Verlosung zur Premiere: Agrar-Dokumentarfilm „Bauer unser“ ab 19. März im Friedrichsbau Kinonews | 15.03.2017

„Ein Liter Milch ist billiger als ein Liter Mineralwasser,“ sagt der emeritierte Universitätsprofessor Alfred Haiger in einem der ersten Sätze, die in „Bauer unser“ zu hören sind. Bis dahin hört man nur scharrende Hufen, gelegentliches Muhen, einschnappende Schlösser, Kaugeräusche. Und man sieht: Unzählige Kühe, die sich auf dem rutschigen Boden ihres riesigen Stalles ungelenk zu ihren Parzellen hin bewegen, nachdem sie sich wiederkäuend am bergeweise ausgebrachten, mit Soja angereicherten Futter laben.

Zwischendrin werden sie der Reihe nach und in Sekundenschnelle von einer hochtechnischen Maschine gemolken – in speziellen Zellen, hinter ins Schloss gefallenen Gittertüren. Diese streng durchrationalisierten mechanischen Arbeitsabläufe führen zu dem eingangs zitierten Ergebnis – und ist zugleich die Folge davon: Durch die grenzenlose Milchproduktion sinkt der Preis; die Landwirte, die sich auf Milchkühe spezialisiert haben, müssen, um überhaupt noch Einnahmen zu erzielen, auf noch mehr Wachstum, auf noch mehr Produktion setzen.

Womit das Tier zunehmend zu einem wenn auch wesentlichen Rädchen im Getriebe reduziert wird. Zu einem reibungslos funktionierenden, bis zur letzten Reserve ausgebeuteten Teil des Produktionsprozesses, für den der Begriff „Landwirtschaft“ nicht so recht passen mag. Weder bei den im Film gezeigten Milchbauern noch bei den Schweinemästern noch bei den Eierlieferanten: Für sie würde die Bezeichnung „Agrarindustrie“ besser passen, in der nach dem Motto „schneller, billiger, mehr“ pro Betrieb gerade noch ein einziges Produkt hergestellt wird, für den ohnehin gesättigten Markt, auf dem kaum mehr Erlöse zu erzielen sind. Was wiederum dazu führt, dass die Landwirte trotz aller Anstrengung nicht dennoch auf Subventionen angewiesen sind.

Der selbst aus einer Kärntner Bauernfamilie stammende Dokumentarfilmer Robert Schabus hat mit seinem Team einige dieser Agrarproduzenten mit intensiver Tierhaltung besucht, hat ihren massenproduktionsorientierten Alltag in teilweise erschreckenden Bildern festgehalten, hat sich mit ihnen über ihre Arbeitsbedingungen unterhalten – um festzustellen, dass die meisten von ihnen diese in Frage stellen. „Warum sind denn die Dörfer leer?“ fragt etwa Martin Suette, dessen Hof jährlich 3250 Schweine auf den Markt wirft. In jeder Ortschaft, sagt er, seien nur noch ein, zwei Bauern – es gebe „kein Dorfleben mehr, keine Kommunikation.“ Und dann sei da noch der Preisverfall „und dann soll man nicht frustriert sein.“ Wie die meisten Befragten findet er, dass es „so nicht weitergehen kann.“

Schabus hat aber auch Landwirte besucht, die sich diesen Satz bereits zu Herzen genommen haben, die aus der Lebensmittelindustrie aus- bzw. gar nicht erst eingestiegen sind und kleine Formen der Landwirschaft praktizieren. Etwa Ewald und Natascha Grünzweil, deren 40 Milchkühe ihr Futter auf der Weide finden, die ihren in Oberösterreich gelegenen Hof seit 20 Jahren nach biologischen Richtlinien führen und mit Gleichgesinnten die Interessengemeinschaft „A faire Milch“ gegründet haben. Oder Franz und Maria Vogt, die im niederösterreichischen Obersdorf in Bioproduktion und Direktvermarktung einen Mischbetrieb mit Gemüse-, Getreide- und Weinbau sowie Schafhaltung und der Herstellung von Schafmilchprodukten und Lammfleisch betreiben. Wohl durchdacht und gut organisiert sind ihre Höfe, auf denen noch viel Handarbeit vorherrscht – bei den Vogts sogar beim Melken und beim Schlachten. Große Sprünge machen können sie nicht (was die „Industriellen“ im Übrigen auch nicht können), doch sie haben ihr Auskommen, haben sich ihre Unabhängigkeit von großen Firmen bewahrt, haben, wie Maria Vogt sagt, „ein gutes Leben“, auch in 20 Jahren noch.

Es gibt also, so zeigt der sehr schlüssige Film, durchaus Alternativen zur Massenproduktion, zur „Ausbeutung in alle Richtungen“, wie Robert Schabus es nennt. Und diese Alternativen sind für ihn „eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit“, da es nicht nur um landwirtschaftlich Produkte gehe, sondern vielmehr um soziale und ökologische Zusammenhänge. Denn „unsere Gesellschaft verliert mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft nicht nur die Bauern selber, sondern auch Artenvielfalt, Arbeitslpätze und das soziale Netz im ländlichen Raum.“ Und wer den Film sieht, hat sowieso keine Lust mehr auf derart produzierte Milch, Eier oder Fleisch.

Text: Erika Weisser / Bilder: © Allegro Film

Bauer unser
Österreich 2016
Regie: Robert Schabus
Dokumentarfilm
Verleih: MFA
Laufzeit: 92 min.
Kinostart: 23. März 2017 im Kino Friedrichsbau
Trailer: www.kino-zeit.de

Am Sonntag, 19. März, 16.30 Uhr gibt es im Kino Friedrichsbau eine Premierenveranstaltung, bei der Regisseur Robert Schabus anwesend ist. Wir verlosen 2 x 2 Eintrittskarten für die Premiere! Einfach eine E-Mail mit Name, Adresse und dem Stichwort „Premiere“ an gewinnspiel@chilli-freiburg.de schicken.