„Waren total baff“: Zwei Südbadener sind Teil des Serien-Welthits Maxton Hall Musik | 19.11.2025 | Till Neumann

Erfolgsduo: Julian Erhardt und Victoria Hillestad komponieren für die global erfolgreiche Serie „Maxton Hall“ Erfolgsduo: Julian Erhardt und Victoria Hillestad komponieren für die global erfolgreiche Serie „Maxton Hall“

Victoria Hillestad und Julian Erhardt finden ihre Story „nicht spannend“. Dabei sind sie Teil der erfolgreichsten Nicht-US-Serie auf Amazon Prime: Maxton Hall. Die zwei Lahrer haben die Filmmusik dafür komponiert. Als sie einstiegen, waren sie „Nobodies“. Heute sind sie es nicht mehr.

„Hätte da ein Projekt“

Party machen kann unerwartete Türen öffnen. So ging es Victoria Hillestad (37). Als sie in Berlin lebte, lernte sie auf einer Feier den Regisseur Martin Schreier kennen. Einige Jahre später schrieb er über Facebook: „Machst du noch Filmmusik? Ich hätte da ein Projekt, für das du pitchen kannst.“

Mittlerweile hatte Hillestad in Ludwigsburg Filmmusik studiert und dabei ihren Kommilitonen Julian Erhardt (31) kennengelernt. Sie schlossen sich als „Songs in Cinema“ zusammen. Kurzerhand sagten sie den Pitch zu, bekamen die ersten zehn Minuten der deutschen Serie Maxton Hall geschickt. Drei Tage hatten sie Zeit. „Wir haben über das Wochenende einfach zehn Minuten Musik komponiert“, erzählt Erhardt.

„Waren Nobodies“

Viele Vorgaben gab’s nicht: „Wir hatten nur ein kleines Briefing, dass es modern klingen soll für junge Leute“, erinnert sich Erhardt. Große Chancen rechneten sie sich nicht aus: „Wir waren Nobodies“, sagt Hillestad. Es sei eine Ehre gewesen, überhaupt mitmachen zu dürfen. „Das war verrückt“, so Hillestad.

„Maxton Hall“

„Maxton Hall“: Die Serie ist die erfolgreichste Nicht-US-Produktion auf Amazon Prime

Sie war in den Endzügen einer Dokuserien-Musikproduktion, hatte Stress. „Ich glaube, die meisten hätten gesagt: Sorry, wir haben keine Zeit. Wir haben gesagt, wir kaufen ganz viel Mate-Tee und versuchen es“, erinnert sich die gebürtige Norwegerin.

Mitgewirkt: Sänger Kenny Joyner

Teil ihrer zehn Minuten ist auch ein Song mit dem Freiburger Kenny Joyner, Frontmann der Band Fatcat. Mit ihm entstand „First and Last“. Eine soulige Ballade, die allein auf Spotify mehr als 3,3 Millionen Streams verbucht hat. „Die zwei sind einfach super kreative Arbeitstiere, haben genaue Vorstellungen, wie die Songs klingen sollen“, erzählt Joyner. Das habe die Zusammenarbeit einfach gemacht, schwärmt der Sänger.

„Nicht bereit gefühlt“

Das Lahrer Duo ging mutig ans Werk. „Wir haben mit Streichern gearbeitet, auch wenn sie keine hören wollten“, berichtet Hillestad. Und das wurde belohnt: Die Zusage kam. Das Filmteam orderte sogar noch mehr Cello, Geige und Co.

Ihre Reaktion auf den Coup? „Wir waren sehr aufgeregt und sind abends essen gegangen“, erzählt Erhardt. Sie mussten erst mal überlegen, was auf sie zukommt. „Wir haben uns eigentlich noch nicht bereit gefühlt für eine Prime-Video-Produktion.“ Schon in Studienzeiten hatten sie für Filme Musik produziert und erste Kontakte geknüpft. Doch für eine Serie und in dieser Dimension, das war Neuland.

Internationaler Hit

Mittlerweile haben sie für die erste Staffel mehr als zwei Stunden Musik produziert. Das Format ist global eingeschlagen: „Deutsche Serie wird weltweiter Streaming-Hit“, titelte zdfheute.de 2024. Die College-Serie „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ mit Harriet Herbig-Matten und Damian Hardung habe in der Startwoche „die größte globale Zuschauerzahl eines nicht-amerikanischen Titels“ in der Geschichte von Prime Video erzielt. Sie sei in mehr als 120 Ländern auf Platz eins der Prime-Video-Charts gelandet.

Auch Songs in Cinema verblüffte das: Als sie erfuhren, dass die für den deutschen Markt produzierte Serie in unzählige Sprachen übersetzt wird, staunten sie ordentlich: „Wir waren total baff.“

„Ganz tolle Erfahrung“

Sie haben offenbar einen großen Anteil am Erfolg. „Die Zusammenarbeit mit Victoria und Julian ist eine ganz tolle Erfahrung“, sagt Produzentin und Headautorin Ceylan Yildirim. „Sie schaffen es immer wieder, uns mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem besonderen Sound zu überraschen.“ Ihre Musik sei ein außerordentlich wichtiger Bestandteil des Maxton-Hall-Kosmos und verleihe den Szenen eine subtile Magie.

Mittlerweile leben Hillestad und Erhardt ausschließlich von ihrer Musik. Und haben den nächsten dicken Fisch an Land gezogen: Sie komponieren die Musik für eine „Traumschiff“-Folge. Für die ARD haben sie zudem Musik für „Der Flensburg-Krimi“ geschrieben.

Der nächste Coup: das „Traumschiff“

Die Arbeit für Maxton Hall geht weiter: Im Oktober waren sie bei der Premiere der 2. Staffel in Berlin. Sie ist am 7. November auf Amazon angelaufen. Eine dritte ist in Arbeit. Für beide gibt’s erneut Musik von Songs in Cinema.

Was sie besonders macht? Zwei Dinge fallen ihnen dazu ein: Zum einen, dass sie ein Faible fürs Songwriting haben. Also nicht nur auf Musik setzen, die Filmszenen begleitet, sondern auch abgeschlossene Titel einreichen. Zum anderen, dass sie als Duo arbeiten. „Es hilft, als Team zu agieren“, betont Hillestad. So könnten sie sich gegenseitig ergänzen und seien strapazierfähiger.

Faible für 007

„Die erste Staffel von Maxton Hall war ein  Bootcamp für uns“, erzählen sie. Sie hätten viel über Filmmusik und Musikproduktion gelernt. Das Ziel ist, auf dem Level weiterzuarbeiten.

Teil der Band: Das Duo spielt bei We Are Alva mit.

Wenn sie sich einen Film aussuchen könnten? „James Bond“, sagen beide. Oder was sci-fi-mäßiges wie Interstellar oder Dune. Und ein NoGo? „Reality-TV vielleicht“, sagt Erhardt und lacht. Dort würden aber selten Filmomponisten gesucht.

Ob sich der Welthit Maxton Hall finanziell gelohnt hat? „Die regulären Sätze für freiberufliche Musiker bleiben die gleichen“, erzählen sie. Die Serie mache da keine Ausnahme. Das Livegeschäft kennen die beiden gut: Sie sind Teil der Freiburger Indie-Band We Are Alva. So können sie ihre Leidenschaft für Musik auch auf der Bühne ausleben.

Fotos: © Katharina Kraft, Maxton Hall