Jobben als Nebenverdienst – Was früher die Ausnahme war, ist heute die Regel – studieren und arbeiten Jobstarter | 19.12.2025 | Elias Krieger
Beliebter Nebenjob im Studium: Aushelfen in der Gastronomie
68 Prozent der Studierenden in Deutschland arbeiten neben ihrem Studium.
Das veröffentlichte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) Januar 2025. Was Studierende zur Lage in Freiburg sagen, erfahrt ihr hier.
„Angefangen habe ich vor zweieinhalb Jahren in einem kleinen Restaurant im Service“, sagt Lisa Meier. Die 25-Jährige studiert in Freiburg Chemie. „Viele meiner Kommiliton*innen arbeiten während des Studiums. Vielleicht so circa 60 Prozent“, fügt sie hinzu.
Ob Miete für die WG oder das Wohnheimzimmer, Semester- und Studiengebühren, kurzum: Studieren kostet Geld. Laut den Einkommensstatistiken der EU (EU-SILC) waren 2023 gut ein Drittel (35 Prozent) der Studierenden in Deutschland von Armut bedroht. Zu arbeiten ist also nicht für alle eine freiwillige Entscheidung. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) arbeitete 2023 mehr als jeder zweite (56 Prozent) der 20- bis 24-jährigen Studierenden. 2015 lag die Erwerbsquote noch bei rund 20 Prozent.

Verdient 650 Euro im Monat: Studentin
Anastasia aus Freiburg
„Das Kindergeld und 100 Euro Unterhalt von meinen Eltern reichen nicht für meine Miete von 400 Euro im Monat. Alles andere ist dann auch nicht bezahlt“, sagt Anastasia Pagel. Sie ist 22 Jahre alt und studiert Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule in Freiburg. Pagel arbeitet als Alltagsassistentin für Menschen mit Behinderung für bis zu 40 Stunden im Monat. „Ich komme mit dem Nebenjob meistens auf rund 650 Euro. Monatlich habe ich so ungefähr 1000 Euro zur Verfügung“, so die Studentin.
„Generell gibt es drei Arten zu jobben: ein Werkstudium, den Mini- oder Midijob“, erklärt Michael Herbstritt, Ver.di-Geschäftsführer für Südbaden/Schwarzwald. Werkstudent*innen arbeiten regelmäßig, aber nur bis zu 20 Stunden pro Woche. Mini- und Midijob hingegen orientieren sich an der monatlichen Bezahlung. Jobs bis 556 Euro im Monat sind Mini, solche bis 2000 Euro im Monat sind Midi. Statistiken darüber, wie viele Studierende eine der drei Erwerbsformen ausüben, liegen Ver.di nicht vor.

Kennt den größten Nebenjob-Fehler: Michael Herbstritt
Ein Weg zum Jobben sind die Universitäten selbst: Studierende können zum Beispiel als wissenschaftliche Hilfskraft arbeiten. Das kann tieferen Einblick in die Fachbereiche im Studium geben und für den zukünftigen Beruf orientieren. Die Gastronomie in Freiburg ist ein weiteres Berufsfeld, das den Hochschülern offensteht. „Bei der Wahl der Branche gibt es kein Schlecht und kein Besser“, so Herbstritt.
Jobvermittlungen organisiert beispielsweise das Freiburger Studierendenwerk über seine Webseite. Ausschreibungen für Hilfswissenschaftler, Tutoren oder als Betreuer im Praktikum dagegen hängen die jeweiligen Fakultäten meist an ihre schwarzen Bretter. Darüber hinaus spezialisieren sich zahlreiche Internetportale auf die Jobsuche für Studierende.
„Der größte Fehler, den man beim Jobben machen kann, ist, sich nicht ausreichend zu informieren“, sagt Michael Herbstritt. Er weist darauf hin, dass Studierende oft schlechtere Bezahlung hinnehmen, weil sie nur kurzzeitig beschäftigt sind. „Bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall stehen auch den Studenten zu“, betont er. Darum könne es helfen, sich mit den Festangestellten zu beraten. Laut des Gewerkschafters sollte gelten: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“
Auch Lisa Meyer hat primär mit dem Jobben begonnen, um während des Studiums etwas Geld zu verdienen. Das hat sich geändert, sagt die Chemiestudentin: „Momentan ist aber auch das gute Verhältnis zu meinen Arbeitskolleg*innen Grund dafür.” „Ich kann anderen Studierenden empfehlen, einen Job in ihrem Feld zu suchen, das kann eine gute Vorbereitung sein”, resümiert Anastasia Pagel.
Info
Wichtiges zum BAföG: Die Grenze für ein stetiges Einkommen liegt aktuell bei 538 Euro pro Monat, so Herbstritt. Wird das überschritten und nicht gemeldet, können Rückforderungszahlungen vom Amt drohen. Die 538 Euro im Minijob an den Unis erreicht man jedoch nur bei Befreiung vom Einzahlen in die Rentenversicherung.
Keine Angst vor der Steuer! „Studierende müssen erst ab 10.908 Euro im Jahr Einkommensteuer zahlen“, erklärt Michael Herbstritt. Bleibt das Jahreseinkommen darunter, kann die Steuererklärung das zu viel gezahlte im Folgejahr zurückholen.









