Saxofon im Sonnenuntergang: »High on Sax« macht die Blaue Brücke zur Bühne Musik | 16.12.2025 | Till Neumann

Vereint Parkour und Musik: Louis Ketterer aka High on Sax auf der Blauen Brücke

Louis Ketterer (31) spielt zum Sonnenuntergang Saxofon auf den Streben der Blauen Brücke. Auch heute richten Passant·innen erstaunt den Blick nach oben, manche bleiben stehen und lauschen. Wie kommt man auf so eine Idee? Das erzählt „High on Sax“ im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann.

Spielt am liebsten oben: Louis Ketterer

chilli: Louis, wer bist du?

Louis: Hi, ich bin Louis, ich bin High on Sax. Ich spiele auf der Blauen Brücke und an anderen Orten Saxofon. Mein Kriterium ist: Es muss hoch sein.

chilli: Wie kamst du drauf?

Louis: Das ist die Mischung meiner Hobbys: Ich mache Parkour. Da klettert man ja eh immer irgendwo hoch. Beim Spielen am Boden hatte ich das Gefühl: Die Leute denken, ich will Geld von ihnen. Mir war das unangenehm. Dann habe ich in Frankfurt auf einem Kran am Main gespielt – und mich voll wohlgefühlt.

chilli: Warum?

Louis: Das war viel angenehmer. Und die Leute feiern das, machen gerne Fotos und so. Ich hab’ gemerkt: Ich fühl’ mich da einfach wohler. Als ich zurück in Freiburg war, habe ich es einfach durchgezogen.

chilli: „High“ hat also nichts mit Drogen zu tun?

Louis: Nee, gar nicht. High on Sax ist ein Wortspiel. Man kann ja von vielem high werden: Drogen, Sex … Bei mir ist es eben das Saxofon.

chilli: Wo spielst du in Freiburg?

Louis: Eigentlich fast immer auf der Blauen Brücke. Ich habe auch mal auf dem Chemie-Hochhaus im Institutsviertel gespielt. Da bin ich abends hoch und habe ganz an der Ecke gespielt.

chilli: Wie oft bist du hier?

Louis: Eigentlich immer, wenn das Wetter gut ist und ich Zeit habe. Ich wohne vier Minuten entfernt.

Schwindelfrei: Louis Ketterer balanciert mühelos über die Streben und spielt dabei Saxofon.

chilli: Wie ist die Stimmung?

Louis: Also das Minimum ist, dass die Leute sich freuen über Musik zum Sonnenuntergang. Das Maximum waren so 50 bis 60 Leute, die hier standen und so ’ne Stunde getanzt haben. Die Stimmung ist absolut geil. Was ich am coolsten finde: Wenn da Dates hocken und ich sehe, wie ich die Sache unterstütze.

chilli: Was für Songs spielst du?

Louis: Ich mache viel einfachen Jazz, für schwierigen bin ich nicht gut genug. Wenn die ganze Zeit die Tonart wechselt oder so, das krieg ich nicht hin. Aber Jazz, Blues, Reggaeton, LoFi und manchmal Dancehall, so in die Richtung.

chilli: Du improvisierst?

Louis: Ja. Alles ist improvisiert. Noten lesen kann ich nicht. Ich habe Saxofon einfach so für mich gelernt in meinem Zimmer. Ich habe die Tonleitern auswendig gelernt und dann geguckt, was gut klingt. Dann bin ich raus.

chilli: Du warst auf dem ZMF. Auf welchem Zelt standest du?

Louis: Ich stand beim Eingang auf dem Container. Wenn ich irgendwo oben sein kann, ziehe ich das durch.

chilli: Macht sich die Kunst bezahlt?

Louis: Das läuft jetzt richtig gut. Ich komme gerne vorbei, auch wenn es nicht high ist – auf Geburtstagen, Hochzeiten oder Firmen-Events. Meine Nische ist: Ich mache keine Show. Ich bin einfach irgendwo am Rand und spiele.

chilli: Wie viel Risiko gehst du ein?

Louis: Wenig. Ich mache seit rund 18 Jahre Parkour, bin Höhen gewohnt und kann Situationen einschätzen. Außerdem habe ich mein Saxofon dabei. Viel Risiko kann ich mir gar nicht leisten.

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Alles improvisiert: Louis spielt zu Beats aus der Bluetooth-Box

Fotos: © tln