Neun Stunden mit den dunklen Kräften der Versuchung: Goethes Faust Kultur | 29.01.2020 | chilli
„Wir sind alle Faust. Wir verschulden uns ständig in dem, was wir tun. Die Frage ist, was wir daraus machen“, sagt Regisseurin Andrea Pfähler, die zusammen mit dem Eurythmie-Lehrer Eduardo Torres an einer Neuinszenierung von Johann Wolfgang Goethes Menschheitsparabel „Faust“ arbeitet, die im Juni auf der Bühne im Goetheanum in Dornach Premiere hat.
In einer von 17 auf neun Stunden verdichteten Spielfassung kommen die beiden Teile der zu allen Zeiten aktuellen Tragödie über Versagen, Schuld, mangelnde Verantwortung, Verwandlung und den Pakt mit dem Bösen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zur Aufführung. Trotz dieser Verdichtung, versichtert Pfähler, werde „die ganze Geschichte erzählt“.
Erstmals in der 81-jährigen Aufführungsgeschichte des „Faust“ am Goetheanum tritt die Dramatik der Erzählung an die Stelle der epischen Weite – dadurch korrespondieren die einzelnen Szenen stärker miteinander. Und „Faust“ kommt, mitsamt den dunklen Kräften seiner Versuchung, dem Zuschauer näher als üblich – in einem Bogen, der gespannt ist von der menschlichen Freiheit über das Sich-Verschulden bis hin zur Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Im Zentrum der Darstellung stehen Verwandlungsprozesse. Diese sind in bestimmten Situationen besonders deutlich herausgearbeitet, etwa wenn Faust sich in seinem Studierzimmer dem Freitod nähert – und das Leben durch das Ostererlebnis als „neugeboren“ be- und ergreift.
Goethes Faust, Teil 1 & 2
Goetheanum, Dornach/Schweiz
Sa., 20. Juni, 18 Uhr & So., 21. Juni, 9.30 Uhr
Info: www.goetheanum.org
Foto: © LuciaHunziker2019









