Liebe, Lachen, Tinder: Lesestück „Blaue Stunde“ eint Witz und Gefühlschaos Kultur | 04.06.2018 | Till Neumann
Verliebt, verwirrt, verlassen. Das ist die Story des Lesestücks „Blaue Stunde und ein Viertel“. Die Achterbahnfahrt der Gefühle eines nerdigen Kerls ist witzig getextet, multimedial aufbereitet und charmant vorgetragen. Nach der ausverkauften Premiere vergangene Woche ist das Stück von Gottfried Haufe und Janou Iserloh am Donnerstag, 7. Juni, zum zweiten Mal im Kulturaggregat zu sehen.
„Die wahren Dramen spielen nicht im Rampenlicht“, sagt Gottfried Haufe (27). Der Freiburger hat eine Geschichte geschrieben und inszeniert, die so seit Tausenden Jahren passiert und deswegen „erzählt werden muss“. Natürlich im Rampenlicht. Natürlich geht’s um Liebe. Der sich ins Drama stürzende Jasper kämpft dabei um seine Angebetete – die ihm am Ende einen ziemlichen Hammer offenbart.
Drei alte Radios, eine Retro-Lampe, eine Couch, eine hölzerne Sitzbank. Das ist das Wohnzimmer-Szenario des Stücks. Dass dabei vor allem gelacht wird, ist schnell klar: Jasper schreibt einen Brief an sein Herzblatt – und hat mit seinen widersprüchlichen Liebesbekundungen das Publikum nach wenigen Augenblicken auf seiner Seite.
Es geht um Liebe in all ihren Facetten: Schmetterlingsgefühle, Frust, Treue, Erwartungen, Sehnsucht. Janou Iserloh steht der Situationskomik von Jasper in keiner Weise nach: Als „Tom“ fragt, was „Luise“ an Männern mag, meint sie erst, keine Vorlieben zu haben. Doch dann bricht es aus ihr heraus. Ihr Gegenüber rutscht bei all den Ansprüchen immer tiefer in seinen Stuhl.

Skurriler Liebesbrief: Gottfried Haufe alias Jasper schreibt seiner Liebsten – ohne zu wissen, was er will.
Das Stück bezieht sich auf das Liebeslied „Anna“ von Freundeskreis aus dem Jahr 1997. Es strotz aber vor Aktualität: Tinder, WhatsApp und Selfie-Videos heben das Thema ins Jetzt. Dass Autor Gottfried Haufe, bekannt durch die Freiburger „Nachhall“-Serie, auch von eigenen Erfahrungen berichtet, ist kaum zu verbergen. Aufgebrochen wird das Stück von einem Duett an der Gitarre – natürlich gibt’s Liebeslieder.
Was Haufe und Iserloh erzählen, hält so manchem Möchtegern-Romantiker den Spiegel vor. Die Zauberformel für die schönste Nebensache der Welt liefern sie nicht. Dafür jede Menge unterhaltsamen Herzschmerz und selbstironische Situationskomik. Mit bittersüßem Ende.
Infos
Lesestück: Blaue Stunde und ein Viertel
Autor: Gottfried Haufe
Akteure: Gottfried Haufe und Janou Iserloh
Ort: Hilda 5, Kulturaggregat
Zeit: Donnerstag, 7. Juni 2018
Einlass: 19.30 Uhr
Show: 20.30 Uhr
Eintritt: 3 bis 5 Euro
Im Netz: www.kultur-aggregat.de/blaue-stunde
Fotos: ©Till Neumann









