Autoland – angebrannt: Filmemacher Siegfried Held über soziale Bewegungen in und um Freiburg vor 4Film | 21.10.2021 | Erika Weisser

Szene aus "Autoland – abgebrannt" Protest in Breisach

Es ist genau 25 Jahre her: In den frühen Morgenstunden des 20. Oktober 1996 trafen etwa 50 junge Leute in dem bis dahin eher als Möslepark bekannten Konrad-Guenther-Park im Freiburger Osten ein und machten sich daran, einige der etwa 200 Jahre alten Bäume zu besteigen.

Unter der Anleitung professioneller Baumpfleger, erinnert sich der damals etwa 20-jährige Uli Weyer heute, sei man an den Stämmen bis zu einer Höhe von 20 bis 25 Metern hinaufgeklettert. Dort seien provisorische Behausungen errichtet worden – für die „vermutlich erste Baumbesetzung in Deutschland“. Der Freiburger Siggi Held hat eine neue Doku über die damalige Zeit gedreht.

Szene aus "Autoland – abgebrannt"

Baumbesetzung in Freiburg

„BÖHMische Dörfer GmBh“ nannte sich das Hüttendorf auf und unter den Bäumen, das von einigen Menschen als letzte Möglichkeit angesehen wurde, die Bäume zu retten, die für den geplanten Neubau der B 31-Ost gefällt werden sollten. Seit Jahren schon waren sie mit unterschiedlichen Mitteln gegen diese „Autobahn von Madrid bis Moskau“ durch Freiburg und den Schwarzwald angegangen, nun blieb nur noch diese Hoffnung. Eine vergebliche Hoffnung: Neun Tage später räumte die Polizei das Gelände, die Bäume wurden direkt gefällt und noch vor den Augen der entsetzten Besetzter gehäckselt. Es war ihr Geburtstag, erinnert sich Ellen Koppitsch, und weder zuvor noch hernach habe sie „jemals eine solche Niederlage erlebt“.

Koppitsch und Weyer kommen in Siggi Helds neuem Film zu Wort. „Autoland – abgebrannt“ heißt er und er dokumentiert die in den 1980er-Jahren beginnenden Auseinandersetzungen um die bei den jeweiligen Anwohnern allenthalben ungeliebte Straße – mit Archivaufnahmen von damals und rückblickenden Interviews von heute. Dabei unterhält sich der Filmemacher mit Gegnern und Befürwortern der Verlegung der verkehrsreichen Bundesstraße: Zu Wort kommen auch Konrad und Sebastian Haury aus Ebnet, die damals zu der „Notgemeinschaft Ebnet“ gehörten, die sich wegen des zunehmenden Schwerverkehrs, der durch den schmalen Ort donnerte und ihn in ein „Drecksloch“ verwandelte, vehement für den Neubau einsetze.

Siegfried Held

Vergebliche Kämpfe: In seinem neuen Film hat Siegfried Held den Widerstand gegen den Neu- und Ausbau der B 31-Ost dokumentiert.

Etwa ein Jahr hat der ehemalige Lehrer an dem Film gearbeitet, dem vierten in der Reihe, die die vielfältigen politischen, sozialen und ökologischen Bewegungen dokumentieren soll, die Freiburg „wie keine andere Stadt Deutschlands in den vergangenen 50 Jahren erlebte“– und in denen er teilweise selbst mitmischte. Ein sehenswerter Film mit Bezügen zur Gegenwart des weiteren Ausbaus dieser Straße.

Info 

Der Film ist zu beziehen bei:
hedko@web.de

Fotos: © Siggi Held