Wenn der Cavaliere d`argento Buonanotte amici singt – So war das bei der Grucchi-Gang auf dem ZMF Musik | 28.07.2025 | R.D. Welteroth

Francesco Wilking

Das Wetter ist immer ein Thema. Gerade auf dem ZMF. Wenn es also einmal wenig sommerlich ist, dann kann Musik in Kombination mit Dolce Vita durchaus helfen. Den Beweis dafür trat am Sonntag die Grucchi-Gang an, die sich ihren Namen mit einem Augenzwinkern von der nicht wirklich schmeichelnden Bezeichnung der Italiener für die Deutschen entliehen hat, indem sie die etwas andere Notte Italiana aufs ZMF brachte.

Gegründet und weiterhin federführend geleitet von Francesco Wilking, der aus Lörrach stammt und einst auch in Freiburg musikalische Spuren hinterließ, bevor er sich auf nach Berlin und dort einen Namen machte mit Bands wie Tele oder der Höchsten Eisenbahn.

Die Idee dahinter: Man nimmt mehr oder weniger bekannte deutsche Songs gerne auch jüngeren Datums wie „Alles Grau“ von Isolation Berlin zum Beispiel, überträgt sie ins Italienische, „Tutto Grigio“ also, und lässt dann im besten Fall gleich den Sänger des Originals die Version einsingen.

Auf den zwei bisher erschienenen Platten der Gang funktioniert das wunderbar, und so durfte man auf die Live-Performance der Grucchi-Gang gespannt sein. Das Badische-Zeitung-Zelt war dann doch ganz gut gefüllt als Wilking samt Begleitband die Bühne betrat. Die Band hatte es wirklich in sich: durch seine Tochter, die als Background-Sängerin und sympathische Stichwortgeberin für ihren Vater fungierte, aber auch aufgrund der spielfreudigen Bläsersektion und den versierten Mitstreitern an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard.

Wilking übernahm über weite Strecken den Gesang und führte charmant und mit Herz und auch Witz durch einen Abend, der beim Publikum von Beginn an auf Gegenliebe stieß und mindestens zur deutsch-italienischen Völkerverständigung beitrug.

Das liegt zum einen sicherlich an der grundsätzlichen Liebe der Deutschen zu Bella Italia und allem, was da noch klischeehaft so dazu gehört, Stichworte: Pizza, Amore, Mare, aber auch an der Auswahl und den gelungenen Interpretationen der Lieder und nicht zuletzt an den zwei Gastsängern Tristan Brusch und Fai Baba, die den Konzertabend durchaus zu bereichern wussten.

Wilking, der mütterlicherseits italienische Wurzeln hat, erzählte etwas nachdenklich über sein Aufwachsen zwischen den Kulturen und machte die Show mehr und mehr zu einer Familienangelegenheit. Seine Schwester wurde auf die Bühne gebeten und gesellte sich zu den Backgroundsägerinnen, zuvor wurde noch der Tante per Telefon zusammen mit dem Publikum ein Geburtstagsständchen gesungen. Tanti Auguri Tante Giuliana!

Gianna Nannini, eine der bekanntesten musizierenden Italienerinnen hierzulande und auf dem ZMF ebenfalls noch zu Gast, wurde angekündigt, kam dann aber doch nicht mehr leibhaftig auf die Bühne, was dem Abend keinen Abbruch tat. Setzte die Gang doch ihren Giro d´Italia fort mit dem Cavaliere d`argento, einer luftigen Version von Joachim Witts eher verstörendem NDW-Gassenhauer „Der Goldene Reiter“, bevor sie dann auf die Zielgerade einbog und mit Umberto Tozzis Gloria und dem unverwüstlichen Azzurro für fast schon übermediterrane Stimmung sorgte.

Das letzte Lied des Abends, nach dem dann die allermeisten beseelt und glücklich in die doch eher kühle, regnerische Nacht hinaustraten, war passenderweise Buonanotte Amici. Eine überzeugende Interpretation des 70er-Jahre -Schlagers „Gute Nacht Freunde“ von Inga & Wolf, auch das jüngere Publikum goutierte dieses Gute-Nacht-Lied begeistert. Mille Grazie Grucchi -Gang!

Foto: © Mayra Wallraf