IG BAU fordert viele Förderungen – Gewerkschaft warnt vor „Wohnarmut“ Bauen & Wohnen | 21.02.2026 | chilli

Herzenssache Wohnungsbau: 19.200 neue Sozialwohnungen fürs Ländle – jährlich. Herzenssache Wohnungsbau: 19.200 neue Sozialwohnungen fürs Ländle – jährlich.

Vor allem Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht. „Etliche der rund 7010 Azubis in Freiburg wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Ilse Bruttel, die Bezirksvorsitzende Südbaden der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Das Wohnen werde gerade auch für Azubis mehr und mehr zum Problem. Auch das zeigt, heißt es in einer Pressemitteilung der IG BAU Südbaden, der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.

„Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, so Bruttel. Die IG BAU fordert von Bund und Land, den Neubau von Azubi-Wohnungen zu unterstützen, vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren. Bruttel spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten auch Studierende: „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben.“

Zudem warnt die IG BAU Südbaden vor „Wohnarmut“ im Alter. Rund 22.900 Baby-Boomer in Freiburg gehen nach Berechnungen des Pestel-­Instituts bis 2035 komplett in Rente. Viele Baby-Boomer bekämen nur eine niedrige Rente, weil sie häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet hätten. Wenn diese in Rente gehen, würden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: „Sie wohnen sich regelrecht arm.“

Ein wichtiger Schritt zu mehr bezahlbaren Mieten seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, fordert die Bezirksvorsitzende.

Der „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut nenne dabei eine erste Zielmarke: die Verdopplung von derzeit einer auf zwei Millionen Sozialwohnungen bundesweit bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Baden-Württemberg bedeute das konkret: „Bis 2035 muss es in ganz Baden-Württemberg 224.400 Sozialwohnungen geben“, so Bruttel. Das sind 19.200 zusätzliche Sozialwohnungen – jährlich.

Um diese Zielmarke bei den Sozialwohnungen zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch den Bund und das Land Baden-Württemberg notwendig. Vom Bund fordert die IG Bau, dass die Fördergelder gleich zum Baubeginn bereitstehen und nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden. Vom Land, dass es eine öffentliche Statistik führt: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Baden-Württemberg wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind.“

Foto: © IG BAU / Nils Hillebrand