Buch-Tipp: Wenn wir lächeln – Baseballschlägerinnenjahre 4Literatur & Kolumnen | 22.06.2025 | Erika Weisser

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Nullerjahre und Baseballschläger? Das lässt an die Auftritte radikalisierter rechter Jugendgangs im Osten denken. Mascha Unterlehbergs fragmentarischer Roman spielt indessen im Westen: im Ruhrgebiet, wo die Autorin lebte, bevor sie zum Studium nach Freiburg kam.

In ihrem Erstling geht es um Anto und Jara, die sich als pubertierende Schülerinnen kennenlernen und bald in einer toxischen symbiotischen Beziehung stecken: Die sehr reiche und wohlstandsverwahrloste Anto gibt sich selbstbewusst und ist bestimmend und kalt. Die in armen Verhältnissen lebende Jara ist unsicher, anerkennungssüchtig und manipulierbar. Sie bemerkt die klassenbedingten Unterschiede und damit verbundene emotionale Ausbeutung nicht.

Denn zunächst wird alles geteilt: die Drinks, deren Alkoholgehalt konstant steigt, die geklauten Klamotten, das teure Lipgloss, der Hass auf die „Typen, die auf unsere Körper starren“, das bei Raubzügen erbeutete Geld, die Wut auf die Verhältnisse. Und die Baseballschläger, mit denen sie Autos demolieren. Als Jara sich nach Jahren von Anto lösen will, ist diese plötzlich weg. Und Jara wird sie nicht mehr los.

Lesung: 23. Juni, 19.30 Uhr, Scheunensaal im Stubenareal St. Georgen, in der Reihe zwischen/miete des Literaturhauses.

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Wenn wir lächeln
von Mascha Unterlehberg
Verlag: DuMont, 2025
256 Seiten, gebunden
Preis: 23 Euro