Langsamer lernen – aber gut: Teilzeitausbildungen bieten einige Vorteile Ausbildung & Arbeit | 15.03.2023 | f79

Überkopfporträt von mehreren jungen Leuten die auf dem Boden sitzen

Kinder, pflegebedürftige Angehörige, körperliche Einschränkungen – es gibt viele Gründe, die eine Ausbildung erschweren können. Eine Lösung kann eine Teilzeitausbildung sein. Sie ermöglicht, nebenher und familienfreundlich einen Beruf zu erlernen. Und schult sogar Dinge, die bei einer Vollzeitausbildung kürzer kommen.

„Eine Teilzeitberufsausbildung ist in allen anerkannten Berufen des dualen Ausbildungssystems möglich“, sagt Fachbereichsleiter Ausbildungsberatung Jörg Wiebeck von der Handwerkskammer Freiburg. Dabei gelten die gleichen Voraussetzungen wie für eine reguläre Ausbildung in Vollzeit. Wiebeck: „Dazu gehören die Eignung, der Ausbildungsvertrag, die Zustimmung der zuständigen Stelle und der Besuch der Berufsschule sowie der überbetrieblichen Ausbildung.“

Die Ausbildung kann von Beginn an in Teilzeit absolviert werden, es kann aber auch nur ein bestimmter Zeitabschnitt in Teilzeit durchgeführt werden. „Gerade mit Blick auf den enormen Fachkräftemangel birgt eine Teilzeitausbildung für viele Unternehmen eine Reihe von Vorteilen“, weiß Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Südlicher Oberrhein. „Sie eröffnet Betrieben neue Wege, engagierte Mitarbeitende zu finden.“ Sie fördere zudem die Bindung an
das Unternehmen.

Linda Steger ist überzeugt, dass auch Auszubildende in hohem Maße davon profitieren: „Eine Teilzeitausbildung stellt ein modernes Instrument familienfreundlicher Unternehmenspolitik dar“, sagt die Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Freiburg – Südlicher Oberrhein. Auszubildenden ermögliche die Teilzeitausbildung beispielsweise nach einer Schwangerschaft den Wiedereinstieg und den Berufsabschluss. „Teilzeit-Azubis verfügen durch Erziehungs- und Pflegeaufgaben zudem über ein hohes Maß an Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein.“

„Als Betrieb gibt es heute keinen Grund mehr, auf Teilzeitausbildung zu verzichten“, ergänzt Andrea Klimak, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit. „Ich freue mich über jedes Unternehmen, das sich darauf einlässt und dadurch seinen Nachwuchs sicherstellt.“

In Freiburg haben sich für das Modell mehrere Strukturen zusammengeschlossen: Der Arbeitskreis Teilzeitausbildung besteht aus der IHK Südlicher Oberrhein, der Handwerkskammer Freiburg, der Agentur für Arbeit mit den drei angegliederten Jobcentern, der Kontaktstelle Frau und Beruf sowie dem Caritasverband Freiburg Stadt.

Foto: © freepik.com/lookstudio