Gut beraten – Jobporträt Einzelhandel: Jérôme Bleile zeigt, welche Chancen die Ausbildung heute bietet Jobstarter | 27.06.2026 | BZ/Anita Fertl

Liebt das Arbeiten mit Menschen und mit Lebensmitteln: Jérôme Liebt das Arbeiten mit Menschen und mit Lebensmitteln: Jérôme

Von wegen nur an der Kasse stehen – wie abwechslungs- und perspektivenreich der Beruf der Einzelhandelskaufleute tatsächlich ist, zeigt das regionale Jobporträt.

Sie sind nah am Kunden, beraten und verkaufen, bestellen, nehmen an und verräumen – kurz: Sie organisieren den gesamten Warenfluss und helfen letztlich dabei, dass zu Hause der Tisch gedeckt ist. „Man sollte Spaß an Lebensmitteln und Spaß daran haben, mit Menschen zu arbeiten, Bereitschaft zum Arbeiten im Team mitbringen und die Motivation, Neues zu lernen“, fasst Jérôme Bleile die wichtigsten Voraussetzungen für die dreijährige, duale Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann zusammen.

Weg in den Beruf

Zwar zählt der Einzelhandelskaufmann beziehungsweise die Einzelhandelskauffrau schon seit Jahren zu den beliebtesten Top Ten der Ausbildungen in Deutschland, aber dennoch hat der 22-Jährige nicht den direkten Weg in die Ausbildung gewählt. Er hat zwar schon direkt nach dem Abi im Einzelhandel gejobbt, aber zuerst ein Physikstudium begonnen. Das jedoch brach er nach eineinhalb Semestern ab.

„Weil mir aber die Arbeit im Einzelhandel so viel Spaß gemacht hat, wurde mir das Abiturientenprogramm vorgestellt: Das beinhaltet eine verkürzte, zweijährige Ausbildung mit angehängtem Handelsfachwirt“, erzählt Jérôme. Am Ende dieses Weges steht ein Bachelorabschluss, das Programm selbst dauert drei Jahre. Übrigens können auch Azubis, die das Ausbildungsziel in kürzerer Zeit erreichen, die Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzen. Aktuell arbeitet Jérôme im Hieber’s Frische Center Breisach und wird im September seinen Handelsfachwirt in der Tasche haben. Im Breisacher Markt bildet Hieber insgesamt sechs Auszubildende aus. „Außerdem haben wir noch zwei Auszubildende aus Indien im Rahmen eines unternehmensweiten Programms. Dabei kommen junge Menschen aus Indien zu uns und machen eine Ausbildung zum Bäckerei- oder Metzgereifachverkäufer“, so Ausbilder Stiven Fix.

Voraussetzungen & Ausbildung

Für ihn zählt als Voraussetzung für den Job vor allem Sozialkompetenz: „Man sollte auf Menschen zugehen können, offen sein und nicht mit Scheuklappen durch die Gegend laufen“, sagt Fix und schmunzelt. Auch das selbstständige Arbeiten sei wichtig. Üblich ist ein Realschulabschluss. „Aber wir versuchen, so gut wie möglich jedem eine Chance zu geben, denn die Praxis ist noch mal was anderes als die schulische Theorie.“

In der Ausbildung durchlaufen die Kaufleute jede Abteilung, vom Trockensortiment und der Getränkeabteilung über die Frischebereiche wie Obst und Gemüse, den Backstand bis hin zu den Metzgerei-, Wurst-, Käse- und Fisch-Frischetheken. „Dazu kommen neben der Kasse die Prozesse hinter den Kulissen wie Lagerarbeit, Warenannahme, Lieferscheine buchen und das gesamte Rechnungswesen“, erklärt Jérôme.

In der Schule werden parallel und vertiefend zu den Abläufen im Betrieb im ersten Jahr die Bereiche Verkaufsgespräche, Kassenführung, Warenpräsentation und Verkaufsförderung unterrichtet, im zweiten Jahr kommen Warenbeschaffung und -annahme sowie Preiskalkulation dazu.

Im dritten Jahr steht der Fokus darauf, Marketingkonzepte zu entwickeln und den Personaleinsatz zu planen. Und: „In jeder Abteilung betreut die Abteilungsleitung und gibt ihr Wissen weiter, man wächst Schritt für Schritt in alles hinein. Ziel ist, nach drei Jahren einen Bereich gefunden zu haben, der besonders viel Spaß macht, in dem man sich spezialisieren und weiterlernen möchte“, erklärt Jérôme die Abläufe.

Schatten- und Sonnenseiten

Mit dem Schichtbetrieb und gegebenenfalls Samstagsarbeit hat Jérôme sich arrangiert: „Das lässt sich gut managen“, sagt er. Und auch wenn der Umgang mit schwierigen Kunden auf der Negativseite zu verbuchen ist, so überwiegt doch das Positive: „Es macht Spaß, wenn man den Kunden eine Freude bereiten kann, das macht einen selber auch glücklich“, sagt Jérôme und gerät ins Schwärmen vom Miteinander im Team, den Aufgaben, die auch das Präsentieren neuer Produkte und Saisonaufbauten umfassen. „Das mag ich am Einzelhandel: Kein Tag ist wie der andere, es ist abwechslungsreich.“

Karriereoptionen

Auch nach der Ausbildung seien die Möglichkeiten vielfältig, so Ausbilder Fix: „Wie man bei mir sieht, kann man in jungen Jahren schon viel erreichen. Ich habe in der Realschule in Mathe nicht geglänzt und mir wurde trotzdem eine Chance gegeben.“ Bei Hieber seien die Karrieremöglichkeiten breit gefächert, reichten bis zur Marktleitung. „Mit Engagement kann man sich hocharbeiten“, ist der stellvertretende Marktleiter überzeugt. Dem stimmt auch der künftige Handelsfachwirt Jérôme zu. „Wenn man Bock hat, was zu bewegen und anzupacken, dann kriegt man die Chance.“ Jérôme selbst war dank Vorkenntnissen und Engagement schon nach dem ersten Ausbildungsjahr Schichtleiter. Er hat nach seiner mit Bestnoten abgeschlossenen Ausbildung einen Förderpreis erhalten und will sich damit seinen Betriebswirt finanzieren. Und irgendwann den eigenen Markt aufmachen? Jérôme lacht. „Ich bin noch jung und am Anfang meiner Karriere. Von so großen Schritten kann ich im Moment nur träumen.“

  Foto: © Anita Fertl