„Die Welt retten“ – Auszeichnung für Komponist Benjamin Scheuer Musik | 13.09.2025 | Till Neumann
Stolze 20.000 Euro bekommt der Komponist Benjamin Scheuer. Das Preisgeld ist Teil der Auszeichnung mit dem Hindemith-Preis. Den hat der 37-jährige Hamburger gerade bekommen. Promoviert hat er in Freiburg, bekannt gemacht hat ihn sein Hang zu außergewöhnlichen Inszenierungen.
Schon Sänger Tim Bendzko wollte „kurz die Welt retten“. Das versucht auch Benjamin Scheuer: Der Hamburger Komponist mit Freiburger Wurzeln hat in Hannover Notfallkonzerte veranstaltet. Zum Beispiel ließ er eines seiner Stücke von einem Streichquartett vor einem Geflügelschlachthof aufführen. „Ein Requiem für jedes getötete Huhn“, erzählt er am Telefon. Scheuer ist überzeugt: „Klassische Musik kann die Welt retten.“
Mit den Notfallkonzerten oder einem Stück mit 600 Blasmusiker·innen im Fußballstadion von Hannover hat er von sich reden gemacht. Aufsehen erregt zudem sein humorvoller Ansatz: Bei Auftritten kommen sprechende Kuscheltiere zum Einsatz, Möwe Horst oder auch ein Schweinchen. Musikerinnen können auch mal schreien oder komische Laute von sich geben.
Zeitgenössische experimentelle Musik ist sein Zuhause. Doch Scheuer möchte ausbrechen aus dem Elitären: „Ich will mich mit etwas Anspruchsvollem beschäftigen, aber gleichzeitig natürlich auch Spaß haben.“ Humorvolle Elemente oder merkwürdige Objekte einzubauen, das seien Wege, eine Art direkte Menschlichkeit und Sinnlichkeit reinzukriegen. „Sie macht die Musik unmittelbar verständlich“, betont Scheuer.
So vermittelt er Komposition auch bei Workshops mit jungen Menschen. Dafür bringt er einen Koffer voller Klangobjekte mit und schafft damit einfache Zugänge. „Man hat einfach Lust, zuzugreifen und auszuprobieren“, erklärt Scheuer.
Die Jury des Hindemith-Preises lobt ihn für diesen Ansatz: „Auf der Suche nach ungewöhnlichen Klängen hat er seine eigene Stimme gefunden.“ Den hoch dotierten Preis verleiht sie 2025 zum 36. Mal an zeitgenössische Komponist·innen.
Für Scheuer kam die Auszeichnung „aus heiterem Himmel“. Sein Wunsch: „Dass ich die tollen Zusammenarbeiten mit inspirierenden Menschen weiterführen kann.“
Foto: © Astrid Ackermann









