Jäger der Nacht – Großes Mausohr: Fledermaus des Jahres Natur & Umwelt | 05.08.2025 | Marianne Ambs

Fledermaus Großes Mausohr

Am Tag verbergen sie sich in Häusern und Baumhöhlen. In der Dämmer­ung fliegen sie aus, lautlos, für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar. Etwa 1400 Fledermausarten gibt es weltweit, in der REGIO sind noch 20 Arten zu finden. Doch ihr Lebensraum ist in Gefahr.

„Da, ich sehe eine, zwei, drei, ganz viele.“ Die siebenjährige Viktoria kann sie mit bloßem Auge erkennen, ich brauche ein Nachtsichtgerät, um den Ausflug der Fledermäuse aus dem Dachfenster des Oberrotweiler Pfarrhauses zu beobachten. Edmund Hensle hat mit seinem Team oberhalb des Hauses Geräte aufgestellt. Der Ettenheimer ist ein Fachmann für Fledermäuse, seit Jahrzehnten in der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg (AGF) aktiv. Für sein Engagement hat er 2024 sogar das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Die Dämmerung senkt sich langsam über das Dorf, bald hüllt die Nacht alles in tiefe Dunkelheit. Hoch oben, unter dem Dachfirst des Pfarrhauses, erwachen die stillen Bewohner der Nacht: Hier hat eine Kolonie von Großen Mausohren ihre Wochenstube. Mehrere hundert weibliche Tiere hängen mit ihrem Nachwuchs kopfüber an den Dachbalken. In der Abenddämmerung fliegen sie aus, auf der Suche nach Nahrung. Etwa ab Ende März bis September sind die Mausohren mit ihren Jungen in der Wochenstube. Dann geht es ins Winterquartier, wo auch die männlichen Tiere wieder dazustoßen. Das Große Mausohr ist die Fledermaus des Jahres 2025, gewählt von Partnern der Schutzorganisation BatLife Europe. Sie ist mit gut 40 Zentimeter Flügelspannweite die größte heimische Fledermausart.

Auf der Roten Liste

Fledermäuse sehen mit ihren Ohren, fliegen mit ihren Händen und schlafen mit dem Kopf nach unten – und das bereits seit mehr als 50 Millionen Jahren. Sie sind die einzigen Säugetiere, die das Fliegen erlernt haben. Die Augen sind verkümmert. Wenn sie nachts auf Beutejagd sind, finden sie sich durch Ultraschall-Echoortung im Dunkeln zurecht.

Etwa 1400 Fledertier-Arten gibt es weltweit, 25 Arten leben in Deutschland und ­20 im Südwesten. Alle heimischen Arten stehen auf der Roten Liste, denn das Insekten­sterben und der Verlust an Quartieren macht den Fledermäusen zu schaffen.

Die Zwergfledermaus ist die häufigste Art im Südwesten. Während auch das Große Mausohr recht häufig in der REGIO zu finden ist, werden Bechstein- und Breitflügel­fledermäuse immer seltener gesichtet. Die Große Hufeisennase ist fast ganz ausge­storben. Laut Bundesamt für Naturschutz befindet sich die einzige Wochenstube im Land in der Oberpfalz. Für Menschen sind Fledermäuse keine Gefahr. Eine Fledermauskolonie am Haus ­kann sogar nützlich sein: Immerhin ­fressen Fledermäuse Stech­mücken. Auch ­kleine Arten kommen auf 4000 pro Nacht.

Bechsteinfledermäuse

Die Bechsteinfledermaus (o.) steht wie das Große Mausohr (u.) auf der Roten Liste. Fledermauskästen ersetzen verloren gegangene Fledermausquartiere.

Große Mausohr

Info

Am 30. und 31. August findet die ­internationale Batnight statt.
Weitere Infos: www.nabu.de, agf-bw.de.

Fledermausweg Ettenheim

Schon mit Einbruch der Dämmerung können Wanderer die früh fliegenden Arten bei der Jagd über dem Wasser beobachten. Weglänge 3 bis 4 Kilometer. Die kleine Runde ist für Kinderwagen geeignet. Fledermausführung ab 10 Personen: Tourist-Info, Tel.: 07822/432-10

Fotos: © iStock – Michel VIARD – Neil Bowman – undefined undefined