Buch-Rezi: Morituri – Vampirische Prozedur Kultur | 24.06.2021 | Erika Weisser

Cover Morituri

In einer fiktiven grenzregionalen Moorlandschaft in der österreichischen Provinz bereitet sich ein ganzes Dorf auf die Eröffnung einer neuen Klinik vor. Einer Privatklinik, die den unscheinbaren Charakter dieses „hauptsächlich aus Zersiedelung und nicht mehr ganz taufrischen Fertighäusern“ bestehenden Ortes nicht einmal verdirbt: Sie funktioniert unterirdisch und untermoorig. 

Das Projekt scheint nicht nur wegen seiner Lage ziemlicht dubios: In den verborgenen Räumen sollen reiche Leute die Möglichkeit erhalten, sich ihren Traum vom ewigen Leben zu erfüllen – vermittels permanenter Bluttransfusion von jungen, gesunden zu demnächst alternden Menschen. Was diese ohnehin vampirisch anmutende Prozedur besonders brisant macht: Als Blutspender und somit Lebensverlängerer für den Geld- und Politadel fungieren Asylbewerber, die damit Sozialpunkte für einen gesicherteren Aufenthaltsstatus im Land erwerben können. 

Zur Eröffnung der Wunderklinik gibt es Besuch vom Präsidenten. Diesen zeichnet  die Autorin ausgesprochen hinterhältig als Figur, die sich aus einem ausländischen, gern oberkörperfreien Politiker, einem inländischen „Buberlkanzler“ und weiteren männlich-autokratischen Komponenten zusammensetzt. Und während die „patriarchatskompatible“ Bürgermeisterin vor ihm auf die Knie fällt, lauert schon ein Attentäter …

Buchcover Morituri

Morituri
von Olga Flor
Verlag: Jung und Jung 2021
206 Seiten, gebunden
Preis: 22 Euro