Buch-Tipp: Die Frau als Mensch – Feministische Frühgeschichte 4Literatur & Kolumnen | 09.08.2025 | Erika Weisser

Cover Die Frau als Mensch

Ulli Lusts „Die Frau als Mensch“ erschien im Frühjahr und wurde am 17. Juni vom Börsenverein des deutschen Buchhandels zum „Sachbuch des Jahres“ gekürt. Als erster Comic in der Geschichte des Preises.

Darin entwickelt die Professorin für Visuelle Kommunikation ihre eigene Theorie von der Frühgeschichte der Menschheit. Sie widerlegt das gängige Klischee von der Urgesellschaft, in der Männer den Ton angeben und nur die Stärksten überleben. Nach ihrer überzeugend in Bild und Wort gesetzten Interpretation handelte es sich vielmehr um Gemeinschaften, in der Gleichberechtigung und Fürsorge herrschten. Zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen Stärkeren und Schwächeren.

Sie zitiert unzählige archäologische Funde von Frauenfiguren, die in steinzeitlichen 30.000 Jahren auf der gesamten Erde entstanden sind. Und in allen Kulturen ähnlich gestaltet waren: mit großen Brüsten, breiten Hüften und überbetonten Vulven. Sie bringt auch reich ausgestattete Gräberfunde ins Bild, die den Schluss zulassen, dass der gesellschaftliche Beitrag von Frauen sich nicht auf die Reproduktion beschränkte. Und körperlich beeinträchtigte Menschen oft geachtete Schaman·innen waren.

Spannend illustrierte und erkenntnisreiche Lektüre.

Cover Die Frau als Mensch


Die Frau als Mensch

von Ulli Lust
Verlag: Reprodukt, 2025
256 Seiten, Hardcover
Preis: 29 Euro