Herzen, Tulpen, Nervösität: So lief Freiburgs erstes „Geheimkonzert“ Musik | 30.04.2026 | Till Neumann

Gefeierter Act beim "Geheimkonzert": Jonny Mahoro bringt viele zum Tanzen

Zwei Acts, ein Überraschungsei: Am Dienstagabend hat das Eventportal Rausgegangen.de das erste „Geheimkonzert“ in Freiburg veranstaltet. Die erfolgreiche Reihe gibt’s bereits in anderen Städten, im Waldsee stieg nun die Breisgau-Premiere – und war schnell ausverkauft. Till vom chilli Magazin hat sich die Doppel-Show angesehen.

Notfalls nach hinten

Wer kommt heute Abend auf die Bühne? Die Veranstalterinnen hatten dazu nur so viel erklärt: „Wenn du Genres wie Deutsch-, Indie-, Elektropop und Rap magst, bist du bei einem Geheimkonzert genau richtig!“ Im Waldsee wird schnell klar: Angelockt hat das vor allem ein weibliches Publikum in den Zwanzigern.

Um kurz nach 20 Uhr verrät Moderatorin Annie mehr: „Die Reihe gibt’s seit sieben Jahren – endlich auch in Freiburg.“ Auf die Bühne kommen Newcomer*innen, von denen sie sicher seien, dass sie bald auf ganz großen Bühnen spielen. Heute Abend sind das zwei. Annie erklärt: „Es gilt, Respect the Artist“: Wenn einem etwas nicht gefällt, könne man nach hinten gehen – und sich auf den nächsten Act freuen.

Erster Act: Cosie

Der Opener des Abends: Cosie aus Hamburg mit gefühlvollem Elektropop

Die erste Künstlerin des Abends: Cosie aus Hamburg. Moderatorin Annie macht den Applaus-Test und feiert Freiburg: „Die Energie ist gut, andere Städte sind da leiser.“ 

Dann betritt Cosie die Bühne – mit Gitarrist und ihrem Song „Funken“. Die erste Reihe kreischt, der Rest lauscht gespannt. Ein Song über das Verlorensein, melancholischer Elektropop mit leisen Zwischentönen und Tiefgang. Die Sängerin macht keinen Hehl draus, etwas nervös zu sein. Schüchtern sei die Hamburgerin ohnehin, hatte die Moderatorin schon verraten – und zum 1. Mal in Freiburg.

„Du bist toll!“

Das Publikum klatscht und feuert an. „Cosie du bist toll“, ruft einer. Die Musikerin bedankt sich überglücklich. Sie ist eigentlich krank, musste bereits eine Shows absagen, steht heute trotzdem auf der Bühne. Ihre Stimme schafft nicht jeden Ton, wie sie humorvoll erklärt. Zwei Songs spielt sie sogar im Sitzen. Das Publikum setzt sich auch einfach auf den Boden.

Nach einer knappen Stunde ist Pause. Dann gibt’s den zweiten Act. Wer das ist, wissen manche im Raum nun doch schon. Das Veranstaltungsfoto war ein Hint: Dort sah man einen Sänger mit markanter Mütze. „Das ist die von Jonny Mahoro, trägt er immer bei Shows“, erzählen zwei Fans.

Auf Temperatur: Das Freiburger Publikum feierte, auch ohne die Acts zu kennen.

Zweiter Act: Jonny Mahoro

Schon für den Bühnenaufgang des Kölner Musikers bildet sich ein Spalier aus Händen: Dann stürmt der Mann im roten Trainingsanzug energiegeladen die Bühne. Mit dabei: Seine Schwester und der Song „Marmeladenglas“. Die beiden singen, tanzen, animieren die Crowd. 

Der Saal ist schnell auf Temperatur. Die ersten Reihen zücken Handys und Schilder in Herzform. Mahoro setzt mit druckvollem Deutschpop einen gekonnten Kontrast zu Cosie. Er singt über die Leichtigkeit des Lebens, über Heartbreaks und erzählt, warum seine Schwester an Instrumenten viel besser ist – um danach hinter dem Kopf Gitarre zu spielen.

Tulpen und eine OP

Jonny, 2017 bei The „Voice of Germany“ am Start, verteilt auch Tulpen, sucht Verliebte im Publikum und singt stilsicher Adeles „Someone like you“. Sein Ziel: Das Publikum soll mit mehr Liebe nach Hause gehen als es gekommen ist. Dafür gibt er sichtlich alles und bringt viele zum Tanzen. Und verrät: Er feiert Freiburg – und hat bald eine Hals-OP an der Uniklinik.

Folge 2 in Planung

Nach rund zwei Stunden ist Schluss im Waldsee. Der Abend hat zwei Acts geboten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wer beide nicht kannte, kam nicht garantiert auf seine Kosten – hat aber in jedem Fall was Neues entdeckt und einen spannenden Abend erlebt. Rausgegangen will mit dem Format Livemusik fördern und Newcomer*innen pushen. Ein starker Ansatz in schweren Zeiten für Kunst und Kultur.

Und es geht weiter: Am 9. Juni steigt das zweite Freiburger „Geheimkonzert“ im Waldsee. Die Early Bird-Tickets dafür sind für 21,90 Euro sind bereits ausverkauft.

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„Man muss mutig sein“: Warum Freiburg sein erstes „Geheimkonzert“ bekommt

Fotos: © Till Neumann