Buch-Tipp: Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen 4Literatur & Kolumnen | 15.04.2026 | Erika Weisser
„In meiner Kindheit ist mir nicht aufgefallen, dass wir in einem Patriarchat leben“, ist im ersten Panel des Comics zu lesen, in dem Ulli Lust ihre Recherchen zur Rolle der Frauen in den Urgesellschaften ins Bild setzt. Zu einer Zeichnung, die die Autorin mit ihrer Schwester beim unbeschwerten Spiel zeigt. Als sie jedoch als junge Erwachsene durch mehrere europäische Innenstädte wandert, fallen ihr die dominant männlich geprägten Denkmäler auf. Und sie fragt sich, warum die in den ersten 30.000 Jahren der Menschheitsgeschichte geschaffenen Artefakte fast nur weibliche Gestalten zeigen. Überall in der Welt.
Durch ausgiebige Forschungen gelangt sie zu erstaunlichen Schlussfolgerungen: Frauen eigneten sich durch genaue Beobachtung mystischer Tiere umfassendes Wissen über die Heilkräfte bestimmter Pflanzen an; sie wurden zu Schamaninnen, die auch Verbindung zu Menschen herstellen konnten, die in eine andere Welt übergegangen waren. Lust zeichnet aber auch nach, wie und warum sie aus ihrer geachteten Stellung in den ursprünglichen Gemeinschaften verdrängt wurden. Sehr erhellend.
Am 17. April, 19.30 Uhr kommt die Autorin im Literaturhaus Freiburg über ihre Erkenntnisse ins Gespräch mit der Geschlechterforscherin Andrea Zimmermann.

Die Frau als Mensch 2: Schamaninnnen
von Ulli Lust
Verlag: Reprodukt, 2026
304 Seiten, Hardcover
Preis: 29 Euro









