Heimspiel: »Wir wissen, was funktioniert« 4Literatur & Kolumnen | 30.08.2025 | David Pister
Benedikt Böckenförde (44), Gründer von Visual Statements, erkannte das Potenzial von Social Media, lange bevor andere daran dachten. Was als One-Man-Show mit einer einzigen Facebook-Seite begann, ist heute ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden in Freiburg.
„Als die Zeit von StudiVZ vorbei war und Facebook immer beliebter wurde, habe ich angefangen, Facebook-Seiten zu gründen. Durch meine Arbeit bei Medienunternehmen wie Burda oder Gruner + Jahr wusste ich: Wenn du Reichweite hast, kannst du Geld verdienen. Die erste Seite habe ich 2011 gegründet: Du weißt, Du bist Freiburger, wenn … Die Liebeserklärungen an die Stadt schienen gut anzukommen.
Ich habe mit vielen Facebook-Seiten herumexperimentiert: Hotels to stay in, before you die oder Visual Statements, aus der dann auch 2014 die Firma entstanden ist. Heute finden sich mehr als zehn Marken – wie Lieblingsmensch, Vollzeitprinzessin oder wrdprn – unter dem Dach von Visual Statements wieder.
Es gab nie einen Masterplan. Das war und ist eben meine Leidenschaft. Ich habe das lange durchgezogen, ohne echten Plan, ohne Erlösmodell, sondern habe einfach Reichweite und Relevanz aufgebaut. Als ich dann gemerkt habe, dass sich damit Geld verdienen lässt, habe ich zuerst einen Internet-Shop gebaut und dann eine Firma gegründet.
Im E-Commerce-Shop haben wir T-Shirts oder Tassen mit Sprüchen darauf verkauft. Das hat uns auch den Ruf als Freiburger Sprücheklopfer eingebracht. Wir haben die besten analysiert und sie auf die Produkte gepackt. 2017 kam noch ein weiteres Standbein dazu: der stationäre Einzelhandel. Wir haben einen Postkartenständer bei E-Bay gekauft und ihn in der Buchhandlung Rombach aufgestellt. Und der hat sich eben schneller gedreht als der unserer Wettbewerber.
Heute ist das Media-Geschäftsmodell am wichtigsten. Wir sind zum Beispiel vollumfänglich für die Social-Media-Aktivitäten verschiedener Unternehmen zuständig. Immer mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass wir Deutschlands größter Social-Publisher sind. Wir erreichen 20 Millionen Menschen. Jeden Monat. Wir wissen, was funktioniert.
Heute beschäftigen wir 50 Mitarbeiter. Es ging aber nicht immer nur bergauf. Das Unternehmen ist komplett eigenfinanziert: ein brutal hohes unternehmerisches Risiko. Wir sind drei Gesellschafter, alle Freiburger. Wir hatten nie Investoren oder externe Geldgeber. Deswegen gab es in den letzten zehn Jahren auch immer kritische Momente.
Trotz aller Veränderungen ist eins immer gleich geblieben: mein Standort. Auch wenn die großen Agenturen in München und Hamburg sitzen, bleiben wir hier. Ich bin in Freiburg geboren, ein Bobbele. Es gibt keinen Grund, woanders hinzugehen. Freiburg ist Fluch und Segen zugleich: Wir sind Platzhirsch in unserem Bereich. Wir bekommen super viele Bewerbungen. Bei uns gibt es kaum Fluktuation. Aber es gibt auch Nachteile: Manche Positionen lassen sich nur schwer besetzen. Weil man eben nicht mal eben zu einer anderen Agentur gehen kann, um Talente abzuwerben. Das ist in größeren Städten viel einfacher. Wir schaffen es zwar manchmal, die Leute herzuholen, aber das ist herausfordernd.
Dabei hat Freiburg gute Argumente. Leo Tacke, der zweite geschäftsführende Gesellschafter, ist das beste Beispiel. Ihn habe ich aus München zurück nach Freiburg geholt. Ich selbst habe nie dauerhaft in einer anderen Stadt gelebt. Klar. Mal in Australien und Thailand zum Reisen und für ein Semester in Leipzig. Weil ich einen – sagen wir – herausfordernden Professor hatte und hier durch den Buchhaltungsschein gefallen bin. Aber ansonsten war Freiburg immer meine Homebase.“










