Buch-Tipp: Unter einem fremden Stern – Erzwungene Unsichtbarkeit 4Literatur & Kolumnen | 23.02.2026 | Erika Weisser

Buch Unter einem fremden Stern

„Voll Freude am wechselnden Schauspiel der Tage lebte ich unter den Menschen. (…) war Freund unter Freunden und allem Lebendigen zugetan“, schrieb Lotte Paepcke in ihrem 1952 erschienenen autobiografischen Roman „Unter einem fremden Stern“. Und im nächsten Satz: „Dann wurden die Synagogen zerstört. (…) Wir waren auf dem Weg nach draußen, wo keine Heimat mehr ist.“

Heute kennen viele Freiburger·innen kaum mehr den Namen der Frau, die 1910 als Tochter des Lederhändlers und SPD-Stadtrats Max Mayer hier geboren wurde und 2000 in Karlsruhe starb. Dabei zeugt das Werk Paepckes, die als Jüdin dank ihres getreuen nichtjüdischen Ehemanns, mutiger Freunde und eines beherzten Stegener Kloster-Paters das Naziregime überlebte, von tiefem Humanismus und ist heute sehr aktuell.

Nachdem das schmale, aber überaus gehaltvolle Buch seit vielen Jahren vergriffen war, hat der Freiburger Verlag 8 Grad es nun neu aufgelegt. Und darin ist hautnah und sensibel viel von dem beschrieben, was ausgegrenzte Menschen auch heute wieder erleben: Angst, Verlassenheit, Isolation und der verzweifelte Versuch, unsichtbar zu werden. Es ist aber auch ein kraftvolles Plädoyer für Zivilcourage, Solidarität und die Achtung der Gleichwertigkeit aller Menschen.

Buch Unter einem fremden Stern


Unter einem fremden Stern
von Lotte Paepcke
Verlag: 8 Grad, 2026
Neuauflage
120 Seiten, gebunden
Preis: 24 Euro