Buchtipp: „Hier war doch nichts!“ von Wolfram Wette Kultur | 05.03.2020 | Erika Weisser

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Am Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, am 30. Januar 1933, sagte der Gipser und politisch weitblickende Sozialdemokrat Adolf Licht aus Waldkirch-Kollnau zu seinen erwachsenen Kindern: „Dieser Mann wird einen Scherbenhaufen hinterlassen!“

Sein damals 30-jähriger Sohn Hermann, Arbeiter in einer Textilfabrik und Vater von fünf Kindern, wird im Mai 1933 verhaftet: Er hatte sich jahrelang im Kampf gegen die NSDAP engagiert; für ihn hatte es „nie etwas anderes gegeben, als sozialistisch zu sein“. Nach seiner Entlassung aus der Schutzhaft setzte er seine Arbeit für die „Antifaschistische Aktion“ fort, wurde 1935 erneut verhaftet und zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach wurde er ohne jedes weitere Verfahren in das KZ Dachau deportiert, von wo er während eines Transports kurz vor Kriegsende fliehen konnte.

Hermann Licht, der 1990 im Alter von 87 Jahren starb und für das erfahrene Unrecht nie entschädigt wurde, war einer der wenigen aktiv Widerständigen: Das Kapitel „Widerstand“ umfasst gerade 50 Seiten in der 530 Seiten starken Dokumentation über die Geschichte Waldkirchs in der Nazi- und Nachkriegszeit. Ein sehr wichtiges und lehrreiches Buch, das viele Zusammenhänge beleuchtet – auch die schwierige Aufarbeitung der dunkelsten Epoche der Stadt.

von Wolfram Wette
Verlag: Donat, 2019
528 Seiten,
Hardcover
Preis: 29,80 Euro