Gastgeber aus Leidenschaft – Landgasthof Hirschen in Wittnau Restaurants | 25.10.2025 | Marianne Ambs

Landgasthof Hirschen in Wittnau Thomas und Eliane stehen seit 30 Jahren für Tradition und Weiterentwicklung im Landgasthof „Hirschen“.

Vielfalt und Neugier sind bei Familie Winterhalter im Landgasthof Hirschen in Wittnau eine Art Lebenskonzept. Genauso wichtig ist den Gastgebern die Tradition: Schließlich gilt der „Hirschen“ als das älteste Gasthaus des Ortes. Seit wann genau dort Gäste bewirtet werden, lässt sich urkundlich nicht genau belegen – aber 400 Jahre sind es mindestens.

Als Thomas und Eliane Winterhalter den Landgasthof „Zum Hirschen“ vor 30 Jahren übernommen haben, war dort noch vieles anders als heute. Frühere Generationen hatten vor allem Landwirtschaft betrieben, das Gasthaus lief nebenher. Im ältesten Lageplan von Wittnau von 1770 ist der Landgasthof schon eingezeichnet. 1929 wurde der „Hirschen“ durch einen Blitzschlag fast vollständig zerstört und musste neu aufgebaut werden. Bis zum modernen Restaurant mit kleinem Hotel, gemütlicher Freiterrasse und einer heimeligen Festscheune waren viele Um- und Ausbauten und zuletzt 2022 eine umfassende Renovierung der Gaststuben ­notwendig. Heute haben in der modern eingerichteten Gaststube mit traditionellem Kachelofen und in den beiden Nebenräumen insgesamt 85 Gäste Platz, dazu kommt in der warmen Jahreszeit die Gartenterrasse mit 70 Sitzplätzen. Die Scheune mit 120 Plätzen wurde 2001 ausgebaut und wird gerne für Hochzeiten, Familienfeiern und Firmenevents gebucht. Auch Weihnachtsfeiern finden hier statt. „Einige freie Termine haben wir noch“, so Eliane Winterhalter.

Thomas und Eliane Winterhalter

Herzliche Gastlichkeit, eine ­familiäre Atmosphäre, Spaß an der Gastronomie – für die Winter­halters eine Selbstverständlichkeit. „Wer nicht jeden Morgen mit Freude ins Gasthaus geht, der ist nicht der Richtige für den Beruf“, findet Thomas Winterhalter. Der Frühaufsteher dreht gerne eine Runde mit dem Hund durch die malerische Landschaft rund um Wittnau, bevor es im „Hirschen“ richtig losgeht. Danach geht es Schlag auf Schlag: Mittagstisch, Abendservice. Dazu kommen ein Bestell- und Abholangebot, Familienfeiern sowie ein Party-Service. Es gibt viel zu tun für das Wirtepaar, das neben der Gastronomie noch weitere Standbeine hat.

Wild aus eigener Jagd

Thomas Winterhalters Leidenschaft ist die Jagd. Seine Reviere liegen in Wittnau und im elsässischen Eguisheim. Dort erlegt er Rehe und Wildschweine, im Elsass auch Hirsche. Der Herbst ist traditionell die beste Zeit für Wild­gerichte. Im „Hirschen“ gibt es deshalb ab Oktober wieder eine eigene Wildkarte. Darauf stehen zum Beispiel ein herbstlicher Salat mit Trauben, Nüssen und Rehstreifen, Wildmedaillons mit Pfiffer­lingen oder ein Wildragout mit Spätzle und Preiselbeerbirne. Gerade sind die Rehmaultaschen der Renner. „Aber eigentlich ist für Wild das ganze Jahr Saison“, so Thomas Winterhalter, der nicht nur Koch, sondern auch Metzgermeister ist. Die fachgerechte Zerlegung der Rehe und Wildschweine aus den eigenen Revieren ist für ihn kein Problem. Wichtig ist ihm darüber hinaus, möglichst alles vom Tier zu verwenden und nichts zu verschwenden. Auch aus Respekt vor dem Tier. Bei unserem Besuch im „Hirschen“ hängt gerade ein Wildschwein im Kühlhaus, das wenige Tage später auf der Wochenkarte steht. „Mehr Bio geht nicht“, ist der Gastwirt überzeugt. Das von ihm erlegte Wild lebt frei und artgerecht bis zum letzten Atemzug. Rehe, Hirsche und Wildschweine ernähren sich von dem, was sie in der Natur vorfinden. Wer gerne Fleisch isst, aber auch das Tierwohl im Blick hat, der sollte zu Wild greifen, findet der passionierte Jäger. Sohn Julius teilt die Liebe zur Jagd. Der zweite Sohn Lukas hat Koch gelernt und erweitert im Wald & Schlosshotel Friedrichs­ruhe bei Zweiflingen nordöstlich von Heilbronn gerade seinen Horizont. „Wir würden uns freuen, wenn er in einigen Jahren nach Hause kommt und den Hirschen weiterführt“, so die Eltern, die dem Sohn aber die Entscheidung überlassen, wie er sein Leben gestalten will.

