlich Marktanteile zurückzugewinnen. Tatsächlich scheint Microsoft seine Hausaufgaben dieses Mal gemacht zu haben. Auf dem Papier ist die neue Xbox Series X eine echte Spielekonsole ohne Schnörkel und mit rund 12 Teraflops stärker als Sonys Playstation 5 mit 10, 28 Teraflops. Die Series X packt pro Sekunde also rund zwei Billionen Berechnungen mehr.
Und die Taschen der Konzernmutter sind tief. Im Herbst kaufte Microsoft den Branchenriesen und Spieleproduzenten Bethesda für stolze 7,5 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Übernahme von „Star Wars“ kostete Disney im Jahre 2012 bloß schlappe vier Milliarden Dollar. Durch den Deal liegen große Spiele-Marken wie „Fallout“, „Elder Scrolls“ und „Doom“ nun in Redmond.

Sony will seine verdiente Vormachtstellung mit der Playstation auf dem rentablen Videospiel-Markt trotzdem halten. Allein in Deutschland wurde 2019 mit dem Verkauf von Videospielen ein Umsatz von einer Milliarde Euro erwirtschaftet. Das Gros davon entfällt auf den Konsolenmarkt. Die Japaner punkten nun mit revolutionärem Controller, der den Widerstand seiner Schultertasten je nach Situation anpassen kann, leisen Lüftern und Abwärtskompatibilität, die alte Titel auch auf der neuen Maschine spielen lässt.
Dazu hat die Playstation 5 mit „Demon Souls“ und einem neuen Spider-Man-Teil gleich zwei Schwergewichte an den Start gebracht. Derweil kommt Microsofts neue Xbox zwar ebenfalls mit Abwärtskompatibilität, aber zunächst ohne starke Spiele: Nach Reaktionen auf den mauen Debüt-Trailer von „Halo Infinite“ wurde der Vorzeige-Shooter auf nächstes Jahr verschoben.
Vom „Konsolenkrieg“ der beiden Tech-Riesen profitiert letztendlich der Kunde. Konkurrenz belebt auch das Gaming-Geschäft. Glaubt man Wirbel und Klickzahlen in sozialen Netzwerken und Foren, hat Sony die Nase vorn. Fakt ist: Derzeit ist die Nachfrage so groß, dass beide Konsolen vor Weihnachten restlos ausverkauft sind. Ob sich ein Gerät absetzen kann, werden die Jahre erneut zeigen.
Fotos: © Microsoft, Sony, Marvel










