Gummi und Aluminium gegen die Wassermassen – Freiburgs Rathaus stellt Starkregenkarten vor Natur & Umwelt | 02.08.2025 | Philip Thomas
Viel Blau, viel Risiko: Abrufbar sind die vergrößerbaren Gefahrenkarten unter: freiburg.de.
Der Deutsche Wetterdienst zählte 24.000 Starkregenereignisse zwischen 2001 und 2023 in Deutschland. Und laut Umweltbundesamt werden sich die Vorfälle in Zukunft noch häufen. Auf die Wassermassen ist Freiburg kaum vorbereitet. Das Rathaus hat deswegen Gefahrenkarten veröffentlicht und ruft die Bürgerschaft auf, Haus und Hof zu schützen.
„Es war uns wichtig, diese Karten so schnell wie möglich der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, sagt Jochen Riesterer vom Freiburger Garten- und Tiefbauamt ins Mikrofon im Bürgerhaus Zähringen. Sein Kollege Matthias Heigold hatte zuvor in der Steinriedhalle in Waltershofen gesagt: „Starkregen betrifft uns alle. Und es wird uns in den nächsten Jahren immer stärker beschäftigen.“
Die Karten zeigen, wohin das Wasser im Ernstfall fließt. Die Überflutungsflächen sind blau gefärbt. Je dunkler das Blau, desto höher das Regenwasser. Besonders stark betroffen sind laut Simon Müller, Projektleiter des beteiligten Freiburger Ingenieurbüros Weber, versiegelte Flächen. Er erklärt: „Seltener Starkregen“ tritt mit etwa 40 Liter pro Quadratmeter je Stunde auf. „Außergewöhnlicher Starkregen“ mit 50 Liter pro Quadratmeter und „Extremer Starkregen“ mit 128 Liter pro Stunde.
Pfeile auf den Karten zeigen, wohin und wie schnell das Wasser fließt. „Ist der Boden nicht mehr zu sehen, sollte das Wasser auf keinen Fall betreten werden“, warnt Kerstin Büche, Hydrologin der Firma Geomer. Sie mahnt, Keller bei Starkregen keinesfalls zu betreten: Bereits wadenhohes Wasser mache das Öffnen der Kellertür nahezu unmöglich. Die Folge kann Ertrinken sein.
Laut den Experten treten die Regengüsse lokal und meist ohne Vorwarnzeit auf. Das bis dato letzte Starkregenereignis in Freiburg ist zwei Jahre her: Im August 2023 standen die Echte-Helden-Arena und die Emil-Thoma-Schule binnen zwei Stunden unter Wasser. Die Feuerwehr fuhr rund 400 Einsätze. Im Stadtteil Wiehre stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch.
„Die Berufsfeuerwehr Freiburg kann mit dem verfügbaren Personal und den Einsatzfahrzeugen der Feuerwache allein solche Situationen nicht bewältigen“, so Rathaussprecher Toni Klein. In den Stadtteilen stehen deshalb mehr als 550 ehrenamtliche Feuerwehrangehörige in 18 Abteilungen bereit. Aber auch ihre Möglichkeiten sind begrenzt.
Bis Mitte 2026 will das Rathaus daher eine Risikoanalyse vorlegen. Darin soll deutlich werden, welche Areale im 155 Quadratkilometer großen Freiburger Stadtgebiet besonders stark gefährdet sind. Bis zum Jahr 2027 will die Verwaltung ein Handlungskonzept vorstellen und damit den Schutz vor Starkregen verbessern. Bis dahin lautet die Empfehlung der Experten an die Bürger: Das Überschwemmungsrisiko in einem Hochwasserpass festhalten und diesen für eine Elementarschadensversicherung nutzen.
Der Waltershofener Bernd Nußbaumer hat solch eine Versicherung abgeschlossen, nachdem sein Keller an der Umkircher Straße unter Wasser stand. Zusätzlich ließ er ein Hochwasserfenster am Keller installieren. Kostenpunkt: 2000 Euro. Das sei gut investiertes Geld. „Das Thema beschäftigt uns hier“, sagt Nußbaumer. Er plädiert dafür, den Schutz vor Starkregen nicht allein der Bürgerschaft zu überlassen. Auch die Kommune müsse etwa durch Entsiegelung einen Beitrag leisten.
Ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte und am etwa 500 Meter entfernten Christhahlenweg wohnt, ist nach dem Starkregen 2023 erfinderisch geworden. Für rund 1000 Euro hat er sich aus Aluminiumstreben und Gummi eine aufbaubare Barriere gebastelt. „Zur Beruhigung“, sagt er. Etwa 30 Zentimeter Wasser könne er damit wohl von seiner tiefer gelegenen Garage abwehren. Laut Karte hätte er aber bereits im Falle eines „seltenen“ Starkregens bis zu 50 Zentimeter in der Einfahrt.
Grafik: © geoportal.freiburg.de/freigis/