Gaststube Landgasthof Hirschen

Ob in der Gaststube oder in der Festscheune: Herzliche Gastlichkeit ist im „Hirschen“ selbstverständlich.

Landgasthof Hirschen Festscheune

Von der Kegelbahn zum Weinkeller

Die Gastwirtin hat ein Faible für Wein: Gerade hat Eliane Winterhalter bei der IHK eine Weiterbildung zur Sommelière gemacht und dabei viel gelernt über Weine weltweit und deren Präsentation. Auf der Weinkarte im „Hirschen“ stehen aber nur eigene Weine. Denn zum Gasthaus gehört ein Weingut, das inzwischen unter der Regie von Sohn Julius steht. Im Nebenerwerb kümmert sich dieser um die Reben. Angebaut werden Weißburgunder und Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Spätburgunder, Merlot, Chardonnay und Shiraz, natürlich auch Gutedel. „Der hat im Markgräflerland nach wie vor seine ­Berechtigung“, findet Thomas Winterhalter. Das Weingut haben Thomas und Eliane Winterhalter in den letzten 30 Jahren nach und nach aufgebaut. Aus der früheren Kegelbahn ist ein Weinkeller geworden.

Unterstützt werden die Winterhalters von fünf Festangestellten und einigen Aushilfen. Herr der Küche ist Thomas Winterhalter, seine Frau ist für den Service und das Hotel verantwortlich. Produkte aus der Region, saisonale Gerichte, alles hausgemacht und frisch: Das sind die wichtigsten Grundlagen für Winterhalters Kochkunst. „Bei uns wird noch richtig gekocht“, so Thomas Winterhalter. Es wird geschält, geraspelt und geschnippelt, Fertigprodukte haben in der Hirschen-­Küche nichts zu suchen. Thomas Winterhalter nennt seine Küche „gutbürgerlich“.

Offen für Neues

Stehengeblieben ist er aber nicht. Mit Sohn Lukas wird in der Küche fleißig ausprobiert. Besonders bei der Zubereitung von Fleisch geht der Küchenchef im „Hirschen“ gerne neue Wege: Ein Rindersteak wird auch mal Sous-vide gegart und anschließend kurz angebraten. Winterhalters experimentieren mit dem Reifegrad von Fleisch, mit Vakuumierung und Marinaden – denn Aromen und Gewürze ziehen tiefer ins Fleisch ein, wenn sie vor dem Vakuumieren hinzugefügt werden. Die Produkte – Fleisch, Eier, Kartoffeln, Spargel und anderes Gemüse – kommen von Produzenten vor der Haustür, aus dem Hexental, auf jeden Fall aus der Region. Auf der Wochenkarte steht zum Beispiel eine Rinderroulade mit Kartoffelkroketten und Gemüse. Das Rind ist nebenan aufgewachsen, auf dem Hof von Valentin Vetter in Wittnau.

 Landgasthof Hirschen

Info

Landgasthof „Zum Hirschen“
Schönbergstraße 11
79299 Wittnau
Tel.: 07 61 / 40 21 37
www.hirschen-wittnau.de

Öffnungszeiten:
Mi.–So. 12–14.30 Uhr und 18–22 Uhr

Küchenöffnungszeiten:
Mi.–Sa. 12–14 Uhr und 18–21 Uhr & So. 12–14 Uhr und 18–20 Uhr
Geschlossen: 24.12. (Heiligabend) und 1.1. (Neujahr)

Rezept des Monats

Vom Landgasthof Hirschen

Rehmaultaschen

Rehmaultaschen

Für 6 Portionen

Für den Teig:

1800 g Mehl 405
600 g Hartweizengrieß
24 Eier
1 TL Salz
12 EL Rapsöl

Zutaten miteinander verkneten, eine Teigkugel machen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung:

1 kg Rehfleisch
100 g Würfelspeck
2 Zwiebeln, in Würfel geschnitten
frischer Rosmarin, gehackte ­Petersilie, Knoblauch
3 Brötchen vom Vortag
250 ml Sahne
5 Eier
Salz, Pfeffer, etwas Portwein, Knoblauch
1 EL Preiselbeeren

Zwiebeln, Kräuter und Speck in der Pfanne anschwitzen. Das Rehfleisch mit der Zwiebelmischung durch den Fleischwolf lassen.

Brötchen vom Vortag in Milch einweichen, ausdrücken, wolfen, mit der Fleischmasse mischen. Sahne und Eier zugeben, mit Salz, Pfeffer, Portwein, Knoblauch, Preiselbeeren abschmecken.

Nudelteig ausrollen, mit der Rehmasse befüllen und mit Eiweiß zukleben. Im heißen Wasser sieden lassen und mit frischen Pfifferlingen servieren.

Pilze

Fotos: © Reinhold Wagner; iStock.com/Lezh, Michaela Moser, Eliane Winterhalter, Reinhold Wagner; iStock.com/Floortje