Plantschen mit Prädikat – So sorgen Ämter für saubere Badeseen in Freiburg Natur & Umwelt | 31.07.2025 | Philip Thomas

Ins Glas und ab ins Labor nach Stuttgart: Kai Schmid vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald entnimmt eine Wasserprobe aus dem Tunisee. Ins Glas und ab ins Labor nach Stuttgart: Kai Schmid vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald entnimmt eine Wasserprobe aus dem Tunisee.

In den heißen Sommermonaten werden Freiburgs Badeseen zu Oasen der Abkühlung. Damit ihre vom Freiburger Umweltschutzamt „ausgezeichnete“ Wasserqualität trotz der hohen Temperaturen gewährleistet ist, werden die Gewässer regelmäßig beprobt, gepflegt und mikrobiologisch untersucht.

„27,5 Grad – das ist ordentlich warm“, sagt Inga Fritz und fischt ihr Thermometer wieder aus dem Freiburger Tunisee. Darin reflektiert die Sonne, darüber ist am letzten Junitag des Jahres keine Wolke zu sehen. Neben Badegästen fühlt sich auch die Blau­alge ab einer Wassertemperatur jenseits von 25 Grad ausgesprochen wohl, so die Hygiene­inspektorin beim zuständigen Gesundheits­amt. Die Blaualgen können dem Gewässer Sauerstoff entziehen und Giftstoffe bilden.

Per verschließbarem Plastikbecher an einem Stab entnimmt Kollege Kai Schmid vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald eine Wasserprobe aus dem See. Vorschriftsgemäß an der am stärksten frequentierten Stelle des Gewässers, am östlichen Ufer, direkt vor den Dauercampern.

WasserProben

Bald ist diese Stelle nicht mehr so einfach auszumachen. Denn in weniger als drei Wochen soll rund um den rund acht Hektar großen und maximal zwölf Meter tiefen See das Sea-You-Festival steigen. Zehntausende Party-Gäste verlassen sich auf das Gewässer als Oase der Abkühlung. Allerdings scheint die Sause dem See keinen Schaden zuzufügen. „Nach der Party haben wir keine erhöhten Werte, in den Proben ist nichts zu sehen“, erklärt Fritz.

Trotzdem: Die Proben gehen zur mikrobiologischen Untersuchung ins Landesgesundheitsamt nach Stuttgart. Getestet wird dort vor allem auf Escherichia coli und Enterokokken. „Ein gewisser Grad an Fäkalbakterien ist völlig normal. Wichtig ist, dass er im Grenzbereich liegt“, sagt die Kontrolleurin. Sonst kann die Behörde ein Badeverbot erlassen.

Im Falle des Freiburger Tunisees – wie auch im Flückiger-,  Silber-, Dietenbachsee sowie im großen und kleinen Opfinger Baggersee und im Moosweiher – liegen diese Werte allerdings im „ausgezeichneten“ Bereich. „Die Seen erfüllen die strengsten Grenzwerte der Landesverordnung für Badegewässer“, erklärt Ralf Schmidt, Vorsitzender von NABU Freiburg. Nur wenn alle Werte über einen Zeitraum von vier Jahren konstant im besten Bereich liegen, wird diese Einstufung vergeben.

Um dieses Prädikat zu behalten, ist Pflege notwendig. „Stehende Gewässer wie Teiche, Weiher oder kleine Seen sich selbst zu überlassen, klingt romantisch – ist aber in der Praxis meist keine gute Idee“, sagt Umweltexperte Schmidt. Ohne Pflege drohen Verlandung, Sauerstoffmangel, Algenblüten oder das Überhandnehmen invasiver Arten: „Besonders künstlich angelegte oder stark genutzte Gewässer brauchen regelmäßige Aufmerksamkeit, um ökologisch stabil und nutzbar zu bleiben.“

Das Freiburger Garten- und Tiefbauamt (GuT) ist für den Flückiger-, Dietenbachsee und den Moosweiher verantwortlich. Mittels Uferpflege und unterschiedlicher Rasenhöhe steuert es die Nutzung dieser Gewässer. „So etablieren sich an freigehaltenen Ufern Badestellen, und an Ufern, wo Schilf, Brombeeren und andere Pflanzen wachsen, entstehen Rückzugsräume für Tiere“, erklärt Rathaussprecherin Linda Widmann.

Wie empfindlich Gewässer sind, zeigt die Brugga bei Kirchzarten. Der knapp 18 Kilometer lange Nebenfluss der Dreisam ist seit dem Ausbruch der Krebspest im Jahr 2019 gesperrt. Anfang Juli verlängerte das zuständige Freiburger Regierungspräsidium das Verbot bis zum Jahresende. Um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, hat das Amt beim Engenwald außerdem eine Krebssperre errichtet. Dennoch wurde der Erreger im Dezember erstmals im Zastlerbach nachgewiesen. 

Fotos: © Philip Thomas