Geborgenheit für Gebärende – Doulas begleiten werdende Mütter – ergänzend zur Hebamme Jobstarter | 28.12.2025 | Sabine Meuter (dpa)

Doulas stehen werdenden Müttern emotional zur Seite. Doulas stehen werdenden Müttern emotional zur Seite.

Doulas sind dafür da, Frauen bei der Geburt emotional zu unterstützen. Wie sie das machen – und was sie von Hebammen unterscheidet.

Eine Geburt ist nicht nur körperlich, sondern auch mental herausfordernd, mit Unsicherheit und Ängsten verbunden. Hier kann eine Doula helfen, die der Frau und deren Partner zur Seite steht. Dabei ersetzt sie nicht die Hebamme, sondern ergänzt deren Arbeit. Wie sie das macht, erzählt Doula Carina Appl im Job-Protokoll:

Der Weg in den Beruf

„Eigentlich bin ich Tischlerin und Architektin. Viele Jahre habe ich als Bauleiterin gearbeitet. Dann bin ich schwanger geworden. Ich brachte mein Kind damals in einem Geburtshaus zur Welt. Es war eine sehr kraftvolle, selbstbestimmte und wohlbehütete Geburt bei Kerzenlicht, bei der mich eine Hebamme sehr zugewandt und liebevoll begleitet hat. Als mein Kind älter war, arbeitete ich zunächst wieder auf dem Bau und stellte fest, dass meine Arbeit in Teilzeit nicht wertgeschätzt wurde – und fasste den Entschluss, künftig in einem Beruf zu arbeiten, in dem auch ich Frauen begleite. So kam ich auf den Beruf der Doula.

Die Ausbildung

Während meiner Ausbildung habe ich eine Reihe von Seminaren besucht. Dort lernte ich, wie ich Schwangere und deren Partner vor, während und nach der Geburt umsorgen kann. Ich habe gelernt, verschiedene Wohlfühltechniken zu praktizieren und wurde auch für nonverbale Kommunikation sensibilisiert.

Thema ist dort auch, dass ich als Doula nicht in medizinische Belange eingreifen darf. Außerdem habe ich sehr viel gelesen – circa 30 bis 40 Bücher. Und ich habe an einem Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen. Zusätzlich dazu habe ich drei Geburten begleitet und anonymisiert dokumentiert.

Ich habe dann ein Doula-Zertifikat zur zertifizierten DiD Doula bekommen. Es lehnt sich an internationale Standards an. Aussteller ist der Verein Doulas in Deutschland. Doulas nehmen zudem regelmäßig an Weiterbildungen teil.

Der Berufsalltag

Vor der Geburt treffe ich mich mit der Schwangeren und ihrem Partner etwa drei Mal. Dabei geht es darum, welche Vorstellungen und Wünsche die Schwangere an mich hat, damit sie sich geborgen und gut aufgehoben fühlt. Die Wünsche sind sehr unterschiedlich und reichen von Ruhe haben über Musik hören, Hypnose oder Massage bis hin zu gemeinsam Kuchen backen. Auch die Wünsche des Partners sind ein wichtiges Thema. Fünf Wochen um den Geburtstermin bin ich dann an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr in Rufbereitschaft. Sobald die Wehen einsetzen, bin ich da. Ich massiere die Frau, wenn sie das möchte, lese etwas vor oder bin einfach nur da.

Während der Geburt unterstütze ich die Frau emotional – und zwar so, wie sie es möchte. Ich weiß, wovor sie Angst hat und kann etwas entgegensetzen. Nach der Geburt kommt es zu ein bis zwei weiteren Treffen, wenn gewünscht.

Unterschied Doula Hebamme

Es gibt klare Abgrenzungen. Wir Doulas dürfen keinerlei medizinische Behandlungen vornehmen, die medizinische Verantwortung liegt bei den Hebammen. Doulas sind „nur“ dafür da, Gebärende emotional zu unterstützen und zu begleiten. Wir Doulas verstehen uns durchaus als Team mit den Hebammen.

Das schönste Erlebnis

Viele kennen Doulas nicht. Wenn ich Müttern von meinem Beruf erzähle, sagen nicht wenige: „Wenn ich gewusst hätte, dass es Doulas gibt, hätte ich auch eine gebucht.“ Mein Highlight war, als ich meine beste Freundin bei der Geburt ihres Kindes begleiten durfte – und dann ihr Baby in Händen hielt.

Gehaltsaussichten

Die Verdienstmöglichkeiten sind nicht sonderlich gut. Pro Auftrag gibt es im Schnitt 1000 Euro plus Umsatzsteuer – für Vor- und Nachtreffen, die Rufbereitschaft rund um den Geburtstermin und die Geburtsbegleitung. Wer gut gebucht ist, kommt auf etwa 30 Aufträge im Jahr. Aber mir ist nicht wichtig, viel zu verdienen. Für mich steht im Vordergrund, Gebärenden Nähe, Wärme und Geborgenheit zu spenden.“ 

Fotos: © Patrick Pleul (dpa)