Suche nach Sicherheit – Welche Berufe haben Zukunft? Job & Karriere | 19.06.2023 | BZ/Tobias Hanraths (dpa)

junge menschen stehen vor einer Betonwand und schauen auf ihre Smartphones

Die Welt ist im Wandel – gut möglich, dass auf Abiturienten stürmische Zeiten zukommen. Dennoch sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt so gut wie lange nicht. Deshalb: Bloß keine Panik!

Es gibt diese eine Frage, die fast alle Abiturienten umtreibt. Und sie hat nichts mit Ruhm bei Instagram zu tun, allen Vorurteilen über diese angeblich so oberflächliche Generation zum Trotz. „Wir erleben das bei der Studienberatung“, sagt Pia Engelhardt vom Professional Center der Universität Köln. „Die eine Frage, die da immer gestellt wird, ist: Was kann ich studieren, was auch in 40 Jahren noch von Bedeutung ist?“

Damit unterscheiden sich die Schulabgänger von heute, auch Generation Z genannt, deutlich von ihren Vorgängern. Sicherheit ist für sie ein wichtiger Wert, Zufriedenheit, der Sinn von Arbeit – das zeigen verschiedene Studien. Und im Mittelpunkt steht weniger die Arbeit selbst – sondern eher das, was nach der Arbeit zu Hause wartet. „Das ist die erste Generation, die in der Kleinkindbetreuung und in Ganztagsschulen aufgewachsen ist“, sagt Engelhardt. Umso wichtiger sei ihnen heute der Zusammenhalt in der Familie.

Und das ist nur ein möglicher Grund dafür, warum die Generation Z so intensiv nach einem sinnvollen, zukunftsfähigen Beruf sucht. Der andere: Sie müssen ihn sehr lange ausüben. Denn wo das Renteneintrittsalter liegt, lässt sich zwar schwer vorhersagen – bei 67 aber vermutlich nicht.

„Heute wissen alle: Man hat eine sehr lange Strecke zu gehen, das war in den 70er, 80er Jahren noch anders“, sagt Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Vielleicht spielt auch deshalb heute die Work-­Life-Balance eine viel größere Rolle.“

Die gute Nachricht: Die Chancen auf einen tollen Job sind gut, richtig gut sogar. „Immer mehr Personalverantwortliche sprechen heute von einem Arbeitnehmermarkt“, sagt Hilmar Schneider, Chef des Instituts zur Zukunft der Arbeit. Das heißt: Wo einst die Unternehmen am längeren Hebel saßen, sind es aktuell die Bewerber. „Die Kandidaten haben heute eine ganz andere Verhandlungsposition als früher.“

Das hat gleich mehrere Gründe, allen vorweg die Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer gehen in den Ruhestand und hinterlassen freie Arbeitsplätze. Hinzu kommt die gute wirtschaftliche Lage. „Deutschland erlebt gerade einen Arbeitsmarkt-Boom“, sagt Schneider. Der muss natürlich nicht ewig halten. Vieles spricht aber dafür, dass die Abiturienten von heute davon profitieren werden, wenn sie fertig sind.

Allerdings rät Walwei jungen Leuten, zu Beginn nicht auf die vermeintliche Sicherheit der unbefristeten Stelle zu schauen – sondern eher darauf, was der erste Job für die Zukunft bringt. „Die Beschäftigungsfähigkeit ist heute wichtiger als die Frage, welcher Beruf genau vor Jahren einmal erlernt wurde“, sagt er. Entscheidend ist also nicht, was man gelernt hat – sondern was man in Zukunft noch dazulernt.

„Fast noch wichtiger als die Hard Skills sind die Soft Skills“, sagt auch Engelhardt. Anders gesagt: Wer auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein will, muss flexibel bleiben und den Blick über den Tellerrand zur Gewohnheit machen. „Man kann heute nicht mehr die stringente Karriere machen, die unsere Väter noch gemacht haben. Man muss bereit sein, nach links und rechts zu gucken.“

Was bedeutet das für das Sicherheitsbedürfnis der Generation Z? Einerseits, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt – weil der erste Job ohnehin nicht der letzte sein wird und keine Kristallkugel wirklich zuverlässig arbeitet. Andererseits heißt es aber auch, dass Generation Z getrost der eigenen Nase folgen darf. „Ich kann den Abiturienten und Absolventen heute nur raten, unabhängig von den Anforderungen des Arbeitsmarkts den eigenen Interessen zu folgen, die eigene Berufung zu finden“, sagt Engelhardt. So haben sie eher Spaß an ihrer Arbeit – auch in 40 Jahren noch.

Foto: freepik.com