Farbe im Spiel: Lena Peter ist eine der besten Malerinnen der Republik Job & Karriere | 14.01.2019 | Till Neumann

Fulminant hat die 22-Jährige ihren Abschluss gemacht: Lena Peter ist in ihrem Jahrgang als Malerin und ­Lackiererin die Beste in ganz Baden-Württemberg. Deutschlandweit glänzte sie als viertbeste ihres Jahrgangs. Im f79 berichtet sie von schwierigen Zeiten, von viel Ehrgeiz und verrät ihr Geheimrezept.

„Ich bin gerade von der Leiter gestiegen“, sagt Lena. Für das Telefongespräch mit dem f79 nimmt sie sich gerne Zeit – das Handwerk brauche ein bisschen Werbung, ist sie überzeugt. Gerne will sie ein paar Dinge zurechtrücken: „Es bringt nix, wenn alle in Büros arbeiten wollen, die Büros aber keiner baut.“

Im Sommer hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen. Seit Oktober arbeitet sie als Malerin und Lackiererin in Waldshut-Tiengen. „Viele, die studieren gehen, wissen nicht, was sie verpassen“, ist Lena überzeugt. Es gebe viele coole Berufe im Handwerk. Kreativ, abwechslungsreich – und quasi mit Jobgarantie. Denn qualifizierte Kräfte werden fast überall gesucht. Klar verdiene eine Bürokauffrau mehr als sie, da müsse die Politik ansetzen.

Die frischgebackene Gesellin hat das Gegenteil eines klassischen Bürojobs. Bei Wind und Wetter ist sie draußen. Stören tut sie das nicht. „Ich wollte nie im Büro sitzen“, sagt Lena. Schon als Kind hat sie gemalt, gebastelt und gezeichnet. Also wollte sie einen Beruf finden, der dazu passt. Bei einer Beratung auf dem Arbeitsamt empfahl man ihr eine Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk. Farbe ins Spiel bringen, das gefiel ihr.

Spitze: Lena Peter mit dem Förderpreis des Rotary Clubs Freiburg-Schlossberg.

Mit einem Realschulabschluss bewarb sie sich für die Lehre. „Ich find’s geil, wenn ich direkt sehe, was ich geschaffen habe“, sagt Lena. Als jemand, der mit Farben und Lacken arbeitet, ist genau das tagtäglich der Fall. Was sie alles bemalt und lackiert? „Alles!“ Am liebsten aber in Kinderzimmern, da diese so liebevoll eingerichtet seien.

Trotz der Euphorie brach sie die Ausbildung nach einem Jahr ab. Wegen Spannungen mit Kollegen, aber auch wegen privater Schicksalsschläge. „Ich habe eine Pause gebraucht“, sagt Lena. Nach einem Jahr kam die Lust am Arbeiten jedoch zurück. Über Kontakte fand sie einen Betrieb zum Wiedereinstieg. Nach vier Monaten dort wechselte sie erneut und konnte regulär ins zweite Lehrjahr einsteigen.

Dort ging sie voll auf und erzielte in jeder Hinsicht Bestnoten. Als Landesbeste und Viertplatzierte bundesweit hat sie sich durchgesetzt. Einfach war das nicht immer: „Als Frau darf man keine Schwäche zeigen, sich nichts anmerken lassen.“ Bei manchen männlichen Kollegen müsse man sich immer wieder aufs Neue beweisen. Männer hätten es da einfacher. „Ich bin ein ziemlich ehrgeizgier Bollen“, sagt Lena. Oft sei ihr gesagt worden: Du kannst das nicht. Doch das habe sie nur noch besser gemacht.

Ein Kirchenkreuz hat sie schon vergoldet und die Betriebshalle der Schwarzwaldmilch bemalt. Für die Arbeit auf dem Gerüst brauche es nicht nur Kraft, sondern auch Schwindelfreiheit, berichtet Lena. Manchmal komme man an seine Grenzen. Manchmal stehe man sogar im Schlafzimmer fremder Leute. Auch ein höflicher Umgang sei da Voraussetzung.

Seit Oktober hat sie einen unbefristeten Vertrag bei einer Firma in Waldshut-Tiengen. Auch dort will sie ihrem Geheimrezept treu bleiben: „Ich will es immer so machen, als würde ich an meinem eigenen Haus arbeiten.“ Um ihre Zukunft macht sie sich wegen des Fachkräftemangels keine Sorgen: „Es ist fast unmöglich, arbeitslos zu werden.“

Fotos © pixabay.com; Handwerkskammer Freiburg